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FiBS ermittelt den Bildungsaufwand in Deutschland

20.03.2004 - (idw) Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS)

Private Haushalte zahlen 49 % der Studienkosten, der Staat 64 % der beruflichen Ausbildung - Höheres Bildungsniveau erfordert Neuverteilung der Finanzlasten zwischen öffentlichen und privaten Haushalten


Verteilung der Finanzierungslast im Bildungsbereich In einer Studie zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands, die das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchgeführt hat, werden die gesamten öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildungsaktivitäten betrachtet. Wenn das durchschnittliche Bildungsniveau in Deutschland angehoben werden soll, bedarf es einer weitgehenden Neuverteilung der Finanzlasten zwischen den öffentlichen und privaten Haushalten.

Ein Studium ist nicht kostenlos: vielmehr zahlen Eltern und Studierende die eine Hälfte, die öffentliche Hand die Andere. Damit ist das in Deutschland gängige Vorurteil eines kostenlosen Studiums endgültig widerlegt.

Die berufliche Ausbildung wird nicht überwiegend durch die Unternehmen, sondern zu zwei Drittel vom Staat finanziert. Hier beteiligen sich die Unternehmen mit 31 %, die privaten Haushalte mit nur 4 %. Wenn ein Kind also nach der Sekundarstufe I eine Berufsausbildung beginnt, entstehen den Eltern durch die geringeren Lebenshaltungskosten für das Kind und das Kindergeld, das sie trotzdem erhalten, hohe finanzielle Vorteile. Dies verhindert aber einen stärkeren Zugang einkommensschwacher Schichten zu weiterführender Bildung, zunächst zur gymnasialen Oberstufe.

Im Kindergarten-Bereich tragen die Eltern ein Fünftel der Kosten, während die öffentliche Hand 63 % übernimmt. Die Eltern müssen damit wesentlich höhere Kosten tragen als während des nachfolgenden Schulbesuchs, woraus sich bereits frühzeitig Nachteile für Kinder aus einkommensschwachen Familien ergeben können.

Die Studie errechnet die gesamten Bildungsausgaben von der Kindertageseinrichtung bis zur Weiterbildung. Sie umfasst damit auch die Mindereinnahmen des Staates aus der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Bildungsausgaben und die Lebenshaltungsausgaben der privaten Haushalte, die ausschließlich durch die Bildungsmaßnahme bedingt sind und als zusätzliche Ausgaben angesehen werden können. Dies ist etwa in der gymnasialen Oberstufe oder bei einem Studium der Fall, während Auszubildende im dualen System diese Kosten über die Ausbildungsvergütung unmittelbar refinanzieren können. Durch diese umfassendere Betrachtung erhöht sich das Bildungsbudget gegenüber den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (EUR 128,5 Mrd.), um fast EUR 40 Mrd. auf insgesamt EUR 167,2 Mrd. Zudem zeigen sich für einige Bereiche auch erhebliche Verschiebungen in der Finanzlastverteilung.

"Im Endergebnis zeigt die Studie die tatsächlichen Belastungen für die öffentlichen und privaten Haushalte, die aus der Bildungsbeteiligung resultieren. Sie ist damit ein wichtiger Schritt für eine Neujustierung der Finanzlastverteilung zwischen Eltern, Schülern und Studierenden sowie der öffentlichen Hand", sagt Dr. Dieter Dohmen, der Leiter des Kölner Forschungsinstituts. "Da vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung und die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands der Akademikeranteil deutlich angehoben werden muss, bedeutet dies, dass gerade für bildungsferne Schichten der Zugang zur Kita, der Übergang in die gymnasiale Oberstufe und zum Studium stärker gefördert werden muss. Eine Einführung von Studiengebühren, die zu einer höheren unmittelbaren oder "gefühlten" Kostenbelastung der privaten Haushalte führt, dürfte kontraproduktiv sein. Dies stellt hohe Anforderungen an die Konzeption von Studiengebührenmodellen, die bisher noch von keinem Modell erfüllt werden. Auch Gutscheinmodelle - ob in Kita oder Hochschule - müssen dies ausreichend berücksichtigen."

Die Studie kann ab sofort auf den Websites des Forschungsinstituts (FiBS-Forum Nr. 20 unter www.fibs-koeln.de) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung heruntergeladen werden (Studie zur technologischen Leistungsfähigkeit Nr. 3 unter www.technologische-leistungsfaehigkeit.de); genaue Zahlenwerte zeigt die Grafik.

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Mehr Informationen zum FiBS unter www.fibs-koeln.de.

Kontakt: Birgitt A. Cleuvers (FiBS), Tel. 02 21 / 550 95 16

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