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Hoffnung und Skepsis - Mittelständische Unternehmen zu den neuen Bachelor- und Masterprogrammen

29.05.2004 - (idw) Business and Information Technology School

Hoffnung und Skepsis gleichermaßen - das charakterisiert die aktuelle Erwartungslage der Unternehmen und ihrer Verbände in Hinblick auf die beginnende Umstellung des Studiensystems mit Bachelor- und Masterabschlüssen.
Als besonders positiv werden dabei vor allem die Vereinheitlichung des europäischen Hochschulraums, die damit zusammenhängende Internationalisierung des Studiums und die insgesamt kürzere Studiendauer gesehen. Skeptisch hingegen ist man, ob mit dieser Umstellung auch eine verstärkte Kooperation zwischen Hochschulen und Unternehmen möglich wird. Und: Der Informationsstand, den die Unternehmen über die neuen Studiengänge besitzen, ist nach wie vor niedrig.
Das sind die zentralen Befunde einer Umfrage der Business and Information Technology School (BiTS) in Iserlohn. Unter der Leitung des Medienmanagement-Professors Dr. Hans-Jürgen Friske wurden die regionalen Gliederungen der Unternehmens- und Arbeitgeberverbände, des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sowie der Industrie- und Handelskammern befragt. Denn diese regionalen Verbände entscheiden mit ihren inhaltlichen Positionen und auch mit ihrer Informationspolitik in einem großen Maße darüber mit, ob überhaupt und wie schnell die neuen Bachelor- und Masterprogramme vor Ort bei den Personalverantwortlichen in den zumeist mittelständischen Betrieben akzeptiert werden. Hinzu kommt, dass diese Verbände sehr zuverlässig darüber Auskunft geben können, wie sich die Lage in den Unternehmen selbst darstellt - wie hoch also beispielsweise Informationsstand und Akzeptanz ausgeprägt sind.
Zu den Einzelergebnissen: Die Vereinheitlichung des europäischen Hochschulraums wird von einer überwiegenden Mehrheit (über 60 Prozent) vorbehaltlos, von immerhin noch rund 28 Prozent mit Vorbehalten begrüßt. Nur eine Minderheit von knapp 10 Prozent ist im Großen und Ganzen skeptisch oder lehnt die Entwicklung komplett ab.
Dementsprechend wird die damit verbundene Internationalisierung sehr positiv gesehen. Die Verbände gehen einhellig davon aus, dass die Vergleichbarkeit der Studiengänge und die internationalen Kooperationen der Hochschulen für die unternehmerische Praxis von großer Relevanz sind. Umgekehrt ausgedrückt: Dass die Internationalisierung in der Praxis unerheblich sei, meint keiner der befragten Verbände. Angesichts der EU-Osterweiterung wird zudem eine verstärkte Zusammenarbeit auch in den osteuropäischen Raum hinein als sehr sinnvoll erachtet.
Ebenso große Erwartungen werden mit der durchgehenden Verkürzung der Studiendauer verbunden. Die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Absolventen mit ihren ausländischen Kommilitonen, die Möglichkeit, den Nachwuchs so früh wie möglich in das Unternehmen integrieren (und dort weiter ausbilden) zu können, die höhere Leistungs- und Lernbereitschaft jüngerer Absolventen im Vergleich zu älteren - all das sind nach mehrheitlicher Auffassung eindeutige Pluspunkte, die mit der Umorganisation des Studiensystems verbunden sind. Und auch die Tatsache, dass an den Hochschulen mehr Schlüsselkompetenzen in Form von "soft skills" vermittelt werden, trifft in der Praxis auf großen Bedarf und damit auf große Zustimmung. Wobei in der Wertigkeit die Kategorien Teamfähigkeit, Verhandlungsführung und Fremdsprachenkenntnisse vor branchenspezifischen Erfahrungen aus Betriebspraktika und Auslandserfahrung rangieren.
Bislang gibt es nur vereinzelte Erfahrungen mit den ersten Bachelorabsolventen; knapp 80 Prozent der befragten Verbände liegen noch keine entsprechenden Werte vor. Daraus erklärt sich eine gewisse Skepsis, was die Qualität der neuen und kürzeren Studienprogramme betrifft. Explizit abgelehnt wird der sechssemestrige Bachelor von der Bauindustrie; aber auch die Perspektive, dass es besonders den Abschluss des Diplom-Ingenieurs bald nicht mehr geben wird, bereitet sichtlich Unbehagen.
Die größten Bedenken gelten allerdings der Frage, ob es in Zukunft - ganz generell - zu einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen kommen wird. Der Bedarf jedenfalls ist auf Unternehmerseite eindeutig vorhanden. Ob er befriedigt werden kann, wird angesichts fehlender Flexibilität bzw. mangelnder "Wirtschaftsfreundlichkeit" so mancher Hochschule bezweifelt. Unter quantitativem Aspekt in der Minderheit befinden sich daher auch die Verbände, die positive Erfahrungen beispielsweise mit Berufsakademien oder Fachhochschulen gemacht haben.
Gekennzeichnet ist die aktuelle Lage von einem weiteren großen Defizit: Keiner der befragten Verbände attestiert den angeschlossenen Unternehmen einen hohen Informationsstand über die strukturellen Veränderungen des europäischen Hochschulsystems. Und hier scheint die Bringschuld eindeutig bei den Unternehmen zu liegen, denn nur weniger als ein Zehntel der Verbände gibt an, in dieser Frage noch nicht an die Betriebe herangetreten zu sein. Das Informationsangebot ist also vorhanden; die Resonanz darauf wird aber vermutlich erst mit zunehmendem Bekanntheitsgrad der neuen Studienprogramme anwachsen.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Hans-Jürgen Friske
Business and Information Technology School (BiTS)
Studiengang Medienmanagement
Reiterweg 26b
D-58636 Iserlohn
Tel.: +49(0)2371/776-522
Fax: +49(0)2371/776-503
www.bits-iserlohn.de
hansjuergen.friske@bits-iserlohn.de
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