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Absurde Situation: Hochschule soll Spitzenbereiche abgeben

17.04.2004 - (idw) Hochschule Magdeburg-Stendal (FH)

Die von Stern und CHE bundesweit empfohlenen Studiengänge Architektur und Chemie / Pharmatechnik will das Kultusministerium an der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) schließen

Im aktuellen Ranking des CHE (Centrum für Hochschulentwicklung), das in der Sonderausgabe Campus und Karriere des Stern am 19. April veröffentlicht wird, steht die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) so gut da wie nie zuvor. Von den fünf Studiengängen, für die aktuelle Daten erhoben worden sind, liegen drei im Vorderfeld. Für die beiden anderen untersuchten Studiengänge wird die Hochschule ausdrücklich als Studienort empfohlen: Architektur und Chemie/Pharmatechnik. Genau diese beiden Studiengänge sollen nach den Vorstellungen des Kultusministeriums am Standort Magdeburg geschlossen werden.

Die Schließungsabsichten widersprechen nach Meinung von Prof. Dr. Andreas Geiger, Rektor der Hochschule, allerdings der hochschulpolitischen Vernunft: "Eine Hochschule, die unternehmerisch denkt, darf nicht gezwungen werden, ihre Spitzenprodukte vom Markt zu nehmen." Überall sei derzeit von Spitzenleistungen die Rede, die Ostdeutschland brauche und von der Notwendigkeit, Leuchttürme zu entwickeln und Wachstumskerne zu fördern. In der wirtschaftlichen Situation Sachsen-Anhalts komme es daher besonders darauf an, sensibel mit gut aufgestellten Studiengängen umzugehen. "Die Anerkennung von Chemie/ Pharmatechnik als absoluter bundesweiter Spitzenstudiengang ist ja nur eine Seite der Medaille", so Geiger weiter. "Die extrem hohe Nachfrage, auch aus dem Ausland, ist der zweite Beweis für die Leistungsfähigkeit des Fachbereichs." Nicht in der Studie berücksichtigt wurde der vergleichsweise hohe Anteil an eingeworbenen Forschungsmitteln.

Mit dem starken Rückenwind aus der CHE-Studie - dem deutschlandweiten Hochschul-TÜV - will Rektor Geiger gestärkt in weitere Verhandlungen mit dem Kultusministerium eintreten: "Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht doch noch erreichen sollten, dass unsere Aushängeschilder in der Hochschullandschaft weiter für den Standort Sachsen-Anhalt werben können."

Fakten:
Chemie/Pharmatechnik ist laut CHE-Studie in vier untersuchten Bereichen in der bundesdeutschen Spitzengruppe, landet lediglich beim Professorentipp im Mittelfeld. Zitat Stern: "Auf nach Sachsen-Anhalt!" Im Detail der studentischen Bewertungen gab es ausschließlich Spitzenbenotungen. Zum Wintersemester 2003/04 haben sich 84 Studierende neu eingeschrieben. 23 davon (entspricht 27%) kamen aus dem Ausland. Allein in die labortechnische Ausstattung sind nach dem Umzug auf den neuen Campus (im Jahr 2000) etwa 7,9 Millionen Euro investiert worden. Der Fachbereich soll nach Plänen des Kultusministeriums an die FH Merseburg und die Hochschule Anhalt (Standort Köthen) verlagert werden.

Architektur ist ein zulassungsbeschränkter Studiengang mit derzeit knapp 300 Studierenden. Kurze Studienzeiten und eine ebenfalls neue und hervorragende Ausstattung gehören zu den Vorzügen, die die Studie benennt. Architektur soll in Sachsen-Anhalt künftig nur noch in Dessau, einem Standort der Hochschule Anhalt, angeboten werden.

Ausgewählte Links zur CHE-Studie s.u.
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