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Neuigkeiten und Trends in der Schweißtechnik

19.05.2004 - (idw) Technische Universität Chemnitz


Referenten des Symposiums: Dr. Rainer Franke, Dr. Frank Riedel, Dr. Jochen Schuster, Prof. Dr. Klaus-Jürgen Matthes, Dr. Reinhard Rosert, Peter Gerster (v.l.) Foto: Christine Kornack Neuigkeiten und Trends in der Schweißtechnik
Im Rückblick: 6. Chemnitzer Symposium Fügetechnik/Schweißtechnik

Der alt bewährte Niet hat ausgedient. Neue Entwicklungsstrategien des Flugzeugbauers Airbus zielen auf Reduzierung des Eigengewichts von Flugzeugkonstruktionen. Zunehmend werden genietete Baugruppen durch leichtere, lasergeschweißte Strukturen ersetzt. Nebenbei lassen sich durch Einsatz der Schweißtechnologie Zeit und Kosten einsparen. Dr. Rainer Franke von der IMA Materialforschung und Anwendungstechnik GmbH in Dresden zeigte dies auf dem 6. Chemnitzer Symposium Fügetechnik/Schweißtechnik am Beispiel des Airbus A340-600, dem größten Passagierflugzeug der Welt. Die IMA in Dresden, mit der eine langjährige Zusammenarbeit des Institutes für Fertigungstechnik/Schweißtechnik besteht, prüft neue Baugruppen bzw. komplette Flugzeuge im Auftrag für Airbus. Laut Dr. Franke ergeben sich aus der Verwendung neuer Werkstoffe Forschungsschwerpunkte für die Gestaltung und Berechnung der geschweißten Strukturen.

Schweißen liegt im Trend. Auch in Zukunft werden Eisenbahnbrücken geschweißt und Automobile mit einer Stahlkarosserie gebaut. Dr. Frank Riedel vom Institut für Fertigungstechnik/Schweißtechnik der TU Chemnitz präsentierte Trends in der Schweiß- und Fügetechnik. In einer deutschlandweiten Studie, die vom IFS im Auftrag des DVS - Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V., durchgeführt wurde, vertraten Befragte aus Forschung und Wirtschaft einheitlich die Meinung, dass das Schweißen unverändert große Bedeutung in der Fertigung haben wird. Laut Dr. Riedel werden sich jedoch neue Entwicklungen in Richtung des Arbeits- u. Umweltschutzes in der Schweißtechnik bzw. des Recyclings gefügter Produkte abzeichnen.

In einem Punkt sind sich die Anwender immer einig, das Schweißen muss besser und billiger werden. In den letzten Jahren sind daraufhin zahlreiche innovative Füge- und Schweißtechnologien entwickelt worden. So auch das MAG-Tandemschweißen mit Fülldrähten, das im Rahmen eines kürzlich abgeschlossenen Forschungsprojektes untersucht wurde. Auf reges Interesse bei Vertretern der Wirtschaft stießen die veröffentlichten Forschungsergebnisse, die von den Firmen als sehr positiv eingeschätzt wurden. Anerkennung fand die enge Zusammenarbeit des IFS mit Unternehmen. Neuentwicklungen auf dem Gebiet der Anlagen und Verfahrensentwicklung wurden von namhaften Herstellern präsentiert. Als Hersteller von Zusatzwerkstoffen für das Schweißen wies Dr. Reinhard Rosert von der Firma Drahtzug Stein GmbH auf die Vorteile beim Schweißen mit Fülldrähten hin. Zahlreiche Anwendungen, wie z. B. der Atlantikliner Queen Mary, belegen die hohe Güte der mit Fülldrähten geschweißten Verbindungen. Dr. Karin Himmelbauer wurde als Gast aus Österreich begrüßt und stellte aus der Sicht der Firma Fronius Schweißtechnik Internationl AG Entwicklungen auf dem Gebiet der Schweißenergiequellen im Bereich des Hochleistungsschweißens dar.

Neben der technologischen Entwicklung des Schweißens ist die Einführung neuer Werkstoffe von größter Bedeutung. Dr. Jochen Schuster von der SLV Halle GmbH zeigte die Entwicklung und schweißtechnische Verarbeitung von Edelstählen. Tendenzen in Richtung völlig neuer Einsatzgebiete dieser Stahlsorten sind abzusehen. Eindrucksvoll wurde dies an architektonischen Beispielen, wie z. B. den Petronas Towers in Kuala Lumpur mit 451,9 Meter das zweithöchste Gebäude der Welt, dessen Fassade komplett aus nicht rostendem Stahl besteht, dargelegt. Andere hochfeste Stahlsorten mit Zugfestigkeiten von über 1000 Mpa werden ebenfalls in bisher dafür unüblichen Bereichen eingesetzt. Peter Gerster von der Firma Gerster Engineering Consulting zeigte an hoch beanspruchten geschweißten Krankonstruktionen, das die hochfesten Feinkornbaustähle auch in mobilen Bereichen immer mehr Anwendung finden. Gerster sieht ebenfalls die Schweißtechnik gefordert, diese hochfesten Stähle wirtschaftlich und produktiv zu fügen.

Mit allen Neuentwicklung in der Schweißtechnik und der Einführung neuer Werkstoffe muss die Normung und Auslegung der Schweißkonstruktionen Schritt halten. Gerade beim Konzept des Leichtbaus ist die Qualitätssicherung von höchster Bedeutung. Moderne zerstörungsfreie Prüfverfahren sind daher unerlässlich. Möglichkeiten und Anwendung der Prüfung wurden von Stefan Langrock vorgestellt. Problematisch bleibt jedoch die Überführung der bisherigen nationalen Normung in ein geschlossenes europäisches Normenwerk. Trotz immer besserer Prüfmethoden können Schadensfälle bisher nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden. Die Schadensanalyse ist für Unternehmen im schlimmsten Fallen nicht nur für die zukünftige Vermeidung von Schäden unabdingbar, sondern häufig auch rechtlich von großer Bedeutung, meint Dr. Enrico Seliga vom IFS. Häufigste Ursachen für das Versagen eines Bauteils sind Produkt- oder Betriebsfehler.

Mit 100 Gästen war das 6. Chemnitzer Symposium Schweißtechnik/Fügetechnik sehr gut frequentiert. Die meisten Besucher waren Vertreter von Unternehmen der Wirtschaftsregion Chemnitz-Zwickau und gehörten damit zur Zielgruppe der Fachtagung. Über neue Ergebnisse und Entwicklung in der Schweißtechnik wurde informiert und angeregt diskutiert. Zahlreiche Betriebe sind Zulieferer der Automobilindustrie, die erst kürzlich mit dem Jubiläum 100 Jahre Automobilbau in der Region Chemnitz-Zwickau gewürdigt wurde. Das Symposium wurde feierlich vom Rektor der Technischen Universität Chemnitz Prof. Dr. Klaus-Jürgen Matthes eröffnet, der gleichzeitig durch die Veranstaltung führte. Als Begleitmaterial zur Veranstaltung wurde ein Tagungsband (ISSN-Nr. 1611-9355) veröffentlicht, der auch direkt über das IFS zu einem Preis von 20 Euro bezogen werden kann. Kontakt: schweisstech@mb.tu-chemnitz.de

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