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Herkunft anatomischer Leichname wird erforscht

06.03.2004 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Aufarbeitung der NS-Zeit an den Universitäten Jena und Halle-Wittenberg wird fortgesetzt: Gemeinsame Pressemitteilung der Universitäten Jena und Halle-Wittenberg

Jena und Halle (05.03.04) Bei der Aufarbeitung ihrer Geschichte haben die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in letzter Zeit zahlreiche Forschungsresultate vorlegen können. Doch die Beschäftigung - gerade mit der Zeit des Nationalsozialismus - wirft auch neue Fragen auf, um deren Beantwortung sich die Universitäten weiterhin intensiv bemühen.

Dringend einer Klärung bedarf eine Namensliste, die dem Institut für Anatomie in Jena vorliegt. Dort sind die Namen von rund 200 Hingerichteten aufgeführt, deren Leichname überwiegend in den Jahren 1943/44 - einer damaligen Reichsverfügung folgend - in die Anatomie übersandt wurden. Wie erste Nachforschungen ergaben, stammen die meisten Leichname nicht aus einem Konzentrationslager, sondern von den Hinrichtungsstellen der Nazi-Justiz in Weimar und Halle. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde aber keiner dieser Leichname in die anatomischen Sammlungen der Universitäten Jena und Halle überführt und man weiß auch nicht, wo sie geblieben sind.

Es soll nun das Schicksal der Getöteten und der Verbleib ihrer Körper geklärt werden. Dafür arbeiten die Jenaer und Hallenser Mediziner nicht nur mit den Wissenschaftshistorikern der Universitäten zusammen, sondern haben sich auch externer Hilfe versichert. Michael Viebig von der Gedenkstätte "Roter Ochse" in Halle, einer ehemaligen Hinrichtungsstelle der Nationalsozialisten, hat sich zur Mitarbeit bereit erklärt. Der Wissenschaftler, der u. a. Mitglied des Arbeitskreises "Menschliche Präparate in Sammlungen" war, hat bereits Erfahrungen an anderen Universitäten zu ähnlichen Vorgängen während der NS-Zeit gesammelt.

Die Universitäten werden die Erforschung intensiv vorantreiben und planen, neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung auch in geeigneter Form der Opfer zu gedenken.
Über die Ergebnisse des Vorhabens wird die Öffentlichkeit umfassend informiert werden.
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