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Rassenkunde und Rassenhygiene im "Mustergau", 1930-1945

25.05.2004 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Wissenschaftshistoriker der Universität Jena publiziert neue "Blätter zur Landeskunde"


Titelseite der landeskundlichen Broschüre zum Thema Rassenkunde in Thüringen. Jena (24.05.04) Der Begriff "Rassenkunde" ist im allgemeinen Bewusstsein vor allem mit dem Nationalsozialismus verknüpft. Doch die Grundlagen für den nationalsozialistischen Rassenwahn sind bereits viel früher gelegt worden, wie Dr. habil. Uwe Hoßfeld jetzt erneut belegt. Der Wissenschaftshistoriker von der Universität Jena hat für die Reihe "Thüringen - Blätter zur Landeskunde" der Landeszentrale für politische Bildung in Erfurt die achtseitige Broschüre "Rassenkunde und Rassenhygiene im ,Mustergau', 1930-1945" verfasst, die gerade erschienen ist.

Hoßfeld gibt hier einen Überblick über die Entwicklung der Vorstellungen von menschlichen "Rassen" und menschlicher "Vererbungslehre" für den Thüringer Raum. Diese Thematik hat sich hier besonders in den Jahren 1933 bis zum Ende des "Dritten Reiches" zugespitzt. Zu jener Zeit glaubten auch in Thüringen führende Nationalsozialisten und zahlreiche Wissenschaftler entscheiden zu dürfen, wer ein Recht auf Leben und wer ein Recht auf Kinder haben sollte.

Doch Rassenkunde und -hygiene hatten sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts auf der Grundlage von Charles Darwins Lehre von der Entstehung der Arten zu einer Wissenschaft etabliert. So wurden im Jahr 1900 etwa die Teilnehmer des hoch dotierten sozialdarwinistisch ausgerichteten "Kruppschen Preisausschreibens" gefragt: "Was lernen wir aus den Prinzipien der Descendenztheorie in Beziehung auf die innerpolitische Entwicklung und Gesetzgebung der Staaten?". Maßgebliche Begründer des Preisausschreibens waren die Jenaer Zoologen Ernst Haeckel und Heinrich Ernst Ziegler.

Teile der wissenschaftlichen NS-Elite fühlten sich später dem Anspruch verpflichtet, die "vagen" Vorstellungen von "Rasse" wissenschaftlich belegen zu müssen. Der Universitäts-Rektor Karl Astel (1939-1945) baute die Friedrich-Schiller-Universität dann mit Unterstützung der SS zu einem "rassen- und lebensgesetzlich" ausgerichteten NS-Forschungsverbund aus. Dabei suchte und fand er immer wieder die Unterstützung Heinrich Himmlers und sogar Adolf Hitlers.

Das neue Heft "Rassenkunde und Rassenhygiene im ,Mustergau', 1930-1945" sowie weitere Blätter zur Landeskunde sind kostenlos bei der Landeszentrale für politische Bildung, Regierungsstraße 73, 99084 Erfurt gegen Einsendung des Portos in Form einer 0,77 Euro-Briefmarke zu beziehen.
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