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Das Runde muss ins Eckige - FernUniversität: Fußball als Wirtschaftsfaktor

03.06.2004 - (idw) FernUniversität in Hagen

Dass das Runde ins Eckige muss, um im Fußball Erfolg zu haben, hat Trainer Helmut Schulte ganz richtig erkannt. Auch die Ergebnisse der Europameisterschaft werden schlicht und einfach davon abhängen. Doch ob Bundesliga, Uefa-Cup oder EM: Damit das Runde ins Eckige fliegt, müssen einige Bedingungen erfüllt sein, sogar welche, die mit Sport zunächst wenig zu tun haben. Dieser Meinung ist Univ.-Prof. Dr. Jörn Littkemann, der an der FernUniversität den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Unternehmensrechnung und Controlling, innehat. Littkemanns Forschungsschwerpunkte sind hauptsächlich Bilanzanalyse und Bilanzpolitik, Internationale Rechnungslegung, Beteiligungs- sowie Innovationscontrolling. Doch daneben forscht er auch über "Tüdelkram", wie er das nennt - über Sport. So tüdelig kann dieser Kram nicht sein, wenn ehemalige Bundesligavereine Konkurs anmelden müssen, andere an die Börse gehen. Wenn bei jedem Spielerkauf eine Menge Geld fließt. Wenn der Erfolg von Nationalmannschaften davon abhängt, wie viele Spieler in der nationalen Liga aus dem Ausland eingekauft sind. Fußball ist ein Wirtschaftsfaktor, ist Littkemann überzeugt. Und deshalb muss auch seine wirtschaftliche Seite professionell betrieben werden. Zwar schränkt er sofort ein: "Entscheidend ist wirtschaftlicher Erfolg für die Tore nicht. Das wird auch immer so bleiben". Aber die solide geführten Bücher sind eine Nebenbedingung fürs Tore schießen auf lange Sicht.

In der Bundesliga ist dafür seit vielen Jahren Bayern München ein gutes Beispiel. "Alle anderen sind mal oben, mal unten", meint Littkemann. Das liege auch an der Organisation ihrer Ökonomie. Untersucht hat der Wirtschaftswissenschaftler beispielsweise die Jahresabschlüsse der Bundesligavereine, insbesondere wie Clubs einzelne Spieler bilanzieren. "Bisher haben sich die Bundesligavereine nicht so sehr um ökonomische Planung gekümmert", hat er herausgefunden. Das müssten sie aber, um für den wirtschaftlichen Erfolg zu sorgen. Und damit auch langfristig sportlich erfolgreich zu sein. Und eine gute Nationalmannschaft stellen zu können. Littkemann entwickelt Instrumente, wie Vereine Spielereinkäufe wirtschaftlich vorausschauend planen können; er untersucht außerdem aktuell die Frage, wie eine schwerwiegende Verletzung eines - vielleicht gerade teuer eingekauften - Spielers in der Bilanz seines Vereins bewertet werden muss. Müssen die Kosten vollständig abgeschrieben werden? Oder vielleicht nur teilweise? Eindeutig geregelt ist diese Frage bisher nicht. Im nächsten Semester bietet Littkemann dazu ein Seminar an der FernUniversität an.

Der Wirtschaftswissenschaftler ist selbst lizenzierter Fußballtrainer, zehn Jahre hat er im Amateurbereich gearbeitet. Er weiß also, wovon er spricht, wenn er die emotionale Welt des Fußballs in nüchternen ökonomischen Termini erklärt. Zwar ist für die Tore vor allem der sportliche Bereich verantwortlich, erläutert er. Und das bedeutet: Gute Jugendarbeit machen. Denn davon profitiert letztlich auch die Nationalmannschaft. Dafür sorgen, dass die Chemie in den Mannschaften stimmt. Die Spieler kaufen, die zur Mannschaft passen und zur Philosophie des jeweiligen Clubs: "Für St. Pauli sind das ganz andere als für Bayern München". Also doch nichts mit nüchterner Ökonomie? Doch, denn auch die Spieler, die zur Mannschaft passen, kann man sich nur leisten, wenn die Bilanzen stimmen. Und immer wieder gewinnen kann man nur, wenn die gleichzeitige verletzungsbedingte Auszeit dreier wichtiger - und teurer - Spieler nicht dazu führen kann, dass ein Verein Konkurs anmelden muss. Littkemann bilanziert: Die wirtschaftliche Planung im Fußball muss sich zwar nach Branchenspezifika richten. Ausrichtung allein auf Gewinnmaximierung bringt wenig. Aber professionell muss sie trotzdem sein.

Denn da spielen auch noch externe Faktoren eine Rolle. Der Stellenwert des Fußballs in der Gesellschaft beeinflusst die wirtschaftliche Entwicklung der Clubs, damit die Entwicklung der Bundesliga und so auch den Erfolg der Nationalmannschaft. Spannender, interessanter Fußball ist auch hier die wichtigste Bedingung: "Das Interesse an der Bundesliga ist immer gestiegen. Aber im Moment befürchte ich, dass es irgendwann nachlassen könnte. Die Kinder laufen mit Trikots von Beckham und Ronaldo herum, die Bundesligaspieler sind nicht mehr so starke Identifikationsfiguren." Da treffen sich bei Littkemann der Trainer und der Wirtschaftswissenschaftler: Spannender Fußball ist (fast) alles.

Weitere Informationen:

FernUniversität in Hagen
Fachbereich Wirtschaftswissenschaft
Prof. Dr. Jörn Littkemann
Telefon 02331-987-4753
E-Mail lehrstuhl.littkemann@fernuni-hagen.de
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