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Altersvorsorgeprodukte mit neuem Chance/Risiko-Verhältnis

24.02.2004 - (idw) Universität Ulm

Altersvorsorgeprodukte mit neuem Chance/Risiko-Verhältnis

Die gesetzliche Altersvorsorge nach dem Umlageverfahren steht vor schwerwiegenden Problemen. Dieses System kann nur funktionieren, wenn sich das zahlenmäßige Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern nicht stark zugunsten der Rentner verschiebt. Gerade dies geschieht aber derzeit: kamen 1999 auf 100 Bürger im erwerbsfähigen Alter etwa 40 Senioren, so werden dies im Jahre 2040 etwa 75 sein. Die Hauptursachen sind die niedrige Geburtenrate und die zunehmende Lebenserwartung. Das Problem wird von Politik und Gesellschaft nach wie vor unterschätzt. Unterschiedliche Experten kommen hingegen alle zum selben Ergebnis: der auf heute abgezinste Wert der Rentenlücke beträgt etwa 120 % des Bruttoinlandprodukts. Eine Lösung des Problems innerhalb des Systems ist nicht möglich. Lediglich kapitalgedeckte Vorsorge verspricht - zumindest teilweise - einen Ausgang aus dem Dilemma.

Für die kapitalgedeckte Vorsorge standen bislang (bei Versicherungen wie bei Banken oder Fondsgesellschaften) im wesentlichen nur zwei Arten von Produkten zur Verfügung: Produkte mit gewissen Zinsgarantien, die aber insbesondere in der derzeitigen Niedrigzinsphase kaum Chancen auf attraktive Erträge bieten, und solche, die die Chancen von Aktienmärkten nutzen, wobei der Kunde aber auch ein sehr hohes Verlustrisiko trägt. Sogenannte Garantiefonds, die einerseits einen gewissen Schutz vor Verlusten bieten, andererseits - mit Einschränkungen - an den Chancen von Aktienmärkten teilhaben, gibt es zwar auch seit langem. Diese Produkte haben aber üblicherweise eine kurze Laufzeit und sind aus verschiedenen finanzmathematischen Gründen nicht für regelmäßige Beitragszahlungen geeignet. Darüber hinaus sind Kleinanleger mit geringen monatlichen Sparraten als Kunden oftmals nicht erwünscht.

Vor diesem Hintergrund hat das Ulmer Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) in Zusammenarbeit mit der französischen Großbank Société Générale eine neue Produktgeneration entwickelt, die diese Lücke schließt. Die Kooperation zwischen Ulm und Paris besteht schon seit Jahren. Ausgangspunkt waren Ergebnisse der Dissertation von ifa-Geschäftsführer Dr. Jochen Ruß, der das Kooperationsprojekt heute noch leitet. Die Zusammenarbeit brachte einige innovative Kapitalanlage- und Versicherungsprodukte hervor, die in der Branche für Aufsehen sorgten und inzwischen am Markt etabliert sind.

Bei der jüngsten Entwicklung, die am 27. Februar mit dem Kooperationspreis Wissenschaft-Wirtschaft der Universität Ulm gewürdigt wird, handelt es sich um ein System von Garantiefonds unterschiedlicher Laufzeiten, das für den Berliner Versicherer "Skandia" erarbeitet wurde. Jeder Garantiefonds ist dabei stets zu einem gewissen Teil in chancenreiche Kapitalanlagen investiert. Die restliche Anlage erfolgt in risikolose Anlagen. Als chancenreichen Teil instrumentalisiert Skandia ein ausgewähltes Portfolio aus Publikumsfonds. Das mathematische Modell funktioniert natürlich auch für nahezu beliebige andere Anlageinstrumente. Während seiner Laufzeit wird jeder Garantiefonds aktiv gemanagt, das heißt der in diese Kapitalanlagen investierte Anteil wird regelmäßig neu festgelegt, und zwar - unter Berücksichtigung der Garantien - so hoch wie möglich.

Die Garantien bestehen aus zwei Komponenten. Einerseits wird garantiert, daß der Fonds bei seiner Fälligkeit mindestens soviel wert ist, wie zu Beginn. Darüber hinaus wird der Wert des Fonds einmal pro Monat betrachtet mit der Folge, daß der hierbei beobachtete Höchststand maßgeblich für den Wert zum Auszahlungszeitpunkt ist. Diese Höchststandsabsicherung bedeutet ein Novum im Bereich der Garantieprodukte. Durch die Garantien wird sichergestellt, daß alle Gelder, die zu irgendeinem der monatlichen Stichtage investiert werden, bis zur Fälligkeit des Fonds nicht an Wert verlieren. Darüber hinaus werden alle zwischenzeitlichen Wertzuwächse "eingefroren".

Dank innovativer finanzmathematischer Konzepte ist es möglich, daß die Fonds trotz dieser weitgehenden Garantien sehr stark in chancenreiche Anlageinstrumente investiert werden. Eine rückschauende Betrachtung zeigt, daß der Investitionsgrad in chancenreiche Anlagen über ca. Dreiviertel der Laufzeit des Fonds im Regelfall 90-100 % beträgt. In sehr turbulenten Märkten muß allerdings stärker in risikolose Anlagen investiert werden.

Die Entwicklung des Konzepts, insbesondere die Klärung vieler Fragen an der Schnittstelle von Finanzmathematik und Versicherungsmathematik, hat 18 Monate in Anspruch genommen. Die Hartnäckigkeit der Mathematiker hat sich aber ausgezahlt: während der Markt für fondsgebundene Lebensversicherungen im ersten Halbjahr 2003 um 25 % und für fondsgebundene Rentenversicherungen sogar um 42 % eingebrochen ist, konnte die Skandia Lebensversicherung vor allem dank dieses Garantiefondskonzepts im selben Zeitraum das Neugeschäft mit fondsgebundenen Produkten um 39 % steigern. Inzwischen wurden schon über 100 Mio. Euro Kundengelder in diese Garantiefonds investiert. Sechs weitere Lebensversicherer haben dieses Konzept inzwischen nachgeahmt und nahezu identische Produkte an den Markt gebracht.

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