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Fachtagung "Unternehmen Psychiatrie": Gute Psychiatrie zu bezahlbaren Preisen

16.06.2004 - (idw) LBK Hamburg (Landesbetrieb Krankenhäuser)

Über Wege und Möglichkeiten, in Zeiten knapper Ressourcen eine qualitativ hochwertige und am Patienten orientierte Psychiatrie anzubieten, diskutierten ca. 150 Führungskräfte aus Medizin, Ökonomie und Pflege , Wissenschaftler und Politiker. Eingeladen hatten dazu münster & partner, Krankenhausberatung und der LBK Hamburg.

In seiner Eröffnung wies Wolfgang Münster, Unternehmensberater und Geschäftsführer von münster & partner daraufhin, dass gute Psychiatrie zu bezahlbaren Preisen eine Forderung sei, die vermutlich von jedem unterstützt würde.
Neben verlässlichen politischen Rahmenvorgaben sei es jedoch zwingend erforderlich, dass die Anbieterseite (Psychiatrische Krankenhäuser u.a.) den gesellschaftlichen Umbruch, der auch im Medizinsektor stattfindet, als Chance erkenne. Das sei in erster Linie ein mentales Thema der Verantwortlichen in den Kliniken und ihrer Träger. Dabei ginge es um
· unternehmerisches Denken und Handeln
· erkennen und nutzen von Markt- und Wettbewerbsmöglichkeiten
· mobilisieren aller Wirtschaftlichkeitsreserven
· freisetzen und nutzen vorhandener Potenziale an Wissen, Energie und Gestaltungswillen in den Kliniken
· den strukturellen Umbau der Kliniken
· die Leistungsprozesse, die sich zukünftig noch stärker am Patienten orientieren müssen.
Ziel sei, höhere Qualität in kürzerer Zeit zu geringeren Kosten zu erreichen.

Eine Antwort auf die Herausforderungen, mit wenig Mitteln viel zu erreichen, ist die Standardisierung von Behandlungspfaden. Auf Grundlage wissenschaftlich überprüfter Behandlungsmethoden, wird der "beste Weg" bei der Behandlung einer bestimmten psychiatrischen Erkrankung verbindliche Leitschnur für alle Mediziner einer Klinik. So werden weniger erfolgreiche Therapieversuche vermieden zu Gunsten der Qualität der Behandlung und unter Einsparung von Kosten. In einer spannenden Podiumsdiskussion wurden unterschiedliche Modelle der Vergütung psychiatrischer Dienstleistungen gegeneinander abgewogen.

Ein Blick über die Grenzen des eigenen Faches brachte den Teilnehmern neue Impulse. Die Frage: "Was kann die Psychiatrie vom Management eines Flughafens lernen?" klingt ungewöhnlich, doch bei näherem Hinsehen fanden sich viele Berührungspunkte vom Aspekt der Sicherheit bis hin zum Verlust der Monopolstellung.
Die Diagnose ist bekannt, doch wie sieht die Therapie aus? Dass psychiatrische Unternehmen in Zukunft mit der traditionellen Aufbauorganisation nicht bestehen können, ist bekannt. Am Beispiel der Uniklinik Tübingen wurde eine berufsgruppen- und spartenübergreifende Aufbauorganisation präsentiert.
Kooperationen zwischen den verschiedenen Anbietern psychiatrischer Leistungen waren das Thema des letzten Vortrags. Danach wurde intensiv in 8 Vertiefungsrunden zu unterschiedlichen Aspekten des Themas von den Erfahrungen der österreichischen Psychiatrie bis zur Methode der Zukunftswerkstatt gearbeitet.

PSYNOVA - Neue Konzepte für die Psychiatrie im LBK Hamburg

Die Psychiatrie steht vor großen Herausforderungen: Psychische Erkrankungen gehören zu den am meisten belastenden Erkrankungen. Es gibt Hinweise darauf, dass diese Erkrankungen zunehmen, gleichzeitig werden auch in diesem Bereich die finanziellen Ressourcen knapper. PSYNOVA 2005 - ein gemeinsames Innovationsprojekt der Psychiatrien im LBK Hamburg - ist eine Antwort auf diese Herausforderung. Die psychiatrischen Abteilungen des LBK Hamburg, im Klinikum Nord/ Betriebsteil Ochsenzoll, im AK Eilbek und im AK Harburg, werden ihre jeweilige interne Struktur modernisieren und in enger Zusammenarbeit mit "Kunden" und Kooperationspartnern ein zukunftsweisendes und bedarfsgerechtes psychiatrisches Gesamtangebot des LBK Hamburg entwickeln. Das erklärte Professor Heinz Lohmann, Vorstandssprecher des LBK Hamburg, zum Auftakt der Fachtagung "Unternehmen Psychiatrie" in Hamburg.

"PSYNOVA 2005 wird die aktuelle Versorgung psychisch kranker Menschen in Hamburg deutlich verbessern und Impulse für die Weiterentwicklung der Psychiatrie in den nächsten Jahren liefern", erklärte Dr. Heinzpeter Moecke, Ärztlicher Direktor des Klinikum Nord. Dabei wird der LBK Hamburg Entwicklungen in der Psychiatrie gerecht, die in der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren weitgehend unbemerkt blieben. So sind heute störungsspezifischere Behandlungen besser möglich als noch vor zehn Jahren, neue Medikamente führen zu besser anwendbaren Medikationen, und neue Therapien verkürzen die Verweilzeit in der Psychiatrie. PSYNOVA 2005 macht sich diese Fortschritte zunutze und stellt den Patienten und sein Behandlungsteam in den Mittelpunkt.


Neue Behandlungskonzepte - Geplante Behandlungsabläufe
Neue Behandlungskonzepte gibt es im LBK Hamburg bereits für die weitverbreiteten Krankheitsbilder Schizophrenie und Depression. "Die Behandlungseinheit Schi-zophrenie wird für die größte Gruppe der Kranken der Allgemeinpsychiatrie im Klinikum Nord ein qualitativ besonders hochwertiges Behandlungsangebot machen", erklärte Dr. Claus Wächtler, Programmdirektor PSYNOVA 2005 und Leitender Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie - Gerontopsychiatrie im Klinikum Nord. Die Behandlungseinheit Schizophrenie (BES) wird seit Ende April im Klinikum Nord umgesetzt; auf dieser neuen Station wird der "Geplante Behandlungsablauf Schizophrenie" erprobt, der Aufnahme, Diagnostik, Behandlung und Entlassung standardisiert. "Durch die BES werden moderne gesundheitspolitische Forderungen nach einer integrativen Behandlung über die Zusammenführung von stationären, teilstationären, ambulanten und aufsuchenden Maßnahmen sowie durch eine verbesserte Kooperation mit niedergelassenen Ärzten, poststationären Einrichtungen und Heimen umgesetzt."

Im AK Harburg wird seit Mai dieses Jahres der "Geplante Behandlungsablauf Depression" pilotiert. "Das Programm zur integrierten Versorgung depressiver Patienten im AK Harburg bietet unterschiedliche Behandlungspfade, um jedem Patienten die schnellstmögliche und für ihn beste Therapie zu ermöglichen", erläuterte Dr. Hans-Peter Unger, Leitender Arzt der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie im AK Harburg.

Das Erneuerungsprogramm PSYNOVA 2005 wird von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen aller beteiligten Berufsgruppen getragen und in Projektteams weiterentwickelt. Der LBK Hamburg als größter Psychiatrie-Anbieter Norddeutschlands investiert in seine psychiatrischen Abteilungen. So ist im Klinikum Nord ein moderner Psychiatrie-Neubau geplant, im AK Harburg entsteht eine Kinder- und Jugendpsychiatrie, und im AK Eilbek wird die Psychiatrie in das Kerngelände des Krankenhauses integriert.


Die Fachtagung "Unternehmen Psychiatrie", die jährlich von münster & partner in Zusammenarbeit mit einem Krankenhausträger veranstaltet wird, steht für das Spannungsfeld in dem sich psychiatrische Kliniken und Abteilungen als wirtschaftlich handelnde Unternehmen befinden. Der berufsgruppenübergreifende Austausch zu den Zukunftsfragen des Unternehmens Psychiatrie ist in dieser Form einmalig. Die lebhafte und richtungsweisende Auseinandersetzung der Teilnehmer auf der diesjährigen Fachtagung zeigte einmal mehr, wie wichtig dieses Forum als Impulsgeber für Neuorientierung ist.
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