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Heidelberger Forschungsmagazin "Ruperto Carola 1/2004": Zufälle, Zellen und zelluläre Einlasspforten

22.04.2004 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Titelgeschichte von Blanche Schwappach: Vom grundlegenden Verständnis zu einer grundlegenden Therapie des Diabetes - Weitere Themen: Ein Streifzug durch die Energielandschaft der Proteine - Steuern durch Steuern - Neue Wirkstoffe gegen die Hepatitis C - Schall und Rauch: Impressionismus in Literatur und Malerei

Über drei Jahrzehnte lang wurden Sulfonylharnstoffe eingesetzt, um die Zuckerkrankheit zu behandeln. Die Ärzte wussten zwar, dass man mit diesen Medikamenten die gestörte Insulinausschüttung von Patienten mit Typ-II-Diabetes oft über Jahre hinweg künstlich aufrecht halten kann. Wie Sulfonylharnstoffe allerdings molekular wirken, war unbekannt. Blanche Schwappach vom Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg beschreibt in der Titelgeschichte der neuen "Ruperto Carola", wie der Zufall Wissenschaftlern zu unverhofften Entdeckungen verhilft - und wie anschließendes zielgerichtetes Arbeiten der Natur verblüffende Antworten auf so manches Rätsel entlocken kann. Weitere Themen des Magazins: Ein Streifzug durch die Energielandschaft der Proteine - Steuern durch Steuern - Neue Wirkstoffe gegen die Hepatitis C - Schall und Rauch: Impressionismus in Literatur und Malerei.

Editorial: Prorektor Angelos Chaniotis greift bissig die jüngsten Äußerungen zweier führender deutscher Politiker an

Im Editorial von "Ruperto Carola 1/2004" greift Prorektor Prof. Dr. Angelos Chaniotis bissig die jüngsten Äußerungen zweier führender deutscher Politiker an. "Auch Professoren müssen mehr arbeiten" - unter dieser Überschrift veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung ein Interview mit dem neuen Wissenschaftsminister von Bayern. Darin heißt es: "Wenn wir im öffentlichen Dienst die Arbeitszeit auf 42 Stunden heraufsetzen, wird die Universität nicht ausgespart. An Privatgutachten oder Veröffentlichungen zu schreiben, zählt übrigens nicht zur regulären Arbeitszeit. Das ist nicht Bestandteil des Vertrags mit dem Staat." Chaniotis: "Nimmt man diese Äußerung wörtlich, bedeutet dies das Ende der Universität als Stätte der Forschung im Freistaat."

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft sollte also - so der Prorektor - künftig auf Gutachter aus bayerischen Universitäten verzichten, es sei denn, sie verfassen die Gutachten unentgeltlich in ihrer Freizeit. Die Veranstalter internationaler Konferenzen sollten ihre Kollegen aus den bayerischen Universitäten besser nicht mehr einladen, auch die Teilnahme an Konferenzen und die Präsentation von Forschungsergebnissen wären "nach der eigenartigen Interpretation des bayerischen Hochschulgesetzes durch den zuständigen Minister" kein Bestandteil des Vertrages mit dem Staat. "Und ich frage mich, welcher Professor, der nur 42 Stunden arbeitet, für die akademische Selbstverwaltung und die Beantragung von Drittmitteln zur Verfügung stehen wird." Man könne die Äußerungen von Herrn Goppel leicht ad absurdum führen.

Noch schärfer geht Chaniotis mit der Bundesbildungsministerin ins Gericht. "Hochschulen müssen noch internationaler werden", schrieb Frau Bulmahn in der Frankfurter Allgemeinen. Bei der Internationalisierung der deutschen Hochschulen habe sich vieles bewegt, so die Ministerin. Und das sei kein Zufall, denn "die Internationalisierung der Hochschulen ist ein Kernthema der Politik der rot-grünen Bundesregierung". Die Hochschulen in Deutschland "können auf unsere Unterstützung zählen, wenn es darum geht, ihre Präsenz auf dem internationalen Bildungsmarkt auszubauen und mehr Studierende sowie Spitzenwissenschaftler aus dem Ausland zu gewinnen". Sie nennt auch Zahlen: Den Anteil ausländischer Studierender will sie bis 2008 von acht auf zehn Prozent erhöhen.

Chaniotis stellt der Ministerin die Realität aus der Sicht der Universität Heidelberg mit einem Ausländeranteil von mehr als 20 Prozent gegenüber. Die wichtigsten Hindernisse einer größeren Internationalisierung seien die fehlenden Gästehäuser, die Etatkürzungen des Goethe-Instituts und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), das Verbot der Studiengebühren, die Absurditäten des Ausländerrechts. "Hier muss die Bundesregierung mehr Geld investieren, statt den Oberlehrerzeigefinger zu erheben. Und vor allem: Ausländische Studierende sollten das Studium in Deutschland nicht wählen, weil es nichts kostet, sondern weil es von hohem Niveau ist. Exzellentes Studium ist nicht zum Nulltarif zu haben. Und ohne die Einführung von Studiengebühren, über deren Modalitäten man nachzudenken hat, werden die deutschen Universitäten nicht mehr lange fähig sein, sich dem Vergleich mit den besten Universitäten zu stellen."

Streifzug durch die Energielandschaft der Proteine

An vielen grundlegenden Zellprozessen sind Atomgruppen beteiligt, die sich im Innern von Proteinen miteinander oder gegeneinander bewegen. Diese Bewegungen ermöglichen es den Atomen, ihren Weg durch "Energielandschaften" zu finden und dabei Täler und Gipfel zu passieren. Die Computersimulation ermöglicht es, an einem Streifzug durch die Energielandschaft der Proteine teilzunehmen. Jeremy C. Smith vom Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen beschreibt im ersten Haupttext der "Ruperto Carola" funktionale Bewegungen und erläutert, wie Informationen innerhalb eines Proteins von einem Ort zum andern gelangen.

Steuern durch Steuern

Wie muss eine Steuer aussehen, die den Steuerpflichtigen eine maßvolle und gleichmäßige Last zuteilt? Paul Kirchhof vom Institut für Finanz- und Steuerrecht weist in dem neuen Magazin einen Weg aus dem undurchdringlichen Steuerdickicht: Steuerpflichtiges Einkommen soll allenfalls zu einem Viertel belastet werden. Ein solches vereinfachtes Steuerrecht, argumentiert Kirchhof, trägt wesentlich zur Freiheitskultur in Deutschland bei und wappnet uns für den Wettbewerb auf dem Weltmarkt.

Neue Wirkstoffe gegen die Hepatitis C

Weltweit sind etwa 170 Millionen Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert. Die Erkrankung ist tückisch, bleibt sie doch oft jahrelang unbemerkt, bis sich Leberzirrhose oder Lebertumoren entwickeln. Zurzeit existiert weder ein Impfstoff gegen die Hepatitis C noch eine zufriedenstellende medikamentöse Therapie. Ralf Bartenschlager, Leiter der neuen Abteilung Molekulare Virologie am Hygiene-Institut, schildert, wie Grundlagenforscher dazu beitragen, neue Medikamente gegen die Hepatitis C zu finden.

Schall und Rauch

"Ut pictura poesis" - unter diesem Horaz-Motto wurde immer wieder nach der Vergleichbarkeit, ja Gemeinsamkeit von Malerei und Literatur gefragt. Arnold Rothe, Ordinarius für Romanische Philologie, geht in dem neuen Forschungsmagazin dieser Frage erneut nach und betrachtet das Verhältnis von Malerei und Literatur am Beispiel des Pariser Bahnhofes Saint-Lazare - und seiner Darstellung durch Claude Monet und Émile Zola.

In der Rubrik "Aus der Stiftung Universität Heidelberg" stellt Wilfried Härle die Preisträger der Ruprecht-Karls-Preise und des Fritz-Grunebaum-Preises 2003 vor. "Die Sprache der Histon-Proteine" lautet der folgende Kurzbericht von Karsten Rippe aus dem Kirchhoff-Institut für Physik. Eine Übersicht der höchst dotierten Drittmittelprojekte folgt. Das Magazin wird abgerundet durch den Meinungsbeitrag "Opfer zynischer Ahnungslosigkeit" von Wilhelm Kühlmann mit Anmerkungen zu den Beschäftigungszeiten wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Verlag des Forschungsmagazins ist der Universitätsverlag C. Winter Heidelberg. Ein Einzelheft kostet 5 Euro plus Versand. Es kann, ebenso wie das Förderabo für 30 Euro (vier Ausgaben), bestellt werden bei: Pressestelle der Universität Heidelberg, Postfach 10 57 60, 69047 Heidelberg. Kostenlose Ansichtsexemplare früherer Hefte liegen im Foyer der Alten Universität aus. Weitere Informationen und Volltexte früherer Ausgaben: http://www.uni-heidelberg.de/presse/publikat.html

Rückfragen bitte an:

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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