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Lebensbilder - Varnhagen-Gesellschaft und Köln-Salon an der Universität zu Köln

30.03.2004 - (idw) Universität zu Köln

Zu zwei Parallel-Ausstellungen laden die Universität zu Köln und die Universitäts- und Stadtbibliothek ein:
"Lebensbilder, die Zukunft zu bevölkern: Von Rahel Levins Salon zur "Sammlung Varnhagen"" und ""...weil ich's massakrieren wollte." Selbst- und Lebensbilder".

46 /2004 (Lebensbilder)
Lebensbilder - Varnhagen-Gesellschaft und Köln-Salon an der Universität zu Köln
Literatur und Kunst in zwei Parallel-Ausstellungen

Zu zwei Parallel-Ausstellungen laden die Universität zu Köln und die Universitäts- und Stadtbibliothek ein.
"Lebensbilder, die Zukunft zu bevölkern: Von Rahel Levins Salon zur "Sammlung Varnhagen"" ist der Titel der Ausstellung der Varnhagen-Gesellschaft e.V., die vom 17. April - 25. Mai 2004 in der Universitäts- und Stadtbibliothek gezeigt wird.

Angeregt durch Rahel Levins selbstkritische Reflexion über ihre Porträts haben sich Künstlerinnen und Künstler der Gruppe Köln-Salon e. V. zu "Selbst- und Lebensbildern" anregen lassen. Ihre bildkünstlerischen Deutungen zeigen sie vom 17. April - 15. Mai 2004 in der Galerie der Universität zu Köln unter dem Titel ""...weil ich's massakrieren wollte." Selbst- und Lebensbilder".

Zur Eröffnung der beiden Ausstellungen

am Freitag, dem 16. April 2004, um 19.00 Uhr
im Vortragsraum der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Universitätsstr. 33, 50931 Köln-Lindenthal

und anschließend am selben Tag

um 20.30 Uhr
in der Galerie der Universität (Hauptgebäude)
Albertus-Magnus-Platz, 50931 Köln-Lindenthal

sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Zur Ausstellung in der Universitäts- und Stadtbibliothek:
Das Schriftsteller-Ehepaar Rahel Levin (1771-1833) und Karl August Varnhagen von Ense (1785-1858) steht wie kein anderes für eine Ära der jüdisch-christlichen Verständigung. Sie und ihr Freundeskreis bildeten eine Bastion gegen "die undeutsche Deutschheit und das unchristliche Christenthum, die jetzt im Schwange sind" (K. A. Varnhagen, 24. Juni 1815). Die gewaltige Autographensammlung, die Rahels Witwer zusammengetragen hat, umfasst Manuskripte, Bücher, Bilder und Briefe von und an ca. 9000 Personen. Ihr Epochenhorizont reicht von der Frühaufklärung über Klassik und Romantik bis in das Jahr 1848 und die Anfänge der Arbeiterbewegung. Mit der Zeit wurde aus dem Salon eine Schatzkammer; der vielstimmige Diskurs der Abendgesellschaften verwandelte sich in "Lebensbilder", mit denen eine "Zukunft zu bevölkern" wäre (Rahel Varnhagen an Wilhelm von Willisen, 21. März 1817).

Die Ausstellung beginnt in der Jägerstraße zu Berlin, wo Rahel Levin ihre ersten Salonabende hielt, und in Düsseldorf, wo Karl August Varnhagen als Sohn eines revolutionär gesinnten Arztes aufwuchs. Sie zeigt Varnhagens Memoiren an seine Soldatenzeit im österreichischen Dienst und Rahels erste Journalbeiträge über Goethe. Varnhagens Schwester in Hamburg, Rosa Maria Assing, ist mit kunstvollen Scherenschnitten vertreten. Die vielen Freunde der Varnhagens, denen 1833 der posthume Privatdruck "Rahel. Ein Buch des Andenkens" gewidmet war, sind exemplarisch dokumentiert mit Exponaten zu Alexander von Humboldt, Bettine von Arnim und Fürst Hermann von Pückler-Muskau; dieser hat Varnhagens Nichte und Universalerbin Ludmilla Assing (1821-1880) ebenfalls seinen literarischen Nachlaß vermacht.

Auch Archive haben ihre Schicksale: Als Ludmilla Assing 1861 die Tagebücher aus dem Nachlaß ihres Onkels drucken ließ, wurde sie wegen Majestätsbeleidigung steckbrieflich verfolgt und ließ sich in Florenz nieder. Dennoch stiftetet sie die Sammlung Varnhagen der Königlichen Bibliothek zu Berlin, wo sie "der allgemeinen Benutzung möglichst überlassen" werden sollte. Ein Katalog erschien 1911. In der Nazi-Zeit setzte erneute Verfolgung ein: während Hannah Arendt im Exil an ihrem Buch "Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik" schrieb, ließ Propagandaminister Goebbels ein Buch beschlagnahmen, weil es Rahels Liebesbriefe enthielt. Im Weltkrieg wurde die Sammlung nach Schlesien ausgelagert und galt vierzig Jahre lang als verschollen. Später gelangten die Handschriften nach Krakau in die Jagiellonische Bibliothek und sind heute Gegenstand schwieriger deutsch-polnischer Verhandlungen über die Rückgabe von Kulturgütern.

Den verlorenen Kontext der Sammlung kann die Ausstellung nicht abbilden; sie will an ihre Wirkungsgeschichte erinnern: Mit Büchern, Zeitungsausschnitten, Autographen, Curiosa und nicht zuletzt mit Porträts, zu denen die philosophische Briefautorin Rahel ein ambivalentes Verhältnis hatte. "Ein ähnlich Bild könnte mich sehr freuen", schrieb sie am 7.12.1802; "Friedel's Bild hat Mama, weil ich's massakriren wollte." Und als Friedrich Tieck sie in einem klassizistischen Basrelief verewigte, setzte sie hinzu (28. März 1814): "...beide find ich sehr ähnlich: und es sind die widerwärtigsten Gesichter für mich, die ich kenne."

Mit einer Lesung aus ihrem Buch "Varnhagen und die Kunst des geselligen Lebens. Eine Jugend um 1800" (Berlin: Das Arsenal, 2003) wird Dr. Hazel Rosenstrauch von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Berlin die Ausstellung in der Bibliothek eröffnen. Ihr Buch sei, schreibt die Autorin, "ein Test für die Frage nach dem >jüdischen Blick< auf die deutsche Geschichte. [...] Varnhagen und seine jüdischen, französischen, seine patriotischen und seine liberalen Freunde ahnten ja nicht, dass ihre Jugendjahre später als Vorgeschichte eines deutschen Nationalstaats wahrgenommen würden".

Zur parallelen Ausstellung in der Galerie der Universität:
Anlässlich der Ausstellung in der Universitäts- und Stadtbibliothek sehen sich der Köln Salon e.V. und die in ihm wirkenden Künstler veranlasst, mit einer Ausstellung zum Thema Portrait das seit 1994 wieder aufblühende Salonwesen vorzustellen, zu kommentieren. Absicht ist nicht, einer sich in den privaten Bereich zurückziehenden Salongesellschaft zu huldigen. Der Salon heute erprobt sich als Kommunikations- und Vermittlungsplattform für Kulturschaffende und (immer wieder neu zu gewinnende) Kunstinteressierte. Die Idee des Salons lebt von den Menschen, die sich hier zunächst auf privater Ebene begegnen und durch Anbindung Zugang auch zum öffentlichen kulturellen Leben finden. Das Portrait ist das Mittel des Künstlers, sein menschliches Umfeld zu "verarbeiten".

Die Kommentare der Rahel Varnhagen zu Portraits ihrer Person motivierten die 25 Künstler, das Thema Portrait zeitgenössisch zu bearbeiten. Die Galerie und die Flure der Universität als Ausstellungsraum stellen einen idealen öffentlichen Kommunikationsraum bezüglich "Menschlicher Vorder- und Hintergründe" dar. Dr. Nikolaus Gatter von der Varnhagen-Gesellschaft wird in diese Ausstellung einführen.

Öffnungszeiten:

Ø Galerie der Universität zu Köln (Hauptgebäude), Albertus-Magnus-Platz, Köln-Lindenthal.
17. April - 15. Mai 2004; montags bis freitags 8.00-20.00 Uhr, samstags 8.00-14.00 Uhr.

Ø Universitäts- und Stadtbibliothek, Universitätsstr. 33, 50931 Köln-Lindenthal:

17. April-25. Mai 2004, montags bis freitags 9.00-24.00 Uhr, samstags 9.00-16.00 Uhr.

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Verantwortlich: Eva Faresin

Für Rückfragen zur Ausstellung in der Universitäts- und Stadtbibliothek steht Ihnen Dr. Rolf Thiele unter der Telefonnummer 0221/470-2404, der Fax-Nummer 0221/470-5166 und unter der Email-Adresse thiele@ub.uni-koeln.de zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web unter http://www.uni-koeln.de/pi/.
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