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Mit Projekt- und Prozessmanagement zur Digitalen Fabrik

27.06.2002 - (idw) Technische Universität Clausthal

Zum 5. Clausthaler Kolloquium "Digitale Fabrik" lud Professor Dr.-Ing. Uwe Bracht vom Institut für Maschinelle Anlagentechnik und Betriebsfestigkeit am 6. Juni in den Oberharz ein. Er konnte wieder über 100 Teilnehmer aus Industrie, Dienstleistung, Forschung und Lehre zu diesem inzwischen etablierten Fachkolloquium begrüßen. Modernes Prozess- und Projektmanagement mit Methoden der Digitalen Fabrik und Virtual Reality (VR) war der rote Faden der Tagung und stellte sich für die beteiligten Automobilunternehmen als aktueller Königsweg zum Erfolg dar.
Die Tagung zeigte Stand der Technik auf.

So berichtete Dipl.-Ing. Dieter Geckler, welcher extern bei Professor Bracht mit dieser Thematik promoviert, über "Änderungsschleifen in Fahrzeugprojekten"; eine Untersuchung, die Herr Geckler als Mitarbeiter der Volkswagen AG in Wolfsburg durchführt. Herr Geckler entwickelte ein Simulationsprogramm, welches die Kosten von Änderungsschleifen in umfassender Weise analysiert und dokumentiert. Es stellte sich heraus, dass der Zusammenhang zwischen Änderungsrate und wahrscheinlicher Projektdauer exponentiell ist; mit kurzen Radien der Änderungsschleifen kann aber diese für den Projektverlauf desaströse Auswirkung nahezu vollständig kompensiert werden. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurde die Projektstabilität als neue Größe definiert. Projekte können sodann in spezifischer Weise bearbeitet werden.

Dr.-Ing. H. Oeltjenbruns berichtete als Baureihenleiter der DaimlerChrysler AG über seine Erfahrungen mit "Quality Gates" als zentralem Element der Projektsteuerung. Der Entstehungsprozess des Produktes wird strukturiert durch genaue Anforderungen an die Qualität des Produktes für definierte Entwicklungsschritte. Des weiteren erläuterte Dr.-Ing. Oeltjenbruns die Überwachung des "Reifegrades" eines Projektes anhand der drei Kenngrößen Leistung, Wirtschaftlichkeit und Zeit.

Dipl.-Ing. T. Harms vom Institut für Fabrikanlagen und Logistik der Universität Hannover zeigte an einem konkreten Beispiel die Einsatzmöglichkeiten der Methoden zur digitalen Fabrikplanung für kleinere und mittlere Unternehmen. Alle an der Planung Beteiligten können mit den VR-Werkzeugen unterstützt werden, und zwar so, das ihren jeweiligen Bedürfnissen Rechnung getragen wird. So möchte der Architekt mit den VR-Möglichkeiten der Visualisierung insbesondere die optische Wirkung des Gebäudes und verschiedene Blickwinkel in den Innenräumen besser einschätzen können. Die Unternehmensleitung interessiert sich für einen optimalen Materialfluss, und der einzelne Mitarbeiter schließlich möchte wissen, wie sein neuer Arbeitsplatz aussehen wird. Dafür wurden unterschiedliche Sichten auf das Objekt mit VR-Methoden entworfen.

Dipl.-Wirtschaftsingenieur Jörg Bergbauer von der Dürr Schenck Engineering GmbH aus Darmstadt skizzierte sein Konzept einer "interaktiven Simulation von Produktionssystemen in einer virtuellen Umgebung" und stellte Anwendungen vor. Ein klassisches 2D-Simulationsmodell dient als Ausgangsbasis und wird in zwei Schritten mit einer 3D-Visualisierung verknüpft. Der planende Ingenieur, aber auch der weniger theoretisch geschulte Werksmitarbeiter in einer virtuellen Umgebung "taucht" in diese Simulation ein und kann sie intuitiv verändern. "Eine Vielzahl von Fehlerquellen konnte ausgeschlossen und eine Verbesserung und Beschleunigung der Planung erreicht werden", zog Jörg Bergbauer als Fazit.

Dr. Ing. Volker Horn von der Siemens AG in Nürnberg schilderte aus der Sicht eines Anlagenlieferanten die heutigen Möglichkeiten des digitalen Planungsprozesses. Er konnte hochinteressante digitale Komplettplanungen insbesondere für neue Montagelinien in der Automobilindustrie vorstellen und die erreichten Zeit- und Kostenersparnisse anschaulich belegen.

Dipl.-Ing. Ulrich Rossgoderer von der Firma Tecnomatix in München stellte die Strategie des Manufacturing Process Management vor. Es schließt die Prozesskette zwischen Produktentwicklung und Produktion mittels integrierter Softwareprodukte, die eine umfassende Produktionsplanung ermöglichen. Dipl.-Ing. Rossgoderer zeigte auf, wie durch Werkzeuge, die ein kooperatives Arbeiten fördern, in besonderem Maße auf die Anforderungen international operierender Unternehmen und globaler Zulieferketten eingegangen werden kann.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Vorführung von aktuellen VR-Projekten auf der Großbildprojektionsanlage und dem Build-it-Planungstisch im Bereich Anlagenprojektierung und Materialflusslogistik des Instituts für Maschinelle Anlagentechnik und Betriebsfestigkeit der TU Clausthal.

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