Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMittwoch, 3. September 2014 

Ein kaltes Leuchten kommt aus der Vergangenheit

08.05.2004 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Wie Heidelberger Forscher die Geschichte der Region enträtseln - Öffentlicher Vortrag von Dr. Annette Kadereit in der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

Die Archäologie ist eine alte Wissenschaft in zweierlei Hinsicht. Zum einen kann sie selbst schon auf eine lange Tradition zurückblicken, zum anderen hat sie es naturgemäß mit Gegenständen aus vergangenen Zeiten zu tun. Doch die Archäologie ist ebenso eine hochmoderne Wissenschaft. Und so bewährt viele Methoden zur Altersdatierung mittlerweile sind, seit Schliemanns Zeit hat sich viel getan! Insbesondere in den letzten Jahren wurden neue Verfahren entwickelt, die Einblicke ins Dunkel der Vergangenheit erlauben, wie sie bislang kaum vorstellbar waren. Die "Archäometrie" hat sich dabei besonders hervorgetan und der Wissenschaft völlig neue Fenster in die Vergangenheit aufgestoßen.

Seit rund 25 Jahren existiert die "Forschungsstelle Archäometrie" der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Zusammen mit seinen Mitarbeitern hat Professor Günther Wagner eine Methode weiterentwickelt, die sich "optisch stimulierte Lumineszenz" nennt. Dieses naturwissenschaftliche Verfahren ist in der Lage, nicht nur künstliche Artefakte wie Keramik, Ziegel oder auch Feuerstellen zu datieren, sondern ebenso geeignet, das genaue Alter von Erdablagerungen zu bestimmen. So können die Forscher heute ganz erstaunliche Aussagen über frühe menschliche Siedlungsplätze treffen, über den Umgang unserer Vorfahren mit der Natur, über das Entstehen und Vergehen ganzer Kulturen.

Vor allem Feldspat und Quarz sind Mineralien, deren geologische Uhr besonders genau tickt. Kosmische Strahlen, aber auch natürliche Radioaktivität führen dazu, dass sich von ihren Atomen im Laufe der Zeit immer mehr negative Teilchen abspalten. Die abgespaltenen Elektronen gehen jedoch nicht einfach verloren, sondern sammeln sich an positiv geladenen Stellen innerhalb des Objekts. In diesen "Elektronenfallen" bleiben sie, solange es im Dunkeln liegt. Führen die Forscher nun aber dem Objekt im Labor gezielt Energie zu, wie Licht oder Wärme, so 'springen' die negativen Teilchen sofort an ihre alte Positionen zurück. Dabei senden sie ein kaltes Leuchten aus, an dessen Stärke ein Beobachter gut ablesen kann, wie lange ein Gegenstand etwa von Erde bedeckt war.

"Mit der Methode der optischen Lumineszenz können wir heute beispielsweise genau sagen, welchen Einfluss im Kraichgau die Landwirtschaft auf die Landschaft hatte", erklärt Dr. Annette Kadereit, die dem Heidelberger Forscherteam seit sieben Jahren angehört. "Wir lernen viel über die Bodenerosion während der Römerzeit, wann die Landwirtschaft während der Völkerwanderung zum Erliegen kam oder welche Folgen die großflächigen Abholzungen des Mittelalters für unsere Region hatten."

Der Vortrag "Optisch stimulierte Lumineszenz an Sedimenten" von Dr. Annette Kadereit findet am Dienstag, 11. Mai um 18.15 Uhr in der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Karlstraße 4, statt. Der Eintritt ist kostenlos.


Rückfragen bitte an:
Dr. Johannes Schnurr
Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 06221 / 54 34 00
Fax: 06221 / 54 33 55
E-Mail: johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de

sowie:
Dr. Annette Kadereit
Tel.: 06221 / 51 62 58
Fax: 06221 / 51 63 35
E-Mail: a.kadereit@mpi-hd.mpg.de

Rückfragen von Journalisten auch an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel.: 06221 / 54 23 10
Fax: 06221 / 54 23 17
E-Mail: michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse
uniprotokolle > Nachrichten > Ein kaltes Leuchten kommt aus der Vergangenheit

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/33667/">Ein kaltes Leuchten kommt aus der Vergangenheit </a>