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"Konrektorenstudie" weist Wege zur Aktivierung ungenutzter Potentiale für bessere Schulqualität

14.04.2004 - (idw) Universität Augsburg

Qualität von Schule wird nachweislich von der Leitung einer Schule stark beeinflusst. Erkenntnisse zur Verbesserung von Schulqualität erhalten zu wollen, heißt deshalb nicht zuletzt, sich mit den Leitungspersonen und deren Wirken zu befassen. Dabei kann es im Sinne eines zeitgemäßen Leitungsteam-Gedankens ("kooperative Führung") nicht nur um die Schulleiterinnen und Schulleiter selbst gehen, vielmehr müssen auch deren Stellvertreterinnen und Stellvertreter verstärkt Berücksichtigung finden müssen. Vor diesem Hintergrund ist in den Jahren 2002/03 am Institut für pädagogische Fortbildung und Führung (IPFF) im Bayerischen Schulleitungsverband eine "Konrektorenstudie" erarbeitet worden, der Ergebnisse mittlerweile als Sonderausgabe 1/2003 in der Reihe "Argumente und Materialen zum Zeitgeschehen" der Hanns-Seidel-Stiftung erschienen sind.

Geleitet wurde das vom Bayerischen Schulleitungsverband (BSV) und von der Hanns-Seidel-Stiftung finanzierte Projekt von Dr. Peter O. Chott, selbst Schulleiter und zugleich Privatdozent am Augsburger Lehrstuhl für Schulpädagogik (Prof. Dr. Dr. Werner Wiater). "Mit unserer Studie über Konrektorinnen und Konrektoren bzw. über Stellvertreterinnen und Stellvertreter von Schulleiterinnen und Schulleitern", erläutert Chott, "wollten wir detaillierte Auskunft insbesondere über deren Arbeitsbedingungen, Aufgaben und Funktionen sowie schulische und persönliche Ziele gewinnen. Denn nur auf der Grundlage entsprechender Einsichten und Erkenntnisse lassen sich konstruktive Schlüsse ziehen - etwa mit Blick auf einen effektiveren Einsatz der Stellvertreterinnen und Stellvertreter oder mit Blick auf eine gezielte und erfolgreiche Nachwuchsförderung oder auch hinsichtlich des Leitungsteam-Gedankens."

Das Datenmaterial wurde mit einem an alle 3227 bayerischen Grund- Haupt- und Förderschulen verschickten Fragebogens erhoben. Die Rücklaufquote lag bei 28 Prozent. In Kürze lassen sich die Schlüsse, die die Studie aus den Ergebnissen dieser Befragung zieht, in neun Punkten zusammenfassen:

* Konrektorinnen und Konrektoren (KR), v. a. aber die Stellvertreterinnen und Stellvertreter (StV) an kleineren Schulen, stehen im schulischen Alltag als Berufsgruppe eher im Schatten. Es gilt deshalb, künftig ihre Leistungen stärker anzuerkennen und entsprechend (z. B. durch Anrechnungsstunden) zu honorieren.

* KR/StV sind an ihren Schulen mit vielfältigen Aufgaben, inbesondere mit Verwaltungs- und Organisationsaufgaben betraut. Um im Sinne einer "kooperativen Führung" die künftig noch umfangreicher werdenden personalbezogenen Schulleitungsaufgaben mit tragen und mit bewältigen zu können, müssen die KR/StV vor allem Fachberater-, Beratungslehrer- und sonstige leitungsferne Tätigkeiten aufgeben oder zumindest einschränken.

* Die Führungsrolle des KR/StV erscheint wenig deutlich abgegrenzt vom "normalen" Lehrerkollegen. Sie muss deshalb exakter beschrieben, als Führungsaufgabe bewusst gemacht und in der Schule - wo nötig - implementiert werden.

* "Kooperatives Führen" bedeutet für die KR/StV auch, die "Vermittlungsfunktion" zwischen Kollegium und Schulleiter aufzugeben und ein Klima des Miteinanders und der Offenheit an der Schule (weiter) zu fördern.

* Für die Zusammenarbeit zwischen KR/StV und Rektoren/Schulleitern ist eine sinnvolle Definition der jeweiligen Arbeitsbereiche geboten; diese sollte in einem individuellen schuleigenen individuellen Geschäftsverteilungsplan fixiert werden.

* KR/StV fühlen sich im Allgemeinen bei ihrer Arbeit und an ihrer Schule wohl. Es gilt, dieses Befinden zu erhalten, gleichzeitig aber die KR/StV gezielter in die Führung der Schule einzubinden, um es ihnen zu ermöglichen, den künftigen Schulleitungsaufgaben professioneller gerecht zu werden.

* Die Kooperation zwischen dem Schulleiter und den KR/StV muss dort verbessert und Transparenz muss dort geschaffen werden, wo die KR/StV bislang kaum oder nicht an Entscheidungen beteiligt werden.

* KR/StV werden von Schulamtsvertretern in vielen Dingen unterstützt. Sie sollten als Ansprechpartner aber nicht nur in Konfliktfällen ernst genommen werden, und auch dort, wo es um eine zielgenauere Rekrutierung neuer KR/StV geht, sollte die Kommunikation ausgebaut und verbessert werden.

* Die Aus- und Weiterbildung der KR, insbesondere aber der Stellvertreter wird von diesen selbst größtenteils als unzureichend empfunden. Zur Professionalisierung der Berufsgruppe der KR/StV gehört deshalb die Ausweitung der "Erprobungskurse" sowie die Verbesserung und Verstärkung der Vorbereitungskurse für zukünftige KR/StV.
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PETER O. CHOTT/GISELA SCHMIRBER (HGG.): KONREKTORENSTUDIE - ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG VON KONREKTOR(INN)EN UND STELLVERTRETER(INNE)N AN GRUND-, HAUPT- UND FÖRDERSCHULEN IN BAYERN IM JAHR 2002 (= ARGUMENTE UND MATERIALEN ZUM ZEITGESCHEHEN - SONDERAUSGABE 1/2003), MÜNCHEN, HANNS-SEIDEL-STIFTUNG, 2003

Die Publikation kann bei der Hanns-Seidel-Stiftung kostenlos bestellt werden (http://www.hss.de/4703.shtml), steht auf der Seite http://www.schulpaed.de/auswertung.htm aber auch als pdf zur Verfügung.

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KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:
Priv. Doz. Dr. Peter O. Chott
c/o Lehrstuhl für Schulpädagogik
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-5571
pchott@t-online.de
http://www.schulpaed.de
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