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Schmerztherapie - ein fachübergreifendes Anliegen

11.03.2004 - (idw) Universität Ulm

Schmerztherapie - ein fachübergreifendes Anliegen
Das Schmerzzentrum Ulm präsentiert sich im Stadthaus
Einladung zur Pressekonferenz auf Donnerstag, den 18. März 2004, 13.30 Uhr

Das Schmerzzentrum Ulm, eine abteilungsübergreifende Einrichtung des Ulmer Universitätsklinikums, stellt sich vom 24. bis 27. März 2004 mit Vorträgen, Vorführungen und Postern im Stadthaus Ulm vor. Ziel der Präsentationen ist es, der Öffentlichkeit einen Eindruck von den vielfältigen Möglichkeiten der Schmerztherapie in den verschiedenen Bereichen des Klinikums zu vermitteln. Auch soll die Vernetzung mit Kliniken der Region und mit den akademischen Lehrkrankenhäusern der Universität Ulm sinnfällig werden.

Frühzeitig wurde in Ulm die Entwicklung der modernen Schmerztherapie aufgegriffen. Neben der Universitätsklinik Mainz verfügt Ulm mit der bereits seit 1979 bestehenden Schmerzambulanz über eine der ältesten derartigen Einrichtungen in Deutschland, die kontinuierlich in Betrieb sind. 1987 wurde ein interdisziplinäres Schmerzzentrum gegründet, dessen Organisations- und Funktionsfigur sich am Vorbild des Tumorzentrums orientiert. Die 1985 institutionalisierte interdisziplinäre Schmerzkonferenz, in der problematische Schmerzerkrankungen vorgestellt werden können, tagt einmal pro Monat. Ende der 80er Jahre erfolgten die Einrichtung einer Sektion Schmerztherapie innerhalb der Universitätsklinik für Anästhesiologie sowie die - für den Zeitpunkt fortschrittliche - Einführung eines Akutschmerzdienstes. Seit 1991 gibt es - eine landesweite Besonderheit - an der Universitätsklinik für Anästhesiologie vier Behandlungsbetten für schmerzkranke Patienten. Überdies wird seit vielen Jahren von der Klinik für Neurochirurgie am Bezirkskrankenhaus Günzburg, einem Akademischen Krankenhaus der Universität Ulm, eine eigene neurochirurgische Schmerzsprechstunde angeboten. Die Neurologische Universitätsklinik hat seit einigen Jahren eine Sprechstunde für Kopfschmerzerkrankte sowie Patienten mit schweren Nervenschmerzen. Die Orthopädische Universitätsklinik im Rehabilitationskrankenhaus Ulm betreibt seit vier Jahren eine spezielle orthopädische Tagesklinik für Rückenschmerzpatienten. Besonders hervorzuheben sind auch die langjährigen Forschungsarbeiten der bisherigen Abteilung Medizinische Psychologie, jetzt Sektion Gesundheitspsychologie, zum Spannungskopfschmerz sowie zum Rückenschmerz.

Eine Grundüberzeugung der modernen Schmerztherapie besagt, daß bei chronischen Schmerzerkrankungen bzw. bei komplizierten Erkrankungsverläufen meist die Kompetenz eines einzelnen Fachgebietes nicht ausreicht und daher ein besserer Behandlungserfolg durch das Zusammenwirken von Experten verschiedener medizinischer Fachrichtungen und durch den Einsatz verschiedener Behandlungstechniken erzielt werden kann (Multimodalität). Wichtig ist dabei nicht zuletzt die Einbeziehung der psychologisch-psychotherapeutisch-psychiatrischen Kompetenzen.

Am 8. April 1987 erfolgte in den Amtlichen Bekanntmachungen der Universität Ulm die Veröffentlichung des Statuts des Schmerzzentrums Ulm, als dessen Aufgaben die Zusammenarbeit in Vorbeugung, Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation von Schmerzpatienten, die Förderung von einschlägigen wissenschaftlichen Untersuchungen, die Verbesserung der Datenerfassung und Dokumentation sowie die Ausbildung von Studenten, Ärzten und nichtärztlichem Personal genannt werden. Die Erfahrungen des Tumorzentrums auf dem Gebiet der Krebsbehandlung empfahlen eine analoge Struktur auch für den Umgang mit dem komplizierten Problem chronischer Schmerzen. Als spezielle Einrichtung des Schmerzzentrums wurde die Schmerzkonferenz ausgewiesen. Ein Forum des Meinungsaustausches und der gemeinsamen Fortbildung, ist sie über die Jahre kontinuierlich fortgeführt worden, während das Schmerzzentrum als solches infolge mangelnder Unterstützung und fehlender Honorierung vorübergehend weniger in Erscheinung trat.

In den 90er Jahren nahmen das Interesse an der Schmerztherapie und die Anerkenntnis ihrer medizinischen Bedeutung deutlich zu. 1995 wurde in Deutschland als einem der ersten Länder weltweit eine zusätzliche Kategorie in die Schmerztherapie eingeführt: "Spezielle Schmerztherapie", womit zum Ausdruck kommt, daß es sich um eine spezifische Leistung handelt, die über das hinausgeht, was im Rahmen der allgemeinen Schmerztherapie vom Arzt jeder Fachrichtung erbracht werden kann. Im Jahr 2000 hat das Land Baden-Württemberg eine Initiative unternommen, die Versorgung chronisch schmerzkranker Patienten im Land zu verbessern. Nach einer Expertenanhörung wurde vom Sozialministerium die "Schmerzkonzeption Baden-Württemberg" erarbeitet. Als eines der Ergebnisse des daraufhin einberufenen "Schmerzforums Baden-Württemberg" mit Vertretern der Gesundheitspolitik, der medizinischen Versorgung sowie der Krankenkassen sind die Kriterien für die Einrichtung regionaler und überregionaler Schmerzzentren im Land anzusehen.

Dies gab auch am Universitätsklinikum Ulm den Anstoß, die bereits bestehenden Strukturen wieder mit neuem Leben zu erfüllen. So haben sich im Sommer 2000 die Mitgliederversammlung und der Vorstand des Schmerzzentrums neu konstituiert. Im Januar 2002 wurde auf der Reisensburg in Günzburg ein zweitägiges Seminar zur Konsensbildung in der Schmerztherapie durchgeführt. Gemäß den Vorgaben der Landeskonzeption besteht eine der wesentlichen Aufgaben überregionaler Schmerzzentren darin, Leitlinien für die Schmerztherapie zu erarbeiten. Das Schmerzzentrum Ulm ist seit Ende 2003 als überregionales Schmerzentrum in Baden-Württemberg anerkannt. Eine Entscheidung über die Einrichtung regionaler Schmerzzentren (im Ulmer Einzugsbereich voraussichtlich Göppingen, Heidenheim/Ostalb sowie Ravensburg/Wangen), steht bevor.

Auch in den kommenden Jahren wird sich das Schmerzzentrum der Universität Ulm um die weitere Verbesserung der Schmerztherapie bemühen. Wesentlich dazu beitragen soll eine effektive Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen medizinischen Fachrichtungen am Universitätsklinikum sowie in der Region. Hierzu wird das Institut der Schmerzkonferenz weiterhin gepflegt und werden Leitlinien und Behandlungskonzepte erarbeitet.

Die derzeitigen Strukturänderungen im deutschen Gesundheitswesen bewirken eine Aufweichung der gerade bei der Schmerzbehandlung mitunter problematischen Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Behandlung. Das kommt einer "Integrierten Versorgung" entgegen, die bei chronischen Schmerzerkrankungen wie bespielsweise Rückenschmerzen das effektivere Modell darstellt. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist die verbesserte Ausbildung von Medizinstudenten, Ärzten und nichtärztlichem Personal im Bereich der Schmerztherapie. Auch in der neuen Approbationsordnung für Ärzte, die am 1.10.2003 in Kraft getreten ist, wurde das Thema Schmerztherapie und Palliativmedizin trotz der enormen gesundheitspolitischen und ethischen Bedeutung noch immer nicht in ausreichender Weise verankert. Das Schmerzzentrum wird sich unbeschadet dessen darum bemühen, für die Ulmer Medizinstudenten ein gutes Studienangebot in diesem fachlichen Sektor bereitzustellen. Nach wie vor besteht in der Schmerztherapie ein erheblicher Forschungsbedarf. Aus diesem Grunde hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung in den letzten Jahren drei Schwerpunktforschungsverbünde zum Kopf-, Rücken bzw. Nervenschmerz eingerichtet. In allen drei Verbünden sind neurologische bzw. neurochirurgische Einrichtungen der Universität Ulm vertreten.

Im Vorfeld der Veranstaltung im Stadthaus findet eine Pressekonferenz am

Donnerstag, dem 18. März 2004, 13.30 Uhr

im Casino des Klinikbereichs Safranberg

statt. Der Sprecher des Schmerzzentrums Ulm, Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Georgieff, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Anästhesiologie, lädt dazu alle Interessenten herzlich ein.
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