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Neue Ansätze in der Strahlentherapie bei Brustkrebs

28.06.2002 - (idw) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

(Berlin) Frauen mit Brustkrebs profitieren, wenn nach der Operation, eine Strahlenthe-rapie mit Medikamenten kombiniert wird. Auch von einer örtlichen Bestrahlung der Tumorregion in der Brust während der Operation versprechen sich die Strahlentherapeuten Fortschritte, berichten Experten auf dem morgen beginnenden Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie in Berlin.

In Deutschland erkrankt jede zehnte Frau an Brustkrebs. Obwohl durch eine bessere Früherkennung und Mammographie heute mehr Tumoren in frühen und damit heilbaren Stadien entdeckt werden, ist das Mammakarzinom noch immer eine der führenden Todesursachen von Frauen.

In den letzten Jahren hat sich die brusterhaltende Therapie zunehmend durchgesetzt. Mittlerweile werden - zumindest an spezialisierten Zentren - nahezu 70 Pro-zent der Patientinnen organerhaltend operiert. Dass dies nicht mit einer Verminderung der Heilungschancen verbunden ist, liegt unter anderem an einer kontinuierlich verfeinerten adjuvanten Therapie: auf die Operation folgt eine Strahlentherapie, häufig in Kombination mit einer Chemo- oder Hormonbehandlung.

Unklar war jedoch bislang, von welcher Abfolge der Strahlen- und Chemotherapie die Patientinnen am meisten profitieren. Wird die Chemotherapie vorgezogen, verzögertsich die Bestrahlung. Dann besteht das Risiko, dass verbliebene Tumorzellen in der Brust weiterwachsen können. Folgt die Chemotherapie hingegen auf die Radiotherapie, besteht die Gefahr, dass sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in der Zwischenzeit ausbreiten können. Bislang vermieden es Radioonkologen und Gynäkologen, beide Therapien gleichzeitig (simultan) durchzuführen, da dies mit den herkömmlichen Medikamenten zu mehr und stärkeren Nebenwirkungen und einer Beeinträchtigung des kosmetischen Ergebnisses der Bestrahlung führen konnte. Strahlentherapeutenaus Düsseldorf und Offenbach stellen nun Langzeitergebnisse einer simultanen Radio-Chemotherapie vor.

Mit einer niedrig dosierten Mono-Chemotherapie, d.h. nur eine Substanz (in diesem Falle Mitoxantron), und gleichzeitiger Bestrahlung beobachteten die Ärzte keine er-höhten Nebenwirkungen. Nach 10 Jahren lebten 87 Prozent der Patienten krankheits-frei. Dies entspricht den Ergebnissen nach herkömmlichen Chemotherapie-Kombinationen.

Bestrahlung während der Operation

Neue Wege gehen auch die Strahlentherapeuten der Uni Münster. Nach einer organerhaltenden Operation wird üblicherweise zunächst die gesamte Brust bestrahlt und anschließend die Tumorregion mit einer definierten Strahlendosis umschrieben über ein kleines Feld "aufgesättigt". Die Münsteraner Ärzte haben nun begonnen, eine intraoperative Bestrahlung zu erproben. Bereits während des Eingriffs führen sie einen Bestrahlungstubus in die Wundhöhle des entfernten Tumors ein. Die örtliche Aufsättigung erfolgt in gleicher Sitzung. Da die Strahlen nicht von außen durch die Haut dringen, rechnen die Ärzte mit besseren kosmetischen Ergebnissen. Für die betroffenen Frauen entsteht außerdem eine Zeitersparnis.

Thermo-Radiotherapie - eine neue Waffe gegen Brustkrebs?

Bei großen Tumoren oder mehreren Geschwülsten können die Ärzte den Patientinnen eine Brustamputation nicht ersparen. Ebenso können sie fortgeschrittene Tumoren operativ nicht immer vollständig entfernen. Kommt es zu einem Rezidiv, d.h. erneutem Tumorwachstum in der operierten Brustwand, sinken die Heilungschancen der Patientin jedoch dramatisch. In solchen Fällen können die Frauen von der Erkenntnis profitieren, dass Wärme die Wirkung einer Strahlentherapie verstärken kann. Mit einer speziellen Maschine, einem Hyperthermiegerät, erhitzen die Ärzte über ein Wärmekissen in genau berechneter Weise die Brustwand. Damit wird das Gewebe für eine nachfolgende Bestrahlung empfänglicher. Tübinger Strahlentherapeuten haben diese Therapie an 54 Patientinnen erprobt, deren Tumor in der Brustwand erneut zu wuchern begonnen hatte oder nicht vollständig entfernt werden konnte. Drei Jahre nach der Therapie war bei 80 Prozent dieser Patientinnen kein Tumorwachstum nachweisbar, 92 Prozent waren noch am Leben.


Pressestelle
Prof. Dr. Marie-Luise Sautter-Bihl, Klinik für Strahlentherapie, Städt. Klinikum Karlsruhe
Tel. (0721)974-4000, Fax (0721)974-4009,
Handy 0172-7326404
e-mail: Strahlentherapie@klinikum-karlsruhe.de

während des Kongresses:
Estrel Hotel, Sonnenallee 225, Berlin
Tel. (030) 6831-46101, Fax (030)6831-46102
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