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Kolloquium und Ausstellung zur Briefkultur an der TU Dresden

04.06.2004 - (idw) Technische Universität Dresden

Das Ende des Briefes?

"Die rasante Entwicklung des Internets und der E-Mail bedeutet das Ende der Briefkultur", ist Prof. Detlev Schöttker vom Institut für Germanistik an der TU Dresden überzeugt. Das Kolloquium "Adressat: Nachwelt. Brief und Autorschaft in der deutschen Literatur" will die Bevölkerung für diese Problematik sensibilisieren und die Bedeutung der Briefkultur bewusst machen. Das Kolloquium findet vom 10. bis 13. Juni im Talleyrand-Saal der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) unter der Leitung Schöttkers statt. Auf der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Tagung werden internationale Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaftler in 20 öffentlichen Vorträgen die Briefkultur erörtern.
Zeitgleich zum Kolloquium beginnt am 11. Juni 2004 eine Ausstellung zu August Wilhelm Schlegel im Buchmuseum der SLUB, in der große Teile des lange Zeit verschollen geglaubten Briefnachlasses des Autors zu sehen sind.
Zur feierlichen Eröffnung der Tagung und der Ausstellung sprechen der Sächsische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Dr. Matthias Rößler, der Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Prof. Martin Roth, der Prorektor für Wissenschaft der TUD Prof. Winfried Killisch sowie die Dekanin der Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften Prof. Ursula Schaefer.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts begleitete der Brief die Literatur. Schriftsteller korrespondierten regelmäßig miteinander, tauschten Ideen aus und vertrauten den Briefen ihre tiefsten Gefühle und Gedanken an. Von den Briefvermächtnissen der Autoren profitierte stets auch die Nachwelt.
Mitte der 1990er Jahre trat die E-Mail ihren Siegeszug in der Welt an und hat sich seitdem als Mittel zur schnellen, direkten und unkomplizierten Kommunikation bewährt. Dass darunter die Kultur des Briefeschreibens leiden könnte, beschäftigt nun Literaturwissenschaftler weltweit.
"Die Nachwelt wird über das 21. Jahrhundert wenig wissen, da sie nicht auf Briefe zurück greifen kann", erklärt Prof. Detlev Schöttker. E-Mails würden nur selten archiviert. Hinzu käme, dass die auf Internetseiten und in E-Mails verwendete Sprache zwar zusehends schneller und dialogischer, aber auch fehlerhafter und unüberlegter werde. Zudem litt der Briefersatz E-Mail unter einem Qualitätsverlust, da Zugaben wie Gerüche, getrocknete Blätter oder abgeschnittene Haarlocken nicht möglich seien.
In seinem Vortrag "Medium ohne Zukunft? Der Brief im Zeitalter des Internet" geht Schöttker auf diese Problematik ein.

Neben dem Verfall der Briefkultur greift die Tagung die Frage auf, was der Brief als persönliches Zeugnis für die Erkenntnisse der Nachwelt über Autoren und deren Werk leiste und welches Bild die späteren Generationen von den Gedanken ihrer Vorfahren zeichneten.

Prof. Walter Schmitz vom Institut für Germanistik an der TU Dresden referiert zum Thema "Seinem Denkmal...", Monument und Genre in der Briefedition des 19. Jahrhunderts.
Mit dem Briefnachlass des deutschen Schriftstellers Wolfgang Borchardt befasst sich der Vortrag "Signorile Botschaft. Rudolf Borchardts Briefe aus Italien" von Prof. Klaus Schuhmacher, Professor für Neueste deutsche Literatur an der TU Dresden.
Die aus den USA anreisende Wissenschaftlerin Barbara Becker-Cantarino spricht zu "Korrespondenz und Autorschaft bei Sophie von La Roche und Autorinnen des 18. Jahrhunderts".

Die Ausstellung im Buchmuseum der SLUB zeigt den bisher unbekannten Briefnachlass des Schriftstellers August Wilhelm Schlegels aus Korrespondenzen mit Freunden sowie einigen romantischen Liebesbriefen. Die Briefe Schlegels galten lange Zeit als unauffindbar, bis sie 1929 auf Schloss Coppet am Genfer See wieder entdeckt wurden. Der Freistaat Sachsen ersteigerte zwei Schatzkisten voller Briefe im Jahr 1998 bei dem Auktionshaus Christie's in London. Der Generaldirektor der SLUB Dr. Thomas Bürger stellt den nun erstmals der Öffentlichkeit gezeigten Nachlass in einer Einführung vor.

Informationen für Journalisten:

Kolloquium: Prof. Detlev Schöttker, Tel. 0351 463-35976
E-Mail: d.schoettker@t-online.de
Ausstellung: Doris Ander-Donath, SLUB, Tel. 0351 4677114
E-Mail: ando@slub-dresden.de

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