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Arbeitskonferenz Darmkrebs-Früherkennung sehr erfolgreich

28.02.2004 - (idw) Deutsche Krebshilfe e. V.

Barrieren abbauen, zur Teilnahme motivieren

Berlin (ct) - Immer noch nutzen viel zu wenig Menschen die Chancen der Darmkrebs-Früherkennung. Um dies zu ändern, tagte am 25. und 26. Februar 2004 in Berlin die 1. Nationale Arbeitskonferenz des "Netzwerks Darmkrebs": 120 Experten aus Medizin, Politik, Selbsthilfe und Presse diskutierten über Möglichkeiten, mehr Menschen für die Prävention zu gewinnen. Das Fazit: Barrieren müssen abgebaut, Informationen allgemeinverständlich vermittelt und Personen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko frühzeitig identifiziert werden. Grundlage der Arbeitskonferenz war die vor drei Wochen fertig gestellte Leitlinie zur Früherkennung von Darmkrebs.

Früh erkannt ist Darmkrebs heilbar. Experten schätzen, dass allein in Deutschland durch die Darmkrebs-Früherkennung jährlich rund 15.000 Leben gerettet werden können. Die Darmspiegelung ist daher seit dem 1. Oktober 2002 Teil des gesetzlichen Krebs-Früherkennungsprogramms. Ziel dieser Früherkennung: Vorläufer, also Darmpolypen oder Frühstadien eines Darmtumors rechtzeitig zu erkennen und zu entfernen. Trotzdem nutzen viel zu wenig Menschen diese Chance. Denn: Darmkrebs ist nach wie vor ein Tabu-Thema. Immer noch wird vieles, was mit der Verdauung zusammen hängt, in unserer Gesellschaft schamhaft verschwiegen. Viele Menschen glauben, eine Darmspiegelung sei unangenehm, schmerzhaft und gefährlich. Unwissenheit, Angst und der "schlechte Ruf" der Koloskopie stellen somit große Barrieren da.

"Ziel unserer Arbeitskonferenz war es, diese Barrieren auf verschiedenen Ebenen zu identifizieren und Gegenstrategien zu entwickeln", sagte Professor Dr. Meinhard Classen, Chairman der International Digestive Cancer Alliance, auf einer Pressekonferenz am 27. Februar 2004 in Berlin. "Insbesondere bei Männern hat die Darmkrebs-Vorsorge ein sehr negatives Image", betonte Classen. Ihr Vorbild "Marlboro-Mann" sei nicht mit einer solchen Untersuchung vereinbar. Überzeugungsarbeit muss aber auch bei den Ärzten und den Mitgliedern anderer Heilberufen geleistet werden. Das kann über gute Informationen oder über eine Fortbildungspflicht erreicht werden. Die Bürger können zu Hause über die Medien oder über das Internet, am Arbeitsplatz, in Vereinen und Sportclubs motiviert werden. Kindern muss bereits im Kindergarten und in der Schule ein Bewusstsein für ihren Körper und die Bedeutung eines gesunden Lebensstils vermittelt werden.

Voraussetzung für alle Motivationsstrategien sind allgemeinverständliche, zielgruppenspezifische Informationsmaterialien. Basis dafür ist vor allem die auf der Arbeitskonferenz vorgestellte überarbeitete medizinische Leitlinie zum Darmkrebs. "Die schnelle Umsetzung dieser Leitlinie ist für uns eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe, die wir jedoch nur gemeinsam mit allen Beteiligten erreichen können", so Professor Dr. Wolff Schmiegel, Vorsitzender des Fachausschusses "Früherkennung" der Deutschen Krebshilfe. Die pluralistische Besetzung der Arbeitskonferenz sei daher unerlässlich gewesen. Auf der Konferenz sind zahlreiche Aktionsschritte definiert worden, mit denen die Leitlinie aktiv und zeitnah in die Praxis übertragen werden kann. Dazu gehört vor allem eine Patientenversion der Leitlinie, an der die Deutsche Krebshilfe bereits arbeitet.

"Eine sehr wichtige Zielgruppe unserer Aufklärung sind Menschen mit einem familiären Risiko für Darmkrebs", so Professor Schmiegel. Dies betrifft 25 bis 30 Prozent der Patienten. Hier geht es insbesondere darum, Risikopersonen früh genug zu identifizieren und ihnen ein rechtzeitiges Früherkennungsprogramm anzubieten. "Mit der Konferenz sind wir einen großen Schritt weitergekommen", sagte Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. Den Darmkrebs-Monat März wird die Deutsche Krebshilfe nutzen, um gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus dem Gesundheitswesen die geplanten Schritte umzusetzen und auf die Möglichkeit der Darmkrebs-Vermeidung und -Früherkennung hinzuweisen.

Infokasten: Darmkrebs
Jedes Jahr werden in der Bundesrepublik 57.000 Menschen mit der Diagnose Dickdarmkrebs konfrontiert, und rund 29.000 Menschen sterben jährlich an dieser Krankheit. Damit gehört der Darmkrebs zu den häufigsten bösartigen Erkrankungen. Die Ursachen für die Entstehung von Darmkrebs sind noch nicht eindeutig geklärt. Bestimmte Einflussfaktoren erhöhen das Erkrankungs-Risiko: Erbliche Belastung, chronisch-entzündliche Darmkrankheiten, das Vorliegen von Dickdarmpolypen sowie ballaststoffarme, fett- und fleischreiche Ernährung. Informationsmaterial zum Thema Darmkrebs wie Broschüren, Plakate, Postkarten können kostenfrei, ein Video-Ratgeber gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro angefordert werden bei: Deutschen Krebshilfe, Thomas-Mann-Straße 40, 53111 Bonn.

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