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40 Jahre Forschung mit Synchrotronstrahlung bei DESY

20.05.2004 - (idw) Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY in der Helmholtz-Gemeinschaft

Am Mittwoch, den 19. Mai, ab 13.30 Uhr feiert das Forschungszentrum DESY das Jubiläum eines ganz besonderen Lichts: Seit 40 Jahren forschen die Wissenschaftler hier mit der so genannten Synchrotronstrahlung - Licht, das an Beschleunigern erzeugt wird und ganz spezielle Eigenschaften hat.

"1964 starteten die ersten Messungen mit dem Lichtstrahl aus dem Ringbeschleuniger DESY. Das Labor war eine der Keimzellen, in denen die weltweite Erfolgsgeschichte der Forschung mit Synchrotronstrahlung begann", erläutert der Vorsitzende des DESY-Direktoriums, Prof. Albrecht Wagner. "Heute nutzen etwa 1900 Wissenschaftler aus 31 Ländern unsere Beschleunigeranlagen als leistungsstarke Lichtquellen. Damit sind wir auch im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt." Und auch für die nächsten 40 Jahre hat DESY beste Perspektiven. "Drei neue Lichtquellen sichern uns einen Spitzenplatz in der Forschung mit Photonen", betont Prof. Jochen R. Schneider, Forschungsdirektor bei DESY. "Das sind der in der Welt einmalige Freie-Elektronen-Laser VUV-FEL für Vakuum-Ultraviolette und weiche Röntgenstrahlung, der europäische Röntgenlaser XFEL für noch kurzwelligeres Licht sowie der PETRA-Beschleuniger, der zur weltweit brillantesten Speicherring-Röntgenstrahlungsquelle PETRA III ausgebaut wird".

Der Blick nach vorne steht daher auch auf dem Jubiläumsprogramm: In vier Vorträgen werden die Lichtquellen der Zukunft vorgestellt. Zudem wird am gleichen Tag ein Abkommen zwischen DESY und dem Europäischen Labor für Molekularbiologie (EMBL) unterzeichnet, das eine enge, interdisziplinäre Partnerschaft vorsieht. "Wir knüpfen an die nunmehr 30-jährige Tradition erfolgreicher Kooperation zwischen EMBL und DESY an, um die Weichen für künftige Spitzenforschung im Bereich der Lebenswissenschaften zu stellen", so DESY-Direktor Albrecht Wagner. "EMBL hat erkannt, dass die Zukunft der Biologie in der interdisziplinären Forschung liegt - wir wollen unseren Wissenschaftlern die Möglichkeit geben, mit Kollegen anderer Fachrichtungen zusammenzuarbeiten", erläutert Dr. Matthias Wilmanns, Leiter der EMBL-Außenstelle bei DESY in Hamburg. "Das Fachwissen im Bereich Physik bei DESY ist eine perfekte Ergänzung zu unseren Forschungsaktivitäten bei EMBL."

Dabei hat die Synchrotronstrahlung vor 40 Jahren bei DESY ganz klein angefangen: Anfang der 1960er Jahre galt das intensive Licht, das entsteht, wenn beschleunigte Elektronen eine Kurve fliegen, den DESY-Physikern als ungeliebter "Störeffekt". Aber der damalige Forschungsdirektor Prof. Peter Stähelin erkannte schon früh die Experimentiermöglichkeiten mit der Synchrotronstrahlung und beauftragte 1962 den jungen Nachwuchsphysiker Ruprecht Haensel damit, in seiner Doktorarbeit die Perspektiven der neuen Lichtquelle auszuloten. Stähelin feiert im Jubiläumsjahr 2004 seinen achtzigsten Geburtstag. Nach viel Pionierarbeit konnten 1964 die Messungen mit Synchrotronstrahlung am Beschleunigerring DESY beginnen. Und die Erfolgsstory ging weiter: 1974 ging der größere Speicherring DORIS in Betrieb, an dem neben den Teilchenphysikern auch die Nutzer der Synchrotronsstrahlung forschten - seit 1993 wird DORIS sogar ausschließlich als Strahlungsquelle genutzt. Als weiterer Meilenstein wurde 1980 das Hamburger Synchrotronstrahlungslabor HASYLAB gegründet, das über eine große Experimentierhalle mit heute knapp 40 Messplätzen am DORIS-Beschleuniger verfügt. Zudem stehen den HASYLAB-Nutzern drei Testmessplätze für harte Röntgenstrahlung am Ringbeschleuniger PETRA zur Verfügung, der ab 2007 zur Röntgenstrahlungsquelle PETRA III ausgebaut wird und dann Strahlung mit besonders hoher Brillanz liefert. Außerdem können die Wissenschaftler ab 2005 am Freie-Elektronen-Laser VUV-FEL experimentieren, der Strahlung im VUV- und weichen Röntgenbereich erzeugt. Zugleich dient dieser FEL als Pilotanlage für den europäischen Freie-Elektronen-Röntgenlaser XFEL, der noch kürzere Wellenlängen im Röntgenbereich erzeugen wird und ab 2012 in Betrieb gehen soll. Die hochintensiven, ultrakurzen Laserlichtblitze bieten völlig neue Forschungsperspektiven für die Naturwissenschaften und industrielle Nutzer. So lassen sich beispielsweise "Filme" mit atomarer Auflösung vom Verhalten eines Werkstoffs oder eines Viruspartikels in einer Körperzelle drehen.


Jubiläumsveranstaltung "40 Jahre Forschung mit Synchrotronstrahlung bei DESY"
Mittwoch, den 19. Mai
13.30 bis 18.00 Uhr
DESY-Hörsaal
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