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Ritual gegen Hexer: Verbrennen und in den Fluss werfen

18.03.2004 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Bei den Babyloniern und Assyrern galt der Schadenzauber als eine Ursache für verschiedene Leiden. Die hierzu erhaltenen heilkundlichen Texte vermitteln ein lebendiges Bild davon, wie man sich diesen Zauber vorstellte und wie man ihn vom Behexten abzuwenden versuchte. Mit dieser Thematik befasst sich der Altorientalist Daniel Schwemer von der Uni Würzburg im Rahmen seiner Habilitation.


Dieser kurze Keilschrift-Text aus Assur enthält Anwei-sungen darüber, wie ein behexter Patient behandelt werden soll. Aufnahme: Schwemer "Ein typisches Abwehrzauber-Ritual erzielt die Heilung des Patienten dadurch, dass die Behexung auf die Übeltäter zurückgeworfen wird", erklärt der Wissenschaftler. Zu diesem Zweck verwendeten die alten Mesopotamier häufig Ersatzfiguren für den Hexer oder die Hexe. Diese wurden dann gefangen gesetzt, erniedrigt und vor dem Sonnengott als Gott des Rechts rituell verurteilt. Das Unheil, das der Hexer geschickt hatte, wurde beispielsweise durch eine Waschung des Patienten auf die Figuren der Übeltäter zurückgeleitet. Danach wurden die Figuren vernichtet.

Von einem Tontafel-Fragment aus Assur stammt diese Anweisung: "Zur Lösung von Hexereien, deren (Methode) du nicht kennst: Du fertigst ein Bild des Hexers und der Hexe, eines Mannes und einer Frau, an. Vor dem Sonnengott richtest du sie. Mit Talg umkleidest du sie, legst sie in eine Bauchscherbe. Du verbrennst sie (und sprichst): 'O Sonnengott, ihre Zaubermittel mögen zu ihnen zurückkehren, (zu ihnen,) die gegen mich auf die Seite des Bösen hingetreten sind!' So sprichst du dreimal; dann wirfst du die Bauchscherbe mit den verbrannten Überresten (der Figuren) in den Fluss."

Daniel Schwemer: "Die babylonisch-assyrischen Ritualtexte zeigen vielfach deutliche Ähnlichkeiten mit Vorstellungen der griechisch-römischen Welt." Diese Übereinstimmungen gehen teilweise so weit, dass der Würzburger Forscher sie als Zeugnis für das Weiterleben altorientalischer Traditionen nach dem Ende der Keilschriftkulturen einordnet. Die Aufarbeitung, Übersetzung und Kommentierung der keilschriftlichen Quellen sei daher auch für die Medizin-, Wissenschafts- und Religionsgeschichte von großer Bedeutung.

Die Rekonstruktion der in Keilschrift verfassten Ritualtexte gestaltet sich in aller Regel mühsam: Kleine Tontafelfragmente aus einem Fundkomplex müssen wie ein Puzzle zusammengefügt werden. Zu den auf diese Weise wiedergewonnenen Textvertretern werden dann Duplikate und Parallelen gesucht, auf deren Basis im Idealfall der vollständige Text einer Ritualvorschrift entsteht. Diese Arbeit wird dadurch erleichtert, dass die babylonischen und assyrischen Gelehrten und Beschwörungsexperten des ersten vorchristlichen Jahrtausends über einen gemeinsamen Fundus von Texten verfügten, von denen alle größeren Bibliotheken Abschriften besaßen. Außerdem wurden für die Durchführung eines Rituals Exzerpte und Kopien angefertigt.

Neben den königlichen Tafelsammlungen des siebten Jahrhunderts vor Christi Geburt, die man in Ninive fand, sind vor allem aus einer Gelehrtenbibliothek in der alten assyrischen Hauptstadt Assur im heutigen Nordirak zahlreiche Tafeln und Fragmente mit Rezepten und Ritualen zur Heilung von Behexung überliefert. Diese Tafeln werden im Vorderasiatischen Museum in Berlin und in den archäologischen Museen von Istanbul und Bagdad aufbewahrt. Bislang sind sie nur teilweise publiziert.

Die Berliner Bestände werden zurzeit bei einem Projekt unter der Leitung von Professor Stefan Maul von der Uni Heidelberg aufgearbeitet. Die Edition der Texte, die zum Themenbereich "Schadenzauber" gehören, wurde Dr. Schwemer übertragen. Für diese Forschungen hat die Jubiläumsstiftung zum 400-jährigen Bestehen der Uni Würzburg dem Altorientalisten Forschungsreisen nach Berlin, Heidelberg, London und Ankara ermöglicht.

Weitere Informationen: Dr. Daniel Schwemer, T (0931) 31-2583, Fax (0931) 31-2674, E-Mail:

daniel.schwemer@mail.uni-wuerzburg.de
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