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Tiere aus Australien und Ferdinand von Mueller (1825-1896)

20.06.2002 - (idw) Universität Rostock

Vom 17. bis 29. Juni 2002 ist die 2. Sonderausstellung der Zoologischen Sammlung der Universität Rostock im Rostocker Hof zu sehen. Sie hat eine doppelte Thematik. Einerseits werden Tiere aus der Australischen Region vorgestellt, andererseits Person und Wirken des in Rostock geborenen, in Australien erfolgreich tätigen Naturforschers und Botanikers Ferdinand von Mueller.

In Australien und Neuguinea haben urtümliche, sonst überall erloschene Säugetiere überlebt. So die noch Eier legenden Arten Schnabeltier und Schnabeligel oder die Beuteltiere, die ihre winzigen Jungen noch lange Zeit in einer Falte oder einem Beutel am Bauch der Mutter umhertragen. Erst in jüngster Zeit, mit Hilfe des Menschen, sind die "richtigen", hoch entwickelten Säugetiere nach Australien gelangt. Der erste war der Dingo, ein verwilderter Haushund; es folgten Ratten, Mäuse, Schafe und Kaninchen - zum Nachteil für die Ökologie des fünften Kontinents. Auf Neuseeland gab es ursprünglich nur Vögel, weswegen es auch Ornithogaea, "Vogelland" genannt wird. Es war bewohnt von den riesigen Moa-Straußen, die vom Menschen erst in historischer Zeit buchstäblich aufgegessen wurden.

Viele der ausgestellten Präparate gehen zurück auf Ferdinand Müller. Er wurde als einfacher Bürger im Kuhtor in Rostock geboren, studierte Pharmazeutik und promovierte in Kiel zum Dr. phil. Er wanderte nach Australien aus, wurde zum bedeutendsten Botaniker des Kontinents und zum Gründer des Botanischen und Zoologischen Gartens in Melbourne. Er verfasste zahlreiche Fachbücher, warb für die praktische Verwendung von Eukalyptus-Produkten und der Macadamia-Nuss. Er führte eine reichhaltige Korrespondenz und schickte Pflanzen und Tiere nach Deutschland, besonders an das Naturkundemuseum in Stuttgart, aber auch an die Universität Rostock.

Besonderheiten in der Ausstellung sind der von Aussterben bedrohte Eulenpapagei oder Kakapo (Strigops habroptilus) sowie Balg und Skelett des Kiwi (Apteryx oweni) beide aus
Neuseeland. Ein Oberschenkelknochen des neuseeländischen Riesen-Moa liegt neben dem eines Broilers aus Intensivhaltung und demonstriert die Größe des ausgestorbenen Straussvogels.

Seine wissenschaftliche Leistung auf botanischem, pharmazeutischem, geografischem und mineralogischem Gebiet fand schon zu Lebzeiten hohe Anerkennung, u. a. wurde er 1857 in Rostock zum Dr. med. promoviert und 1868 durch den König von Württemberg in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Königin Victoria, damals noch Herrscherin Australiens, ernannte ihn zum "Knight Commander" des Michaels- und des St.-Georgsordens. In Australien sind Berge, Flüsse und Seen sowie Plätze und Straßen nach v. Mueller benannt. Auch der Botanische Garten in Melbourne, dessen Direktor er mehr als 20 Jahre lang war, trägt seinen Namen. Neben vielen Pflanzen ist auch ein Rallenvogel, der nur noch selten auf den Auckland-Inseln bei Neuseeland vorkommt, nach v. Mueller als Rallus muelleri in die Wissenschaft eingegangen. Ein Denkmal in Melbourne erinnert an seine großen Leistungen als Naturforscher. In Rostock wurde er erst zu seinem 100. Todestag wieder "entdeckt" und in Publikationen und einem Symposium gewürdigt. Zugleich wurde 1996 von der Post in Australien gemeinsam mit der Deutschen Bundespost eine Gedenkbriefmarke in den jeweiligen Landeswährungen herausgegeben. Es wäre jetzt eigentlich an der Zeit, in seiner Geburtsstadt Rostock eine Straße nach ihm zu benennen.

Pflanzenmaterial, das v. Mueller beschrieben hat, befindet sich im Herbarium der Allgemeinen & Speziellen Botanik in Rostock. Das Tiermaterial in der Sammlung der

Allgemeinen & Speziellen Zoologie umfasst ein anatomisches Präparat, einige Reptilien, eine Sammlung von Vogeleiern, sowie Skelette und nachträglich montierte Häute von Vögeln und von Säugetieren. Sie besitzen noch immer einen hohen Wert als Belegstücke für die Wissenschaft. Heute dürfen sie, da selten geworden, aus Australien nicht mehr exportiert werden.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ragnar Kinzelbach
T: 0381 498 1951
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