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Interkulturelles Lernen an der Theologischen Fakultät der Universität Rostock

30.03.2004 - (idw) Universität Rostock

Die geographische Erweiterung der politischen und wirtschaftlichen Räume und die damit gegebenen Möglichkeiten der Begegnung, der Zusammenarbeit und des Austausches machen es erforderlich, die Kulturen anderer Völker zu verstehen. Der religiösen Komponente einer kulturellen Tradition oder einer gegenwärtigen Kultur kommt dabei eine herausragende Bedeutung zu, insbesondere angesichts der Tatsache, dass außerhalb des westeuropäischen Kulturraumes die Religion in der Weltdeutung und im Selbstverständnis der Menschen eine immer größere Rolle spielt.

Im Rahmen des akademischen Profils der Theologischen Fakultät, das mit den Begriffen "Christentum und Kultur" umschrieben wird, bietet die Fakultät im Sommersemester 2004 zwei Lehrveranstaltungen an, in denen die kulturelle Relevanz des christlichen Glaubens in Geschichte und Gegenwart thematisiert wird: Das Seminar Das neue soziale Denken der Russisch-Orthodoxen Kirche und die Übung Mensch und Theologe Alexander Men'.

Die Landessynode der Russisch-Orthodoxen Kirche hat im Jahre 2000 ein Dokument verabschiedet, das die Position der offiziellen russischen Orthodoxie in zentralen sozialen und politischen Fragen der Gegenwart beschreibt und begründet. Nach Auffassung von Kommentatoren, die auf den wachsenden Einfluss der orthodoxen Kirche auf das gesellschaftliche Leben Russlands verweisen, wird dieser kirchlichen Stellungnahme eine zentrale Bedeutung in der sozialen und politischen Entwicklung Russlands zukommen. Dem Dokument, das im Auftrage der Konrad Adenauer-Stiftung übersetzt und kommentiert wurde, gebührt daher eine besondere Aufmerksamkeit. Im Seminar soll das Sozialkonzept der russisch-orthodoxen Kirche und dessen Rezeption in Deutschland analysiert werden. Die Studierenden werden Gelegenheit erhalten, sich in das Selbstverständnis der russischen Orthodoxie einzuarbeiten und eine kritische Stellung sowohl zum Sozialkonzept als auch zu dessen Rezeption zu beziehen.

Alexader Men' erlebte als orthodoxer Priester den russischen Sozialismus und war bis zu seiner Ermordung gleichermaßen beliebt, umstritten und gehasst. Der Tod förderte seine Popularität. Das umfangreiche Werk von Alexader Men' wurde inzwischen auf Russisch als Buch sowie im Internet vielfach veröffentlicht. Es erschien auch eine französische Biographie, die in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Dem deutschen Leser ist dieser bedeutende russische Gegenwartstheologe bisher weitgehend unbekannt. Die Übung hat die Absicht, das Werk von Alexander Men' anhand der Lektüre und der Übersetzung seiner Abhandlung über den Totalitarismus zu erschließen. Alexander Men' analysiert den Totalitarismus zunächst als Phänomen und beschreibt ihn dann in seiner russischen Spielart in der Zeit seit der Oktoberrevolution bis zur Perestroika. Da in der Übung mit dem russischen Text, der noch nicht in Übersetzung vorliegt, gearbeitet wird, sind Russischkenntnisse erforderlich. Die Übung wird im Rahmen der studium generale angeboten. Studierende aller Fachrichtungen sind an der Theologischen Fakultät willkommen.

Dr. theol. Igor Pochoshajew
Tel: 0381 - 498 84 16
Email: igor.pochoshajew@theologie.uni-rosotock.de
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