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Nachhaltiger Umgang mit Wasser in Siedlungsräumen wird Realität: Spatenstich in Knittlingen

03.06.2004 - (idw) Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Am 8. Juni 2004 ist Startschuss für den Baubeginn des Neubaugebiets Am Römerhof in Knittlingen. Für etwa 100 neue Wohngrundstücke wird eine in Deutschland bisher einzigartige Form der kommunalen Wasserwirtschaft realisiert. Hierbei werden fortschrittliche Technologien eingesetzt, die einen nachhaltigen und kostengünstigen Betrieb der gesamten Wasserinfrastruktur gewährleisten.


In Gegenden mit ausreichend Niederschlägen lohnt es sich besonders, Regenwasser zu nutzen, anstatt es in eine Kläranlage einzuleiten.
Anfahrtsskizze zum Spatenstich in die Kalkofenstraße nach Knittlingen. DEUS 21 steht für Dezentrale Urbane Infrastruktur-Systeme und ist ein Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF mit 2 Millionen Euro über die Laufzeit von drei Jahren gefördert wird. Mit der Stadt Knittlingen nördlich von Pforzheim hat sich eine Gemeinde gefunden, gemeinsam mit zwei Forschungsinstituten und sechs Industriepartnern, neue Wege in der Wasserver- und Abwasserentsorgung zu gehen.

Das Konzept unter Federführung des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB sieht vor, das Regenwasser aller Grundstücke zu sammeln. In einer zentralen, modernen Membrananlage zu Trinkwasserqualität aufbereitet, steht es den Haushalten dann als hygienisch einwandfreies Brauchwasser zur Verfügung. Dieses Wasser eignet sich zur Körperpflege, um Geschirr und Wäsche zu waschen, Toiletten zu spülen oder den Garten zu bewässern. Salzfrei wie es ist, kann bei der Heißwasserzubereitung auf Entkalkungsmittel und in der Waschmaschine auf Weichspüler verzichtet werden. Im Neubaugebiet wird den Haushalten hierzu ein eigenes Brauchwassernetz, das parallel zum Trinkwassernetz verlegt wird, installiert.

Das häusliche Abwasser wird - wenn gewünscht gemeinsam mit organischen Küchenabfällen - über ein Vakuumkanalsystem abgesaugt, wie es bei Flugzeugen, Schiffen und Bahn aber auch in der kommunalen Abwasserentsorgung in skandinavischen Ländern weit verbreitet ist. Das zentral gesammelte Abwasser wird in einem biologischen Abwasserreinigungsreaktor mit integrierter Membrantechnik aufbereitet, wobei die organischen Bestandteile zu Biogas vergoren und Phosphor- und Stickstoff-Salze zu Dünger umgesetzt werden. Das Verfahren arbeitet anaerob, unter Luftabschluss - von der daher gekapselten Anlage können keine Geruchsbelästigungen ausgehen. Das gewonnene Biogas versorgt die Anlage mit Strom und Wärme, Überschussstrom wird in das Versorgungsnetz eingespeist. Die Abwasserreinigungsanlage ist verfahrenstechnisch so ausgelegt, dass praktisch kein Klärschlamm entsteht. Nach der Reinigung kann das Abwasser einfach versickert werden.

Im halbtechnischen Maßstab wurde das Verfahren an einer Technikumsanlage des Fraunhofer IGB erprobt und optimiert. Eine Pilotanlage zur Abwasserreinigung läuft seit einem Jahr störungsfrei auf der Kläranlage in Tauberbischofsheim im Bypass.

Zum Spatenstich am Dienstag, den 8. Juni 2004 um 11.00 Uhr in Knittlingen, Kalkofenstraße, werden neben allen Projektpartnern auch Vertreter des BMBF, des Projektträgers Wassertechnologie Karlsruhe und des Ministeriums für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg erwartet. Nach Ansprachen des Bürgermeisters, der politischen Prominenz und der Projektleiter wird eine letzte Ackerfurche gezogen. Mit Aktionen und Präsentationen werden Gäste und Pressevertreter über DEUS 21 informiert, für das leibliche Wohl ist selbstverständlich gesorgt.

Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:

Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB
Nobelstraße 12, 70569 Stuttgart
Prof. Dr. Walter Trösch
Telefon: 07 11/9 70-42 20, Fax: 07 11/9 70-42 00,
E-Mail: troesch@igb.fraunhofer.de

Stadt Knittlingen
Bürgermeister Heinz-Peter Hopp
Tel.: 0 62 21/0 45 72-0, Fax: 0 62 21/45 72-21

Bitte melden Sie sich bei Interesse an:
Fraunhofer IGB, Frau Grit Bellmann, Telefon: 07 11/ 9 70-42 21,
Fax: 07 11/9 70-42 00, E-Mail: bellmann@igb.fraunhofer.de
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