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Auge zu Auge über Hand zu Hand

12.03.2004 - (idw) Universität Leipzig

Sorgfältige Hygiene verhindert ungebremste Ausbreitung der Bindehautentzündung

Wenn Hunderte von Bundeswehrsoldaten an den verschiedensten Standorten nicht mehr durchschauen und heim geschickt werden - dann rückt die Ursache des Problems auch ins öffentliche Interesse: Bindehautentzündung. Diese Krankheit, die allerdings nicht ganz so unproblematisch ist wie in den letzten Tagen oft verkündet, erläutert Prof. Dr. Peter Wiedemann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Universität Leipzig.

"Wir sprechen im vorliegenden Fall von einer Kerato-Konjunktivitis epidemica. Das ist also eine Bindehautentzündung, die durch Viren hervorgerufen wird", so Wiedemann. "Doch Viren lassen sich nicht mit Antibiotika behandeln. Man kann nur gegen die Symptome vorgehen und warten, dass die Krankheit ausheilt."

Neben den viralen kann eine Konjunktivitis noch viele andere Ursachen haben: Die Augenärzte unterscheiden die Bindehautentzündungen durch Infektionen mit Bakterien oder Pilzen, die allergische Konjunktivitis, also beispielsweise beim Heuschnupfen, die Entzündung des Auges die durch Überreizung oder durch Medikamentenunverträglichkeit entsteht. Selbst bei Brechungs- oder Stellungsfehlern kann sich das Auge entzünden. Und jede dieser Formen ist unterschiedlich problematisch. Bei den Viren gibt es ein halbes Dutzend verschiedener Erreger von Konjunktivitis. Der Herpes-Virus beispielsweise ist wesentlich gefährlicher als der derzeit unter den Soldaten grassierende Adeno-Virus.

Und weil man als Laie nicht wissen kann, ob das Brennen, Kribbeln, Tränen oder das sandiges Gefühl im Auge im Auge einen dramatischen Verlauf nimmt oder dem Betroffenen nur Durchhaltevermögen abverlangt, gibt es nur einen Weg: den zum Augenarzt. Nur der kann die vergleichsweise harmlosen Entzündungen, die sich auf die Bindehaut konzentrieren, von Symptomen unterscheiden, die ein Warnzeichen für eine schwerwiegende Augenerkrankung sind. "Es existieren auch keine Hausmittel gegen Konjunktivitis", so Wiedemann, "auch nicht gegen die leichteren Formen. Wenn sich der Erkrankte zu einem Arztbesuch entschließt, sollte er allerdings zuvor in der Praxis anrufen und seinen Verdacht mitteilen. Da die Krankheit höchst infektiös ist, wird der Kollege den Ankommenden nicht erst im Wartezimmer Platz nehmen lassen, sondern ihn möglichst von allen anderen Patienten isolieren. Vor nichts hat ein nämlich Augenarzt mehr Respekt als vor Konjunktivitis-Erregern in seiner Praxis."

Wie der Virus von Auge zu Auge gelangt, ist sicher: Der von Jucken und Brennen Gequälte reibt im Auge, fasst dann Türklinken oder Geländer an, schüttelt Hände oder benutzt Handtücher - und schon hat der Nächste die Viren an den Fingern und beim nächsten Griff ins Gesicht auch im Auge. Von vielen unterschiedlichen Menschen benutzte Gerätschaften wie Fernrohre oder Schutzbrillen erledigen die Infektion zudem auf direktem Wege. Etwa acht Tage dauert es von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit, die dann zwei Wochen lang den Patienten quält. Während dieser zwei Wochen kann der Erkrankte Heerscharen anderer Menschen infizieren.

"Ich sehe zwar keine Gefahr, dass die heim geschickten Bundeswehrsoldaten jetzt an ihren Heimatorten eine Epidemie auslösen. Aber ob diese Aussendung der Infizierten in alle Himmelsrichtungen unbedingt die beste Lösung für die Allgemeinheit war, wage ich zu bezweifeln", äußert sich Prof. Wiedemann.

So absolut harmlos, wie in offiziellen Verlautbarungen der letzten Tage öfter zu hören ist eine starke Bindehautentzündung übrigens nicht. "Es droht beim Adeno-Virus ganz bestimmt keine Erblindung", so Prof. Wiedemann. "Aber in einigen Fällen müssen die Patienten über Monate oder gar Jahre mit Trübungen der Hornhaut leben."

Was kann man generell tun, um seine Augen vor den Erregern einer Bindehautentzündung zu schützen? "Da gibt es ein ganz einfaches Mittel: Händewaschen", plädiert der Experte. "Immer wieder gründlich die Hände waschen und wenn möglich am eigenen Handtuch abtrocknen. Außerdem nicht so häufig mit bloßen Fingern an die Augen greifen. Brillenträger sind ja bekanntlich deshalb besser geschützt, weil sie seltener spontan ihre Augen berühren."

Und wen das Unglück einmal getroffen hat, für den bleibt nur die Selbst-Isolation: keinem die Hände geben, fremde Kissen meiden, niemanden küssen oder umarmen ...

Marlis Heinz



weitere Informationen
Prof. Dr. Peter Wiedemann
Telefon: 00341 / 97 - 9721650
E-Mail: augen@medizin.uni-leipzig.de
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