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Lehrerbildung in Deutschland und Frankreich

17.06.2004 - (idw) Deutsch-Französische Hochschule DFH

Expertentagung zur Lehrerbildung in Deutschland und Frankreich
Tagung der Deutsch-Französischen Hochschule brachte Lösungsvorschläge für Rekrutierung des Lehrernachwuchses

"Nach zwei Tagen intensiver Beratungen können wir den Ministerien beider Länder nun konkrete Lösungsvorschläge zur Verbesserung der Lehrermobilität und zur Rekrutierung des Lehrernachwuchses in Deutschland und Frankreich vorlegen." Mit diesen Worten fasste Achim Haag, Generalsekretär der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH), das Ergebnis einer zweitägigen Sitzung zusammen. Unter dem Titel "Lehrerbildung und -rekrutierung in Deutschland und Frankreich" hatte die binationale Hochschule Vertreter der Bildungsverwaltungen beider Länder zu einer Expertentagung nach Mainz eingeladen. Die Veranstaltung fand mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vergangene Woche an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz statt.

Die Tagung umfasste zwei Problembereiche: Zum einen sollten die Experten darüber diskutieren, wie die Mobilität von Lehrern über die Grenzen hinweg erleichtert und dadurch -- wie politisch gewünscht -- erhöht werden könnte. Zum anderen sollten Lösungen gefunden werden, um den Zugang zum deutsch-französischen Arbeitsmarkt für Nachwuchslehrer in beiden Ländern zu erleichtern.

Die Ursachen der Mobilitätshindernisse seien, so die Experten einhellig, in erster Linie in den bürokratischen und rechtlichen Vorschriften zu sehen. So sind etwa die Anrechte, die sich aus der Sozialversicherung ergeben, nicht ohne soziale Nachteile für die Betroffenen über die Ländergrenzen hinweg transferierbar. Einig waren sich die Experten darüber, dass diese vielfältigen Probleme künftig in der DFH gesammelt und kategorisiert werden sollten, um im Dialog mit den jeweils zuständigen Behörden beider Länder, neben Klärungen im Einzelfall, möglichst übergreifende nationale Lösungen zu finden. "Aber bereits jetzt zeichnet sich ab, dass es sich vor allem darum handeln wird, großzügige Ausnahmeregelungen zu formulieren, da die Systeme als Ganze nur schwerlich veränderbar sind", prophezeit Generalsekretär Haag.

Hinsichtlich der Öffnung des gemeinsamen Arbeitsmarktes für deutsche und französische Nachwuchslehrer schlugen die Teilnehmer der Tagung eine zweistufige, komplexe Lösung vor. In einem ersten Schritt müssten die curricularen Voraussetzungen geschaffen werden. "Dafür sind die binationalen Lehramtsstudiengänge unter dem Dach der DFH bestens geeignet", fasst Achim Haag die Meinung der Experten zusammen. Die Elemente beider Lehrpläne würden bei diesen Studiengängen miteinander verknüpft und im Partnerland erbrachte Leistungen problemlos anerkannt. "Die enge Verzahnung der fachwissenschaftlichen Curricula beider Länder ist das, was einen integrierten Studiengang der DFH ausmacht", so der Generalsekretär. Angestrebt werde darüber hinaus eine enge Einbindung der sich anschließenden zweiten Ausbildungsphase, die in Deutschland an den Studienseminaren, in Frankreich in den IUFM (Instituts Universitaires de Formations des Maîtres) absolviert wird. Diese vollintegrierten Studiengänge, die sich durch fachwissenschaftliche wie pädagogisch-didaktische Komplementarität auszeichnen und somit den nationalen Anforderungen beider Länder gerecht werden, versetzen die Studierenden in die Lage, in Deutschland das erste und zweite Staatsexamen abzulegen. Gleichzeitig erhalten sie dadurch die inhaltlichen wie methodischen Kenntnisse, um an dem für die Lehrerrekrutierung in Frankreich charakteristischen Concours (CAPES) teilzunehmen. Formal ist eine solche Teilnahme bereits zwar jetzt schon möglich, doch ohne eine mindestens zweijährige Vorbereitung ziemlich aussichtslos. Vorzugsweise sollte diese vollintegrierte binationale Lehramtsausbildung im Rahmen konsekutiver BA/MA-Studiengänge durchgeführt werden.

Neben der Schaffung der curricularen Voraussetzungen durch vollintegrierte deutsch-französische Studiengänge müssten in einem zweiten Schritt die administrativ-rechtlichen Vorschriften und durch Ausnahmeregelungen angepasst werden. Dies ermögliche es den binational ausgebildeten Lehramtsabsolventen, gemäß den üblichen nationalen Einstellungsverfahren, als Lehrer im Land ihrer Wahl tätig werden zu können. Der Deutsch-Französischen Hochschule käme in diesem Zusammenhang die Aufgabe zu, eine Art Bestandsaufnahme durchzuführen, um gegebenenfalls als zentrale Anlaufstelle über den Bedarf der Doppeldiplomierten Lehrer in beiden Ländern zu informieren, deren Profil mit zu entwickeln und im Einzelfall auch jungen Absolventen Stellen in beiden Ländern zu vermitteln.

Voraussetzung zur Wahrnehmung dieser vielfältigen Aufgaben, so der Generalsekretär der DFH weiter, sei eine entsprechende personelle Ausstattung des DFH-Generalsekretariats. In der derzeitigen Situation wäre dies nach Ansicht des Generalsekretärs qualitativ nicht bebefriedigend zu leisten.

Die Veranstaltung in Mainz war Teil des von den Bildungsministern beider Länder verabschiedeten Arbeitsprogramms (feuille de route), das langfristig eine Annäherung der Ausbildungswege und Rekrutierungsverfahren in beiden Ländern bewirken soll.

Im Herbst hofft die DFH nach der geplanten Expertentagung mit Juristen, auch für die binational ausgebildeten Juristen erste Lösungswege skizzieren zu können.
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