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Regionalkultur in zwei Diktaturen

11.03.2004 - (idw) Universität Leipzig

Publikation zur sächsischen Heimatbewegung im NS-Staat und in der SBZ/DDR erscheint zur Leipziger Buchmesse

Zur Leipziger Buchmesse erscheint die Habilitationsschrift von Dr. Thomas Schaarschmidt mit dem Titel "Regionalkultur und Diktatur. Sächsische Heimatbewegung und Heimat-Propaganda im Dritten Reich und in der SBZ/DDR" im Böhlau Verlag. Die Arbeit wurde im Juni 2002 von der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften der Universität Leipzig als Habilitationsleistung angenommen und im November desselben Jahres mit dem Horst-Springer-Preis der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet. Die Veröffentlichung als Band 19 der Reihe "Geschichte und Politik in Sachsen" wurde durch Publikationsbeihilfen der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Horst-Springer-Stiftung ermöglicht.

Die moderne Diktaturforschung zeichnet sich dadurch aus, dass sie sowohl die politischen Intentionen und Machtmittel als auch die Interessen und Handlungsspielräume einzelner gesellschaftlicher Gruppen berücksichtigt und die Wechselbeziehungen im Verhältnis von "Herrschern" und "Beherrschten" untersucht. Nachdem dieser Politik- und Sozialgeschichte integrierende Ansatz bereits in der NS-Forschung wichtige Einsichten in die Transformation und Dynamik der Gesellschaft unter diktatorischen Bedingungen eröffnet hat, ergeben sich seit der Revolution von 1989/90 neue Perspektiven, ihn in diktaturvergleichender Perspektive auf die Territorien im Gebiet der ehemaligen DDR anzuwenden. Die vorliegende Habilitationsschrift behandelt den von tiefen politischen Brüchen gekennzeichneten Zeitraum zwischen nationalsozialistischer Machtergreifung und Mauerbau am Beispiel der Interdependenzen von regionalkulturellen Organisationen und Heimat-Propaganda in Sachsen, dem bevölkerungsreichsten Land der DDR bis 1952 und mitgliederstärksten Gau der NSDAP. Beide deutsche Diktaturen strebten danach, die Vereine und Verbände der Heimatbewegung in die parteinahen Kulturorganisationen einzubinden, um sie für die Propagierung systemkonformer Heimatbilder instrumentalisieren zu können. Indem der Begriff "Heimat" auf die jeweiligen ideologischen Leitvorstellungen NS-Volksgemeinschaft beziehungsweise Sozialismus sowjetischer Prägung projiziert wurde, erhofften sich die Staatsparteien eine Mobilisierung der Bevölkerung für spezifische Ziele des Regimes und ihre Identifikation mit der neuen politischen Ordnung. Da die Kulturfunktionäre von NSDAP und SED bei diesem Vorhaben auf die freiwillige Mitarbeit der regionalkulturellen Organisationen und ihrer Repräsentanten in den Kreisen und Gemeinden angewiesen waren, beließen sie ihnen zeitweise beträchtliche Handlungsspielräume. Das widersprach zwar zutiefst dem totalitären Anspruch beider Diktaturen, erleichterte aber letztlich die gesellschaftliche Transformation, ohne indes die angestrebte vollständige Konformität zu verwirklichen.

Thomas Schaarschmidt, Dr. phil. habil., geb. 1960, ist Privatdozent am Historischen Seminar der Universität Leipzig und Mitarbeiter des Forschungsprojekts "Regionalkultur in Demokratie und Diktatur". Nach der Promotion an der Universität Bonn mit einer Dissertation zum Thema "Außenpolitik und öffentliche Meinung in Großbritannien während des deutsch-französischen Krieges von 1870/71" arbeitete er bis 1994 am Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Weitere Informationen:
Dr. Thomas Schaarschmidt
Telefon: 0341 97-37095 oder 034292 75338 (priv.)
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