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Das neue Telemedizin-Portal am Klinikum der Universität München

21.03.2004 - (idw) Klinikum der Universität München

Der schnelle und vor allem absolut sichere Austausch von behandlungsrelevanten medizinischen Informationen und von Ergebnissen bildgebender Untersuchungsverfahren (wie zum Beispiel Computertomografie und Röntgen) auf elektronischem Wege hat wichtige Vorteile: Er spart Zeit und verbessert die Qualität, denn Arztpraxen und Kliniken können unabhängig vom Standort jederzeit eine Expertenmeinung oder ein Zweitgutachten einholen sowie im Rahmen einer integrierten Versorgungskette schnell und günstig Informationen über gemeinsame Patienten austauschen.

Nach der Implementationsphase nahm das Bayerische Telemedizinportal Mitte Dezember 2003 den Livebetrieb auf. Diese in Bayern einmalige teils öffentliche, teils private Portalplattform - getragen vom Klinikum der Universität München und dem Wissenschaftsministerium des Freistaats Bayern - wird zukünftig die Möglichkeiten der schnellen und effizienten ärztlichen Kommunikation drastisch erweitern. Als erste Partner starten das Stiftungskrankenhaus Nördlingen in Kooperation mit dem Klinikum der Universität München den Echtzeitbetrieb.

Zukünftig bietet das Informationsportal mit der Kurzbezeichnung "TempoBy" den als Teilnehmer registrierten Arztpraxen, Krankenhäusern und Reha-Kliniken mehrere Möglichkeiten, den Arbeitsalltag und die Patientenbetreuung zu optimieren. Die Grundfunktion des Portals besteht in der Entgegennahme, Zwischenspeicherung/Archivierung und Weitergabe der Ergebnisse aller denkbaren medizinischen Dokumente und bildgebenden Diagnoseverfahren (CT, MR, Ultraschall, konventionellem Röntgen und dergl.) sowie Herzkatheter-Aufnahmen für die angemeldeten Benutzergruppen. Den Austausch der Patientendaten kann zukünftig das Telemedizinportal rund um die Uhr übernehmen. Der Auftraggeber erhält dann Diagnosen und Konsile der jeweiligen Experten zunächst des Klinikums der Universität München, zukünftig ist aber auch ein Datenaustausch zwischen anderen angeschlossenen bayerischen Universitätsklinika, Krankenhäusern und Praxen sowie Rehabilitationseinrichtungen möglich. Auf diesem Wege lässt sich schnell ein Zweitbefund zur Absicherung einer Diagnose einholen oder relevante medizinische Information zur Weiterbehandlung des Patienten austauschen. Es ist aber auch möglich, einen Erstbefund per Ferndiagnose an anderer Stelle erstellen zu lassen. Denn in ländlichen Regionen oder auch in der Urlaubszeit sind entsprechende Experten rar, die für eine sichere Diagnose mit der nötigen Erfahrung und dem aktuellen Wissen aus dem jeweiligen Spezialgebiet ausgestattet sind. Dadurch kann auch manche Patientenfahrt entfallen.

Diese Lösung hat für den Nutzer insofern finanzielle Vorteile, als sich durch die Möglichkeit des Zugriffs auf Expertenwissen sowohl in Arztpraxen als auch in Kliniken Personalkosten einsparen lassen - ohne dass die Behandlungsqualität leidet. Auf der anderen Seite werden diejenigen Kliniken, die ihre Expertenkapazität für andere Kliniken oder Praxen zur Verfügung stellen, Befunde gegen Entgelt erstellen. Diese Zusammenarbeit nutzt das Potenzial der Telemedizin und kann so zu einer Verbesserung der Patientenversorgung beitragen Die bessere Nutzung vorhandener Ressourcen/Kapazitäten technischer und personeller Art macht das Gesundheitssystem leistungsfähiger, schneller und wirtschaftlicher.

Weitere Einsatzmöglichkeiten des Portals:

Abruf bzw. Export von Patientendaten: Für ein Konsil oder bei einer Überweisung lassen sich aus dem im Portal eingestellten Bestand von Patientendaten oder Patientenakten sowohl Bilder als auch Texte (z. B. Labordaten) direkt abrufen und zur Begutachtung und Diskussion am PC anzeigen. Der Zugriff erfolgt über eine geschützte und getunnelte Internetverbindung mit dem den Internetbrowser und die Applikation des Portals. Die Datentransfers im Hintergrund des Portales übernehmen die in der Telemedizin gängigen Protokolle HL7 oder DICOM.

Datenbank-Zugriff: Eingetragene Benutzer können zentral gespeicherte und anonymisierte medizinische Bilddaten nutzen, z. B. ein Tumorregister, um Referenzdiagnosen zu bekommen bzw. um selbst neue Befunde einzustellen.


Interessenten auch außerhalb Bayerns erfahren die Bedingungen für die Nutzung des Telemedizinportals "TempoBy" vom Portalbetreiber Imaging Service GmbH (ISG). Die technischen Voraussetzungen für den Zugriff auf das Telemedizin-Portal beim Anwender sind - neben einem ISDN- oder DSL-Anschluss zur Einwahl in das Internet - ein leistungsfähiger PC oder Laptop (denn der mobile Zugriff ist auch möglich) mit einem möglichst großen, hochauflösenden Bildschirm. Als Applikation wird einer der üblichen Web-Browser eingesetzt.

Das Sicherheitskonzept
Damit an den kritischen Zugangspunkten zum Netz alles vertraulich zugeht, wird bei den Teilnehmer-PCs eine Software-Applikation - der VPN-Client - sowie ein Chipkartenleser installiert. Bei jedem Login in das Extranet-VPN des Portalbetreibers erfolgt eine zweistufige individuelle Authentifizierung nach dem Prinzip "Besitz" und "Wissen": Dazu gehört einerseits die Chipkarte (mit den darauf gespeicherten digitalen Zertifikaten) und zum anderen die Eingabe einer PIN. Bei der Chipkarte handelt es sich eine sogenannte "SmartCard" mit integriertem Microprozessor (mit spezieller Software) sowie einem zusätzlichen Kryptoprozessor. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, dass nur persönlich autorisierte Teilnehmer über den speziell zugelassenen PC oder Laptop am Informationsverbund teilnehmen.
Der Transport der hoch sensiblen Patientendaten erfolgt über das öffentliche Rechnernetz - das Internet. Weil dieses Netz auf Grund seiner Konzeption für vertrauliche Informationen nicht geeignet ist, musste für die absolut sichere Übertragung ein virtuelles privates Netz (VPN) - ein sog. Extranet - innerhalb des Internet geschaffen werden. Zugang haben nur die berechtigten Mitglieder der geschlossenen Benutzergruppe. Die Datenübertragung erfolgt in verschlüsselter Form auf Basis einer Public Key Infrastruktur (PKI).

Public Key Infrastruktur (PKI)
In einer PKI werden für die sichere Datenübertragung sog. Schlüssel (Keys) eingesetzt. Das sind nach komplizierten mathematischen Zufallsverfahren ermittelte Zahlen mit mehreren Tausend Stellen. Eingehende Nachrichten werden mit dem auf der Chipkarte gespeicherten privaten (geheimen) Schlüssel entschlüsselt. Zur Verschlüsselung von zu sendenden Nachrichten wird dagegen der öffentliche Schlüssel verwendet, der dem privaten Schlüssel einer Person eindeutig zugeordnet ist. Diese Zuordnung wird durch ein auf der Chipkarte gespeichertes elektronisches Zertifikat bestätigt. Der Empfänger verschlüsselter Nachrichten hinterlegt seinen öffentlichen Schlüssel in einem speziell verwalteten Verzeichnis (Directory). Damit wird jedem Kommunikationsteilnehmer die Möglichkeit geboten, Nachrichten so zu chif-frieren, dass sie ausschließlich von dem Besitzer des dazugehörigen privaten Schlüssels wieder dechiffriert werden können. Das für eine PKI dringend benötigte Schlüssel- und Zerti-fikatemanagement wird von einer speziellen Organisationseinheit - dem Trust Center - wahrgenommen.

Auskünfte erteilt: Sylvia Villain

Telefon 089-5160-4390
email Sylvia.Villain@oit.med.uni-muenchen.de,
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