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Chemiedozententagung wird international - Zu wenig deutsche Nachwuchschemiker?

18.02.2004 - (idw) Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Die traditionsreiche, einmal im Jahr stattfindende Chemiedozententagung verzeichnet erstmals eine signifikante ausländische Beteiligung. Bei der diesjährigen "Leistungsschau" für Nachwuchschemiker, vom 7. bis 10. März an der Universität Dortmund zu Gast, stammen rund 20 Prozent der Vorträge aus ausländischen Arbeitskreisen. Eine erfreuliche und erwünschte Entwicklung, die zeigt, dass Deutschland im Ausland als ein attraktiver Forschungsstandort gesehen wird. Offenbart sie aber auch einen Mangel an deutschen Nachwuchschemikern?

Der Tagungsorganisator und Vorsitzende des Ortsverbands Dortmund der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Norbert Krause von der dortigen Universität, präzisiert, dass 29 von 140 Vorträgen der überwiegend jungen Chemiker von ausländischen oder im Ausland arbeitenden deutschen Chemiker gehalten werden. Wer bei der Chemiedozententagung auftritt, will seine Karriere in Deutschland beginnen oder fortsetzen; denn im Publikum der Chemiedozententagung sitzen außer den deutschen Dozenten auch Vertreter in Deutschland ansässiger Chemieunternehmen. Sie verschaffen sich einen Überblick über die fähigsten Nachwuchschemiker; nicht selten werden direkt Kontakte geknüpft.

Krause wie auch die ADUC, die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren für Chemie, eine Arbeitsgemeinschaft der GDCh und Veranstalterin der Tagung, wollten die Internationalisierung der Chemiedozententagung ganz bewusst vorantreiben. Hätte man diesen Schritt nicht getan, wäre möglicherweise ein so umfassendes Vortragsangebot nicht zustande gekommen. Krause: "Man merkt, dass die Absolventenzahlen, die Zahlen der Doktoranden und Habilitanden in der Chemie in Deutschland z. Zt. extrem niedrig sind. Es wird noch etwas dauern, bis die jetzt wieder erfreulich ansteigenden Studienanfängerzahlen sich auch auf die Absolventenzahlen positiv auswirken."

Die Nachwuchschemiker-Elite arbeitet, wie die Tagung zeigt, zumeist auch auf zukunftsträchtigen Forschungsfeldern. Im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses stehen Katalysatoren und Mechanismen katalytischer Prozesse, Naturstoffsynthesen und -strukturermittlungen, Mechanismen biochemischer Reaktionen, Nanostrukturen und Supramolekulare Chemie, molekulare Erkennungsprozesse, Metallorganische Chemie, Bioanalytik sowie Spitzenforschung auf den klassischen Gebieten der Anorganischen, Organischen und Analytischen Chemie. Auch werden neue Ansätze für den Chemieunterricht und für das Chemiestudium vorgestellt.

Die Chemiedozententagung wird mit einer GDCh-Festsitzung eröffnet. In ihr werden der Alfred-Stock-Gedächtnispreis an Professor Dr. Hansgeorg Schnöckel, Karlsruhe, für seine Arbeiten auf dem Gebiet der anorganischen Synthesechemie, insbesondere der Synthese metalloider Cluster, und der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis an Dr. Andreas Terfort, Hamburg, für seine Arbeiten auf dem Gebiet der selbstorganisierenden Monoschichten auf Festkörpern verliehen. Des weiteren erhält während der Chemiedozententagung Professor Dr. Heindirk tom Dieck, Friedrichsdorf, die GDCh-Ehrenmitgliedschaft. Die diesjährigen ADUC-Preisträger sind Dr. Dr. Hans-Jörg Himmel, Karlsruhe, Dr. Kilian Muñiz, Bonn, und PD Dr. Markus Reiher, ebenfalls Bonn.

Ein Novum auf der Chemiedozententagung sind auch die beiden öffentlichen Vorträge im Hörsaalgebäude II. Mit dem Thema "Der Bologna-Prozess und die Chemieausbildung: Herausforderungen für die Studienreform" spricht der erste Vortrag am 8. März um 17.50 Uhr vor allem die Fachöffentlichkeit an. An die breite Öffentlichkeit wendet sich der Experimentalvortrag "Vom Spüli zu Riesenseifenblasen" am 9. März um 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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