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Das Augsburger EKM: Spitze in grundlagenorientierter Materialforschung und Festkörperphysik

27.04.2004 - (idw) Universität Augsburg

Begutachtung des Bereichs "Elektronische Korrelationen und Magnetismus" mit erstklassigem Ergebnis / Übernahme durch den Freistaat ohne Vorbehalte empfohlen ---

Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst wurde der Bereich "Elektronische Korrelationen und Magnetismus" (EKM) am Institut für Physik der Universität Augsburg von einer internationalen Expertengruppe begutachtet. Grund dieser Evaluation war die anstehende Übernahme des EKM in den bayerischen Staatshaushalt im Jahr 2006. Die Gutachterkommission, die aus Vertretern der Industrie, von Universitäten und der Max-Planck Gesellschaft bestand, bestätigte die im internationalen Vergleich hervorragenden Leistungen des EKM. Es wird - gerade in Zeiten notwendiger Eliteförderung - empfohlen, das EKM als Einheit weiterzuführen.


Die Mitarbeiter des Bereichs "Elektronische Korrelationen und Magnetismus" am Institut für Physik der Universität Augsburg Im Jahre 1993 hat der Wissenschaftsrat ein zentrales bundesweites Programm für das sich schnell entwickelnde Forschungsfeld "Elektronische Korrelationen und Magnetismus" empfohlen, das anschließend durch das Bundesministerium für Forschung und Technologie (heute BMBF) mit einem Gesamtvolumen von 75 Millionen DM ausgeschrieben wurde. Durch ein überzeugendes Konzept des Institutes für Physik der Universität Augsburg gelang es damals, aus diesem Antragsvolumen 50 Millionen DM für die Schaffung eines Bereiches EKM an der Universität Augsburg festzulegen und Augsburg zu einer tragenden Säule innerhalb dieser Forschungsaktivitäten auszubauen. Im Rahmen dieses Verbundes werden die Lehrstühle für Experimentalphysik der Professoren Alois Loidl und Jochen Mannhart über zehn Jahre gefördert. Ein Lehrstuhl für Theoretische Physik (Professor Dieter Vollhardt) wird zusätzlich durch den Freistaat Bayern finanziert. In einer Verwaltungsvereinbarung vom 31. Januar 1994 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Bayern wurde festgelegt, dass nach dieser Förderperiode von zehn Jahren und vorbehaltlich einer positiven wissenschaftlichen Begutachtung der Freistaat Bayern die Stellen und Mittel in den Staatshaushalt einstellt.

ZENTRALES THEMA DER MODERNEN FESTKÖRPERPHYSIK

Elektronische Korrelationen sind ein zentrales Thema der modernen Festkörperphysik und der Materialforschung. Sie sind die treibende Kraft hinter Phänomenen wie Hochtemperatursupraleitung, Ferromagnetismus und Ferroelektrizität. Materialien mit starken elektronischen Korrelationen bilden die Schlüsselelemente für die Entwicklung der Technik von morgen. Manche von ihnen sind schon heute wesentliche Bausteine der Mikroelektronik und werden in einem breiten Anwendungsspektrum eingesetzt. Die angestrebte Miniaturisierung elektronischer Komponenten in der Informations- oder Kommunikationstechnologie kann - bei gleichzeitiger Erhöhung der Schaltgeschwindigkeiten - nur durch die konsequente Entwicklung neuer Materialien und durch die Entdeckung neuer physikalischer Effekte geleistet werden. So ist z. B. für eine zukünftige Spin-Elektronik (Spintronik) die Entwicklung ferromagnetischer Halbleiter mit hoher Spinpolarisation unabdingbar. Die japanischen und US-amerikanischen Forschungsaktivitäten sind auf diesen Gebieten enorm, europäische Forschergruppen können bei dieser Entwicklung nur durch konzentrierte Förderung mitwirken.

Seit 1996 wird der Bereich "Elektronische Korrelationen und Magnetismus" an der Universität Augsburg erfolgreich ausgebaut. Er ist mittlerweile gut etabliert, hat internationale Spitzenleistungen erzielt und genießt weltweit einen ausgezeichneten Ruf, der in den zurückliegenden Jahren wiederholt durch Preise und Auszeichnungen dokumentiert wurde.

INTERNATIONAL IN DER CHAMPIONS-LEAGUE UND IN DEUTSCHLAND EINZIGARTIG

Gemäß der vertraglichen Vereinbarung zwischen dem Bund und dem Freistaat Bayern fand am 26. und 27. Februar 2004 die entscheidende Begutachtung durch eine vom bayerischen Staatsministerium bestellte internationale Gutachtergruppe statt, deren Ergebnis nun vorliegt. Das Gutachten bestätigt, dass am EKM eine apparative Ausstattung aufgebaut wurde, die den hohen Zielen, die dem EKM bei seiner Gründung gesetzt wurden, gerecht wird und dem EKM eine internationale Spitzenstellung sichert. Gemäß dem Begutachtungsergebnis sind die spektroskopischen Methoden, Kraftmikroskopie, Tunnelmikroskopie, Einkristallzucht und die Epitaxie oxidischer Bauelemente mit optimierter Laser-Deposition international der Champions-League zuzuordnen und in Deutschland einzigartig. Die Gutachterkommission führt hierbei die Kombination von Tunnel- und Kraftmikroskopie und die dielektrische Spektroskopie besonders auf, bei der gemäß dem Gutachten die EKM-Wissenschaftler auf Weltmaßstab zu den besten Gruppen gehören. Die Entwicklung neuer supraleitender elektronischer Bauelemente wird als erstklassig beschrieben. Ebenso wird den Arbeiten des Lehrstuhls für Theoretische Physik III international ein sehr hohes Ansehen attestiert. Es wurden dort u.a. neuartige theoretische Methoden entwickelt, die erstmals eine erfolgreiche ab-initio Modellierung der Eigenschaften elektronisch hochkorrelierter Materialien gestatten.

ZUKUNFTSWEISEND, AMBITIONIERT UND ÄUSSERST FÖRDERUNGSWÜRDIG

Die Gutachtergruppe bezeichnet den Leistungsnachweis des EKM in Form von Publikationen und Präsentationen der Forschungsergebnisse bei internationalen Konferenzen und in hoch angesehen Zeitschriften als ausgezeichnet. Hierbei dokumentieren die erzielten Resultate die außerordentliche Leistungsfähigkeit der Lehrstühle. Eine große Zahl der Arbeiten wurde in der internationalen Presse beschrieben. Die Gutachter bemerken, dass viele der Arbeiten, zusätzlich zu den erzielten grundlegenden Erkenntnissen, für zukünftige industrielle Anwendungen in der miniaturisierten Elektronik und beim verlustlosen Stromtransport in supraleitenden Kabeln von Bedeutung sind. Hier wurden grundlegende Verfahren zur Verbesserung von Starkstromkabeln entwickelt und patentiert. Die geplanten Projekte wurden von der Gutachtergruppe als zukunftsweisend, ambitioniert und äußerst förderwürdig beurteilt.

ÜBERNAHME DURCH DEN FREISTAAT OHNE VORBEHALTE EMPFOHLEN

Aufgrund der erbrachten Leistungen und der Zukunftsperspektiven wird eine Übernahme des EKMs durch den Freistaat Bayern als Einheit und ohne Vorbehalte empfohlen. Nach Ende der jetzigen Phase, in der das EKM durch das BMBF und den VDI betreut wird, soll das EKM durch einen wissenschaftlichen Beirat unterstützt werden.

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EKM-HOMEPAGE:
http://www.physik.uni-augsburg.de/ekm/ekm.shtml

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:
Prof. Dr. Alois Loidl
Lehrstuhl für Experimentalphysik V/EKM
Institut für Physik der Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-3600
alois.loidl@physik.uni-augsburg.de
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