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Eröffnet: Das Alfried Krupp-Schülerlabor der RUB

27.02.2004 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Schülerinnen und Schüler in weißen "Forscherkitteln" entlocken einer Grünalgenkultur Knallgas und befeuern damit eine Brennstoffzelle in einem Fahrzeug, das sich mit dem "Ökoantrieb" in Bewegung setzt. Diese Koproduktion aus Biologie, Chemie und Maschinenbau steht beispielhaft für die rund 50 Projekte des Alfried Krupp-Schülerlabors der RUB, das in seiner fachlichen Breite und Ausstattung einmalig ist. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung (Essen) fördert diese Einrichtung großzügig. Heute wurde das Schülerlabor mit einem Festakt offiziell eröffnet.


Rundgang im Schülerlabor: Prof. Beitz (vorne links) und Prof. Wagner am Versuchsstand der Elektrotechnik
Eröffnungsfeier (v. l.): Staatssekretär Hartmut Krebs, Prof. Berthold Beitz, Prof. Gerhard Wagner, Christina Wagner Bochum, 26.02.2004
Nr. 61


Wo Knallgas Brennstoffzellen befeuert
Offiziell Eröffnet: Alfried Krupp-Schülerlabor der RUB
Naturwissenschaftlich-technische Projekte für Schüler


Das gibt es in Nordrhein-Westfalen nur hier: Schülerinnen und Schüler entlocken einer Grünalgenkultur Knallgas und befeuern damit eine Brennstoffzelle in einem Fahrzeug, das sich mit dem "Ökoantrieb" in Bewegung setzt. Diese Koproduktion aus Biologie, Chemie und Maschinenbau steht beispielhaft für die rund 50 Projekte des Alfried Krupp-Schülerlabors der RUB, das in seiner fachlichen Breite und Ausstattung in NRW einmalig ist. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung (Essen) fördert diese Einrichtung großzügig. Heute wurde das Schülerlabor mit einem Festakt offiziell eröffnet - im Beisein des Vorsitzenden des Kuratoriums der Stiftung, Prof. Dr. h. c. mult. Berthold Beitz, der Staatssekretäre Hartmut Krebs (Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes NRW) und Dr. Elmar Schulz-Vanheyden (Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes NRW) und des Rektors der RUB, Prof. Dr.-Ing. Gerhard Wagner.

Zahlen und Fakten zum Schülerlabor

Gebaut wurde das Schülerlabor von August 2002 bis Oktober 2003. "Wir haben die Kapazität für 4.000 bis 5.000 Schüler pro Jahr", sagt Dr. Heike Baron, Koordinatorin des Alfried Krupp-Schülerlabors. Die Räume verteilen sich auf 1.000 Quadratmetern, drei Schulklassen gleichzeitig können ihren Versuchen nachgehen. Einen Seminarraum und vier Laboratorien können die Schüler nutzen: das "biologisch-chemische Labor", das "physikalisch-technische", das "mathematisch-konstruktive Labor" sowie einen 360-Grad-Projektionszylinder, in dem die Schüler ihre zuvor programmierten Anwendungen "live" erleben können, zum Beispiel eine Fahrt in einem Formel 1-Auto. Die Angebote des Schülerlabors richten sich an Schüler der Klassen 6 bis 13. Anmelden für die Projekte können sich Lehrer, bei vielen Projekten auch Schüler als Einzelpersonen, über die Internetseiten des Schülerlabors unter http://www.rub.de/schuelerlabor.

Aufbruch im Bildungssystem

"Das neue Alfried Krupp-Schülerlabor zeigt in hervorragender Weise, wie die Ruhr-Universität in Zeiten sehr knapper Mittel innovative Projekte verwirklicht", sagt Prof. Dr.-Ing. Gerhard Wagner: "Wir glauben, dass wir mit diesem Projekt auch einen weiteren substantiellen Beitrag zu einem Aufbruch im Bildungssystem leisten." Ziel sei, dass Schüler die Universität als Ort der Bildung frühzeitig, nicht erst einige Monate vor ihrem Abitur, kennen lernen, so der Rektor der RUB.

"Selbst entdecken und begreifen"

"Selbst entdecken und begreifen, dabei angeregt und gefördert werden, nicht in einem muffigen Eck büffeln müssen, sondern an einem herausgehobenen Ort in den Forscherkittel schlüpfen und auf kluge Weise spielen dürfen" - so beschreibt Prof. Dr. Roland A. Fischer das Credo des Alfried Krupp-Schülerlabors: "Doch Forscher, Technologen und eine Wirtschaftselite, die den Namen verdient und keine Toll Collect-Pleiten produziert, so etwas wächst nur auf nachhaltig gut bestelltem Boden." Fischer ist Chemiker an der RUB und einer der Initiatoren der Einrichtung. Mit den - teils fachübergreifenden - Projekten aus Natur- und Ingenieurwissenschaften unterstützt das Schülerlabor den Schulunterricht, es steht allen Schulen der Region offen.

Unterricht jenseits der Tafel

Das Schülerlabor bietet den Eliten von morgen Chancen, die es früher nicht gab: "Ich selbst habe die Chemie und Physik nur an der Tafel erlebt - das sehe ich heute noch als großen Nachteil für meine Grundbildung in den Naturwissenschaften an", sagt Klaus Wiegand, Leiter der Willy-Brandt-Gesamtschule in Bochum. "Ich bin deshalb froh, dass über das Schülerlabor mit seinen Möglichkeiten zu experimentieren den heutigen Jugendlichen ein fundierter Zugang zu den Naturwissenschaften gewährt wird und sie damit leichter viele Zusammenhänge dieser Welt verstehen lernen."

Gefördert durch die Krupp-Stiftung

Ermöglicht wurde dies mit Hilfe der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung: Mit ca. 1,5 Mio. Euro förderte die Stiftung den Bau des Labors und die Startphase. Die Gesamtkosten belaufen sich bis heute auf mehr als 2,6 Millionen Euro, wovon rund 1,1 Mio. Euro aus Bundes- und Landeszuschüssen finanziert wurden. Über die Anfangsphase hinaus hat die Krupp-Stiftung bereits weitere Mittel in Aussicht gestellt, damit zukünftige Projekte im Schülerlabor realisiert werden können.

Drei Ziele

Das Schülerlabor der RUB hat sich drei Ziele gesetzt: Schüler will es für Naturwissenschaften und Technik begeistern - zugleich ist es für viele Schüler der erste Kontakt zur Uni, noch bevor sie später mal zum Tag der offenen Tür kommen, zur Studienberatung gehen oder einfach so in eine Vorlesung hineinschnuppern. Das Schülerlabor bietet darüber hinaus Lehrern die Möglichkeit, sich weiterzubilden, denn hier finden sie Möglichkeiten, den fachübergreifenden, technisch-naturwissenschaftlichen Unterricht zu gestalten. Studierende des Modellversuchs "Gestufte Lehramtsausbildung an der RUB" schließlich können in der Masterphase neue didaktische Konzepte erproben und Erfahrungen im Unterrichten sammeln.

Die tragenden Säulen: Natur- und Ingenieurwissenschaften

Natur- und Ingenieurwissenschaften sind die beiden zentralen Säulen des neuen Labors: Insgesamt neun Fakultäten aus der Ruhr-Universität tragen die Einrichtung, die am Zentrum für Lehrerbildung der RUB angegliedert ist. Die Fakultäten stellen zum Beispiel Hochschullehrer, Mitarbeiter und Studierende ab, um die Projekte zu realisieren, und bringen je nach Thema eigene Geräte und Versuchsstände mit: etwa die Meerwasserentsalzungsanlage der Maschinenbauer oder die Simulationsanlage zur Grundwasserverschmutzung aus den Geowissenschaften.

Aspirinherstellung, virtuelle Ratten und antiker Strom

Entsprechend vielfältig sind die Projekte, die das Schülerlabor anbietet: Da gilt es, Aspirin herzustellen und Haushaltsreiniger in ihre Bestandteile zu zerlegen, Schüler hauchen der virtuellen Ratte "Sniffy" am Computer Leben ein und bauen die "Batterie der Antike" nach, denn hier lernen sie, dass Strom schon viel älter ist, als man denkt. Rund 50 solcher Projekte können Schülerinnen und Schüler derzeit auf dem Campus der RUB im Gebäude NB besuchen.

Weitere Informationen

Dr. Heike Baron, Koordinatorin des Alfried Krupp-Schülerlabors der RUB, NB 03/242, Tel. 0234/32-27071, E-Mail: schuelerlabor@rub.de

Prof. Dr. Roland A. Fischer, Lehrstuhl für Anorganische Chemie II, Fakultät für Chemie der RUB, NC 2/70, Tel. 0234/32-24174, E-Mail: roland.fischer@rub.de
Anmeldung zu Projekten: http://www.rub.de/schuelerlabor (für Lehrer unter "Projekte", für interessierte Einzelpersonen und Schülergruppen unter "Aktuelles")
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