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Michael Morgners Bildwerk für die Biocity

20.02.2004 - (idw) Universität Leipzig

Die Kustodie der Universität Leipzig eröffnet am 25. Februar 2004, 19 Uhr, im Kroch-Haus eine Ausstellung mit Arbeiten des Chemnitzer Künstlers Michael Morgner - Plastik, Malerei, Grafik - aus Anlass der Aufstellung der Stahlplastik Morgners vor dem Neubau des Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrums der Universität Leipzig. Die Ausstellung ist vom 26.2. bis 18. 4. 2004 für die Besucher geöffnet.

Aus Anlass der Aufstellung einer Plastik Michael Morgners vor dem Neubau des Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrums der Universität Leipzig im November 2003 widmet die Kustodie dem Chemnitzer Künstler eine Ausstellung. Präsentiert werden Arbeiten, die im Zusammenhang mit der Stahlplastik am Deutschen Platz stehen: Entwicklung und künstlerischer Kontext von Morgners Siegerentwurf im Wettbewerb ''Kunst am Bau'' werden anhand von Zeichnungen, Gemälden und plastischen Modellen erläutert.

Am südöstlichen Ende des Deutschen Platzes, gegenüber der Deutschen Bücherei und in direkter Nachbarschaft des Max-Planck-Institutes für Evolutionäre Anthropologie erhebt sich seit dem Frühjahr 2003 der von den Hamburger Architekten Ingrid Spengler und Manfred Wiescholek entworfene Neubau der ''Biocity''. Im Westflügel hat das Biotechnologisch-Biomedizinische Zentrum der Universität Leipzig sein Quartier bezogen, andere Teile des Gebäudekomplexes sollen Büros und Forschungseinrichtungen junger Firmen mit biomedizinischem oder biotechnologischem Profil beherbergen. Im Rahmen des Programms ''Kunst am Bau'' konnte hier ein Teil der zur Verfügung stehenden Bausumme für baubezogene bildende Kunst verwendet werden. Als Sieger des Wettbewerbs, ausgelobt vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kultur im Frühjahr 2003, wurde eine Stahlplastik Michael Morgners für den Eingangsbereich der Bio-City ausgewählt. Morgners Entwurf hatte eines der ovalen Pflanzbeete, die Bestandteil der landschaftsgärtnerischen Gestaltung in Eingangsbereich und Innenhof bilden, zum Sockel für seine Plastik umfunktioniert. In den Bewerbungsunterlagen erläutert der Künstler sein Konzept: ''Aus dem negativen Bodenrelief erhebt sich spiegelbildlich die Figur eines ''aufsteigenden'' Menschen, geschützt und isoliert von einer technoiden Hülle - die Großform einer Zelle. Das Ineinandergreifen der Hüllen erinnert an DNA Strukturen. Die senkrecht stehende Form mit dem Zellkern ''Mensch'' schafft die scheinbare Möglichkeit des freien Schwebens der Figur.'' Morgners Kunstwerk weckt durch seine organische Form Assoziationen an biologische Prozesse, wie die Zellteilung, und sensibilisiert für die empfindlichen und hochkomplexen Vorgänge bei der Entstehung des Lebens. Das Spiel mit Negativ- und Positivformen in der Plastik nimmt Bezug auf das Verfahren des Klonens in der Gentechnologie und lädt zur Kontemplation über erträumte Möglichkeiten und ethische Grenzen biomedizinischer Forschung ein.

Die zur Werkgruppe ''Reliquie Mensch'' gehörige Stahlplastik wird in der Ausstellung vor dem Hintergrund des künstlerischen Gesamtwerks Michael Morgners anhand formal und thematisch verwandter Arbeiten aus den Jahren 1993 bis 2003 erläutert. Gezeigt werden plastische Modelle, Druckgrafik und Zeichnungen, großformatige Gemälde sowie Morgners sogenannte ''Schweißtücher'' auf Seidenpapier. Diese Gesamtschau soll einen Eindruck von der Vielschichtigkeit der Bezüge zwischen den Werkkomplexen in verschiedenen künstlerischen Medien vermitteln, die Genese der Plastik beleuchten und Wege der Deutung aufzeigen.

Der Bildhauerkunst wandte sich Morgner erst Mitte der 90er Jahre zu. Als Absolvent der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig arbeitete er zunächst im Bereich der Drucktechnik und Zeichnung. Nach großformatigen Tafelbildern in den 80er Jahren entwickelte Morgner in der ersten Hälfte der 90er Jahre ''plastische Bilder'', in denen er die Hauptfiguration reliefartig aus der Bildfläche herauslöste. Der Schritt zur Plastik, den Morgner 1995 vollzog, ist als eine konsequente Weiterverfolgung der Tendenzen seiner Arbeiten in anderen Medien, z.B. der Verwendung des Prägedruckverfahrens in grafischen Arbeiten oder der Entwicklung von Reliefbildern, zu deuten.

Michael Morgners Abgrenzung vom sozialistischen Realismus, die Entscheidung zur Abstraktion und Hinwendung zur christlichen Ikonographie bedeutete bereits eine Abkehr vom offiziell propagierten Kunstideal der DDR. Als Mitbegründer der alternativen Galerie Oben in Chemnitz und Urheber der unabhängigen Produzentengalerie ''Clara Mosch'' galt Morgner als Oppositioneller. Auch wenn Morgners Kunst vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen in der DDR entwickelt wurde, spricht sie aufgrund ihrer existentiell menschlichen Thematik und Allgemeingültigkeit jeden unmittelbar an. In seinem Werk thematisiert der Künstler Erfahrungen, wie Geburt, Liebe, Leid, Tod und Wiedergeburt sowie den ewigen Kreislauf vom Werden und Vergehen. Seine abstrahierten menschlichen Figuren entwickelt Morgner zum Teil aus der christlichen Ikonographie, zum Teil wird er dazu durch eigene Erlebnisse inspiriert. Die Figurentypen des ''Kauernden'', ''Stürzenden'', ''Aufsteigenden'' und ''Schreitenden'', die in Plastik, Malerei und Grafik zu finden sind, verweisen auf die physische und psychische Verletzlichkeit des Menschen, auf Grenzsituationen wie Schmerz, Angst und Bedrohung, aber stehen auch für Emanzipation, Befreiung und Hoffnung.

Simone Schulz

Weitere Informationen:
Simone Schulz
Telefon: 0341 - 97 30 170
E-Mail: simone.schulz@uni-leipzig.de
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