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Ethik und Pluralismus

17.04.2004 - (idw) Universität Erfurt

Dekan des Max-Weber-Kollegs Prof. Joas hält Ringvorlesung am 20. April 2004

Von dem bekannten amerikanischen Religionssoziologen Peter Berger stammt die These, dass der moderne Pluralismus im Sinne einer Koexistenz von Kulturen und Religionen ohne Kontaktbarrieren zu einer Schwächung von Glaubensbindungen aller Art führe und damit der Säkularisierung Vorschub leiste. In seiner Ringvorlesung am Dienstag, dem 20. April 2004 will Prof. Dr. Hans Joas versuchen, diese These auf drei Ebenen zu widerlegen. Historisch gehe es um eine Korrektur des Bildes von der angeblichen Homogenität vormoderner Kulturen, soziologisch ließen sich Fälle ins Feld führen, in denen Pluralismus die Vitalität von Religion eher gestärkt habe (z.B. in den USA) und philosophisch sei es falsch, die Entstehung von Wertbindungen nach dem Modell der Wahl zu denken, so der Soziologe und Dekan des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt. Seinen Vortrag will er mit Überlegungen zu den Chancen der Wertevermittlung unter den Bedingungen der Gegenwart abschließen.

Hans Joas, geboren 1948 in München, promovierte und habilitierte sich an der Freien Universität Berlin. Er lehrte von 1987 bis 1990 als Professor für Soziologie an der Universität Erlangen Nürnberg und von 1990 bis 2002 an der Freien Universität Berlin, zudem an zahlreichen nordamerikanischen und europäischen Universitäten. Seit zwei Jahren ist er Dekan des Max Weber Kollegs in Erfurt und außerdem Professor für Soziologie und Sozialphilosophie an der University of Chicago. Joas ist ordentliches Mitglied der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Von seinen Büchern sind besonders "Die Entstehung der Werte" (1997), "Kriege und Werte" (2000) sowie das in diesem Jahr zur Veröffentlichung anstehende "Braucht der Mensch Religion?" für das Thema der Ringvorlesung wichtig.

Die achte Ringvorlesung der Universität beschäftigt sich im Sommersemester mit dem Thema "Ethik in der Krise - Ethik für die Krise". Ethiker sind derzeit bei den Diskussionen um das Lebenspartnerschaftsgesetz, Stammzellen oder aktive Sterbehilfe gefragt. Mit der großen Nachfrage nach Ethik, die sich auch in der Einsetzung von Enquete-Kommissionen oder nationalen Ethikräten widerspiegelt, ist auch eine große Unsicherheit verbunden. Immer wieder macht die Gesellschaft die Erfahrung, dass die Ethik als wissenschaftliche Reflexion moralischer Überzeugungen selbst Teil der Unsicherheiten ist, also - wenn man so will - der krisenhaften Phänomene der Gegenwart. Die Vorlesung in diesem Sommersemester ist der Überzeugung, dass die ethische Reflexion einen Dienst anzubieten hat, den die Gesellschaft braucht. Sie hat den Mut, einen Blick in die Werkstatt zur eröffnen, die die wissenschaftliche ethische Reflexion gegenwärtig darstellt. Dieser Blick soll zeigen, welche Chancen ethische "Beratung" aus den Reihen der Wissenschaft für die gegenwärtige Gesellschaft in ihrer Orientierungssuche bietet. Es ist Ethik für die Krise, also ein Nachdenken über die Ressourcen der moralischen Überzeugungen, die Halt geben, den Herausforderungen der Gegenwart standzuhalten und nach menschlichen Lösungen Ausschau zu halten für die kommende Entwicklung.

Die gemeinsam mit der Fachhochschule, mit Unterstützung der Sparkassenfinanzgruppe und der Universitätsgesellschaft Erfurt e.V. veranstaltete und von der Thüringischen Landeszeitung präsentierte populäre Reihe bietet jeweils dienstags (Beginn 18.00 Uhr in der Michaeliskirche/Universitätskirche) in insgesamt 13 Veranstaltungen Vorträge von Professoren verschiedener deutscher Universitäten sowie einen Beitrag des renommierten Journalisten Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung.

Nächster Termin in der Reihe: 27.4.2004, 18.00 Uhr, Michaeliskirche, Professor Dr. sc. Herbert Meyer, Zentrum für Ethik in der Medizin, Erfurt, "Ethik in der Medizin".

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