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Hilfe vor Ort muss sein

11.06.2004 - (idw) Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg

Am Freitag, 18. Juni, findet im Fachbereich Sozialwesen der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg die Fachtagung "Ambulante, aufsuchende soziale Dienste" statt. Bereits die vielen Anmeldungen dokumentieren, dass Fachkräfte der Sozialen Arbeit aus ganz Bayern in der Noris erwartet werden.

Mit der Tagung verfolgen die Veranstalter GEW Bayern (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) und OBIS (Organisationsberatung in Sozialorganisationen) ein ehrgeiziges Ziel. Unter dem Begriff "Ambulante, aufsuchende soziale Dienste" werden diejenigen Dienste zusammengefasst, die Menschen zu Hause oder in ihrem jeweiligem indi-viduellen sozialen Gefüge aufsuchen (Geh-Struktur). Der Sinn dieses Vorgehens liegt ohne Zweifel in deren Passgenauigkeit und dem wirksamen Aufbau einer nachhaltigen helfenden Beziehung (Fallmanagement) zwischen den beteiligten Partnern und Akteuren. Die Altersspanne der Rat- und Hilfesuchenden reicht dabei vom Kleinstkind in der mobilen Frühförderung, über Kinder in der ambulanten Jugendhilfe (etwa Erziehungs-beistandschaft, sozialpädagogische Familienhilfe) bis hin zum betreuten Jugendlichen und Erwachsenen.

Fehlen der Selbstheilungskräfte
Ausgangspunkt und zugleich charakteristisch für diese Arbeitsweise ist die meist mangelnde Selbstständigkeit und ein unzureichendes Empowerment bei den Menschen. Das Fehlen erforderlicher Ressourcen und Selbstheilungskräfte also, was letztlich nichts anderes als "sich selbst helfen zu können" bedeutet. In dieser spezifischen Herangehensweise liegt die große Chance, angemessen Rat und Hilfe zu organisieren, die sich an den Erfordernissen des einzelnen sozialen Problems orientieren; dies individuell rechtzeitig und ausreichend und zugleich angepasst an die Bedürfnisse, Interessen und Wünsche des Adressaten.

Seit einigen Jahren ist diese Arbeit jedoch zunehmend einem wachsenden Kosten- und Leistungsdruck ausgesetzt (so etwa bedingt durch schlechte Betreuungsschlüssel oder drastisch verkürzte Betreuungszeiträume). Die Qualität der Sozialen Arbeit (Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität) ist bei immer schlechter werdenden Voraussetzungen und Rahmenbedingungen akut gefährdet und droht spätestens mittelfristig ein Mehr an finanziellen Ressourcen zu erfordern! Die möglichen Vorteile funktionierender ambu-lanter sozialer Systeme können aber nur nachhaltig wirksam werden, wenn den Fach-kräften ausreichende Ressourcen (z. B. Zeit) für den Aufbau von Vertrauen und Sys-temvertrauen (z. B. durch Beziehungsarbeit) zur Verfügung stehen.

Bei jedem öffentlichen Träger gelten auf Grundlage seiner Leistungsfähigkeit und des Selbstverwaltungsrechtes etwa mehr oder weniger andere Kostenersatzregeln. Zudem zahlen die Justizkassen teilweise nur noch sehr geringe Pauschalen, obwohl betreuende Fachkräfte nicht selten fast ein ganzes Jahr lang aus Eigenmitteln die Arbeitskraft vorfinanzieren. Die Konsequenz einer solchen Entwicklung ist ein schleichender, von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommener Leistungsabbau. Kurzfristig scheint für die Politik ein Spareffekt erreichbar; langfristig wird es - unbeschadet der großen Not der Betroffenen - problembeladener, komplexer und teurer, weil etwa mehr Unterbringungen außerhalb der eigenen Familie (z. B. kostenintensive Heimunterbringungen) dro-hen. Wenn an der Entwicklung unseres sozialen Kapitals, wenn auf Kosten unseres gesellschaftlichen Nachwuchses, wenn an unseren Kindern gespart und Haushaltskonsolidierung betrieben werden soll, müssen später wesentlich mehr Ressourcen aufgewendet werden.

Referate und Workshops
Am 18. Juni werden an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Referaten die "Notwendigkeit, Funktion und Bedeutung der Sozialen Arbeit in der Sozialwirtschaft" beleuchtet und die "Chancen und Risiken der Privatisierung sozialer Dienstleistungen" abgewogen. Vier Arbeitsgruppen untersuchen die "Qualität aufsuchender sozialer Dienste", eruieren "Kooperationsformen, Netzwerke und strategische Allianzen", hinterfragen "Formen der Kostenermittlung und -erstattung" und betrachten das "Anforderungsprofil des Frei-Beruflers in der Sozialen Arbeit". Die Fachtagung will dazu beitragen, kritisches Hinterfragen spezifischer gesellschaftlicher Entwicklungen zu ermöglichen, den fachlichen Austausch zu fördern und den Finger in bedrohliche Wunden legen, um einer derartigen Entwicklung Einhalt zu gebieten.


Hinweis für Medienvertreter:
Wir würden uns freuen, am 18. Juni Sie oder ein Mitglied Ihrer Redaktion begrüßen zu dürfen. Infos zu Beginn und Räumlichkeiten gibt es bei der Pressestelle der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg unter Telefon 09 11 / 58 80 41 01 (Marc Briele) oder via Mail an presse@fh-nuernberg.de. Natürlich beantworten wir unter diesen Kontaktadressen auch Ihre Rückfragen gerne!
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