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Kompetente Beratung bei chronischer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse

19.05.2004 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Informationstreffen der bundesweiten Selbsthilfegruppe in Heidelberg /Erkrankungshäufigkeit und Lebenserwartung nach Operation nehmen zu

In Deutschland leiden etwa 100.000 Menschen an chronischen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Bösartige Tumoren im frühen Stadium können durch eine vollständige oder teilweise Entfernung der Drüse in zunehmendem Maße erfolgreich behandelt werden. Auch die chronische Entzündung (Pankreatitis) wird bei einem Teil der Fälle durch Entfernung des Organs geheilt. Der medizinischen Fortschritt erfordert kompetente Beratung durch die Selbsthilfe: Viele Patienten und ihre Angehörigen brauchen guten Rat und Unterstützung, wenn sie erstmals mit der Diagnose einer schweren Pankreaserkrankung konfrontiert werden.

1976 wurde in Heidelberg der erste Selbsthilfeverein von Patienten gegründet, deren Bauchspeicheldrüse aufgrund ihrer Erkrankung entfernt werden musste. Heute hat der Verein über 1.000 Mitglieder und ist bundesweit mit 42 Kontaktstellen wertvolle Anlaufstelle für die zunehmende Zahl der Patienten, die an einer Pankreaserkrankung leiden. Vom 14. bis 16. Mai 2004 trafen sich rund 300 Mitglieder des "Arbeitskreis der Pankreatektomierten" (AdP), so der Name der bundesweiten Selbsthilfegruppe mit Sitz in Dormagen, zu ihrem 42. Informationstreffen in Heidelberg.

Mehrere 100 Operationen pro Jahr an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg

"Unsere Treffen finden stets in der Zusammenarbeit mit Kliniken statt, die eine ausgewiesene Erfahrung in der Behandlung von Pankreaserkrankungen haben", sagte Jürgen Kleeberg, Vorsitzender des AdP, bei einem Pressegespräch in Heidelberg. Die Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg unter Leitung von Professor Dr. Dr. h.c. Markus W. Büchler ist mit mehreren hundert Pankreas-Operationen pro Jahr und zahlreichen Forschungsprojekten eines der größten Zentren in Deutschland und Europa.

Die Zahl der Pankreaserkrankungen steigt. "Unsere Lebensgewohnheiten, zu fettes Essen und steigender Alkoholkonsum, sind meist Ursachen der chronischen Entzündung", erklärte Professor Dr. Helmut Friess, leitender Oberarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik. In etwa 20 Prozent der Fälle würden der Pankreatitis jedoch genetische Ursachen zugrunde liegen. Die Patienten, meist Männer, sind im Durchschnitt 40 Jahre alt. Im Vordergrund steht zunächst die Behandlung mit entzündungsdämpfenden Medikamenten. Operationen werden erforderlich, wenn die Entzündung den Gallenabfluss behindert oder andere Organe in Mitleidenschaft zieht.

Pankreaskrebs: Keine spezifischen Frühsymptome / Frühe Diagnose erhöht Chancen beträchtlich

Bei bösartigen Pankreastumoren muss, wenn möglich, frühzeitig operiert werden. Das Erkrankungsalter liegt im Durchschnitt bei 60 Jahren; Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen. "Leider gibt es kein spezifisches Symptom, das rechtzeitig auf die Erkrankung hinweist", sagte Professor Friess. Gürtelförmige Rückenschmerzen, das einzige Frühsymptom, würden meist anderen Ursachen zugeschrieben. Wenn der Patient später Gelbsucht bekommt, weil die Galle nicht abfließen kann, und massiv an Gewicht verliert, weil Verdauung und Stoffwechsel nicht mehr funktionieren, ist es oft zu spät für eine Operation.

"Operationen der Bauchspeicheldrüse sollten nur in Zentren mit Erfahrung vorgenommen werden", warnten Vertreter der Selbsthilfegruppe und die Heidelberger Ärzte. Da die Drüse vor allem zersetzende Verdauungsenzyme enthält, ist eine Entfernung des Gewebes mit hohen Risiken belastet. Noch vor zehn Jahren wurde deshalb oft von einer Operation generell abgeraten. Mittlerweile können zumindest bei frühzeitig entdeckten Tumoren, oft in Verbindung mit Strahlen- und Chemotherapie, Überlebensraten von mehreren Jahren erreicht werden.

Nach Pankreas-Entfernung: Fast normales Leben mit Insulin und Verdauungsmedikamenten

Patienten ohne oder mit nur wenig Pankreasgewebe müssen ihr Leben neu gestalten: Sie sind zuckerkrank, weil die insulinproduzierenden Zellen des Pankreas entfernt werden. Sie können keine Nahrung mehr verdauen, da ihnen die entsprechenden Enzyme fehlen.

"Durch Insulinspritzen und die Einnahme von Verdauungsenzyme kann ich wieder ein weitgehend normales Leben führen", berichtete Hartmut Kotyrba, stellvertretender Vorsitzender des AdP, Leimen, dessen Bauchspeicheldrüse vor 18 Jahre entfernt wurde. Seine Erfahrungen und die seiner Vereinskollegen kamen bei dem Heidelberger Treffen Menschen zugute, die mit ihrer Erkrankung leben.

Auf dem Programm des Heidelberger Informationstreffen standen zudem Vorträge von Experten zum aktuellen Stand der Therapie und Ernährungsempfehlungen. Praktische Umsetzung erfolgten in speziellen Kochkursen und Gesprächsgruppen, die sich auch mit psychosozialen und rechtlichen Fragen befassen.

Weitere Information im Internet unter:

www.adp-dormagen.de
www.pankreasinfo.com

Hotline des Europäischen Pankreaszentrums Heidelberg
0700 / 726 27 327 oder 0700 / PANCREAS

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
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