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Akademieauszeichnungen für Nachwuchswissenschaftler

28.06.2002 - (idw) Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

SPERRFRIST 28. JUNI 2002, 21.00 Uhr
PRESSEMITTEILUNG
BBAW/PR-09/2002
28. Juni 2002

Am Vorabend des diesjährigen Leibniztages der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften werden im Rahmen der Öffentlichen wissenschaftlichen Sitzung zum Leibniztag junge Forscher und Forscherinnen für herausragende wissenschaftliche Leistungen mit Preisen und Stipendien der Akademie ausgezeichnet.

Den Akademiepreis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
erhält Professor Dr. Albrecht Koschorke
Der Preis ist mit 20.000 EUR dotiert.
Professor Dr. Albrecht Koschorke, Jahrgang 1958, studierte in München und Paris Literaturwissenschaft, Philosophie und Ethnologie. Nach der Promotion 1989 in München war er Heisenberg-Stipendiat der DFG und als Assistent in Würzburg und in Berlin tätig. 1997 habilitierte er an der Freien Universität Berlin. Nach Lehrstuhlvertretungen in München (1997/1998) und Konstanz wurde er im Jahre 2000 an die Universität Konstanz auf eine C4-Professur für deutsche Literatur berufen.
Neben der deutschen Literatur des 17. bis 20. Jahrhunderts bilden Medien- und Kulturtheorie sowie Anthropologie seine Forschungsschwerpunkte. Bestens mit historisch-hermeneutischen Verfahren vertraut, berücksichtigt er kritisch die Einflüsse des Poststrukturalismus, der Dekonstruktion und der Systemtheorie als Innovatoren der Geistes- und Kulturwissenschaften. Koschorke ist in seinen Arbeiten interdisziplinär ausgerichtet und stellt damit für die Arbeit der Literaturwissenschaft neue erhellende kulturwissenschaftliche Kontexte her.
Bereits seine Dissertation über die "Geschichte des Horizonts" als erste Gesamtdarstellung dieses sowohl visuellen, mental-symbolischen wie kognitiven Phänomens gilt als Grundlagenwerk. Mit seiner Habilitation "Körperströme und Schriftverkehr. Mediologie des 18. Jahrhunderts" liefert Koschorke eine Darstellung der historischen Konstitution von Körper und Gefühl durch die Schriftmedien des 18. Jahrhunderts, die sich nicht in additiver Weise neben die bereits geleistete Forschung stellt, sondern den Versuch unternimmt, diese Einzelforschungen zu integrieren und auf eine neue theoretische Stufe zu heben. Er untersucht komparatistisch die Diskurse der Medizin, Staatslehre, Ökonomie und Literatur und arbeitet für diese Epoche einen Paradigmawechsel heraus. In seinem neuesten Buch "Die heilige Familie und ihre Folgen. Ein Versuch" erarbeitet er vor dem Hintergrund psychohistorischer, psychoanalytischer, symbolgeschichtlicher und systemischer Zusammenhänge einen Überblick über die Religions- und Sozialgeschichte der Ehe und Familie und liefert eine Interpretation der Familien-Figuration.

Den Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
gestiftet vom Verlag de Gruyter
erhält Professor Dr. Bernd Müller-Röber
Der Preis ist mit 15.000 EUR dotiert.
Professor Dr. Bernd Müller-Röber, Jahrgang 1964, studierte Biologie und parallel dazu Philosophie in Tübingen, Marburg und Berlin. 1992 promovierte er im Fach Biologie. 1998 habilitierte er sich in Potsdam im Fachgebiet Molekulare Pflanzenphysiologie. Seit seiner Promotion leitete Herr Müller-Röber verschiedene Arbeitsgruppen, zunächst am Institut für Genbiologische Forschung Berlin GmbH, später am Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie in Golm. Seit Mai 2000 ist er C4-Professor für Molekularbiologie an der Universität Potsdam. Forschungsaufenthalte führten Herrn Müller-Röber u.a. an die Universität Lancaster/England, auf Einladung der Chinesischen Akademie der Wissenschaften nach China, nach Israel an das Weizmann Institut in Rehovot und an das Scripps Institute in La Jolla, USA. Müller-Röber war u.a. Mitbegründer der PlantTec Biotechnologie GmbH, einer Ausgründung des MPI für molekulare Pflanzenphysiologie.
Die Schwerpunkte seiner Arbeiten liegen auf dem Gebiet der pflanzlichen Molekularbiologie sowie der angewandten Gentechnologie. Er befaßt sich mit Untersuchungen zur Molekularphysiologie und zu gentechnischen Veränderungen der pflanzlichen Schließzelle, er arbeitet zum pflanzlichen Phosphatidylinositol-Stoffwechsel und seinen molekular-genetischen Grundlagen vor allem im Hinblick auf Pflanze-Umwelt-Wechselwirkungen und betreibt Untersuchungen zum pflanzlichen Primärstoffwechsel, hier insbesondere zum mitochondrialen Citratcyclus und dem Metabolismus organischer Säuren. Auf allen Gebieten hat Herr Müller-Röber eine bemerkenswerte Serie von Arbeiten vorgelegt, in denen er modernste Methoden aus Molekular- und Zellbiologie, Biochemie, Genetik und Physiologie für seine Forschungen zu nutzen weiß - darunter Publikationen in hervorragenden Journalen wie "Nature", "EMBO Journal" und "Proceedings of the National Academy of Science" oder auch "Plant Journal". Er gehört dem Editorial Bord verschiedener Fachzeitschriften an, ist als Gutachter für eine Reihe von Fachjournalen tätig.

Den Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
gestiftet von der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung
erhält Professor Dr. Karl Leo
Der Preis ist mit 10.000 EUR dotiert.
Professor Dr. Karl Leo, Jahrgang 1960, studierte Physik in Freiburg, kam 1986 an das Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart und promovierte dort 1988. Ab 1989 arbeitete er als Research Associate in den AT&T Bell Laboratories, Holmdel/NJ, kehrte 1991 nach Deutschland an die RWTH Aachen zurück und folgte 1993 einem Ruf an die TU Dresden als Professor für Optoelektronik und Leiter des Instituts für Angewandte Photophysik.
Herr Leo wird auf seinem Gebiet der Ultrakurzzeitspektroskopie an Halbleitern zu den führenden Wissenschaftlern weltweit gezählt. Er hat der Forschung auf dem Gebiet der organischen Halbleiter neue Impulse und Standards gegeben. Unter Nutzung komplexer Techniken der Femtosekundenspektroskopie beschäftigte er sich mit kohärenten Prozessen in Halbleiternanostrukturen. Gemeinsam mit anderen entdeckte er Quantenschwebungen von Excitonen in Quantengräben und identifizierte die Prozesse der Spin-Relaxation. Er war einer der ersten, der Blochoszillationen in Halbleitergittern nachwies. Die Existenz dieser Oszillationen, einem grundlegenden Phänomen der Festkörperphysik, war seit mehreren Jahrzehnten theoretisch vorausgesagt, jedoch nie experimentell nachgewiesen worden. Den Wechsel nach Dresden nutzte Herr Leo zu einer entscheidenden Erweiterung seines Arbeitsgebie-tes. Seine Arbeiten befassen sich fortan mit den optoelektronischen Eigenschaften von organischen Materialien, insbesondere mit dünnen Filmen und auch hier finden seine Ergebnisse international hohe Anerkennung. Ein besonders erwähnenswerter Durchbruch ist ihm beim Dotieren von organischen Materialien gelungen, einem wichtigen Schritt für die Herstellung von effizienten organischen lichtemittierenden Dioden.
Seine wissenschaftlichen Ergebnisse sind in einer umfangreichen Zahl von Buch- und Zeitschriftenpublikationen veröffentlicht. Er ist selbst als Gutachter für verschiedene Fachzeitschriften tätig.

Den Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
gestiftet von der Peregrinus-Stiftung (Rudolf Meimberg)
erhält Professor Dr. Nikolai N. Ledentsov
Der Preis ist mit 5.000 EUR dotiert.
Professor Dr. Nikolai N. Ledentsov, Jahrgang 1959, studierte am Electrical Engineering Institute in Leningrad. 1982 kam er an das A.F. Ioffe Physical-Technical Institute of the USSR (seit 1991 Russian Academy of Sciences). 1987 schloß er hier als Candidate und 1993 als Doctor of Sciences in Physics and Mathematics ab. Seit 1994 forscht Herr Ledentsov am Ioffe-Institut als Full Professor und seit 1999 als Principal Scientist. Daneben lehrt er an der Electrical Engineering University of St. Peters-burg, seit 1992 als Associate Professor und seit 1994 als Full Professor. Einzelne kürzere Forschungsaufenthalte führten Herrn Ledentsov nach Glasgow/UK und an verschiedene Universitäten der USA. Enge wissenschaftliche Beziehungen konnte er zu Deutschland aufbauen. 1990 kam er zunächst für ein Jahr an das Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart und ab 1993 wiederholt als Gastwissenschaftler an die Technische Universität Berlin, u.a. zwei Jahre als Alexander von Humboldt-Stipendiat. Herr Ledentsov wurde 1997 zum jüngsten korrespondierenden Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften berufen.
N. Ledentsov gilt weltweit als Spitzenforscher auf dem Gebiet der Physik und Technologie von Nanostrukturen. Er hat sich insbesondere auf dem Gebiet der Optoelektronischen Festkörperphysik und speziell in der Entwicklung von Quantum-Dot-Lasern einen hervorragenden Namen gemacht. Herr Ledentsov gehört zu einer Gruppe am Ioffe-Institut in St. Petersburg, die weltweit zu den besten gehört, die Halbleiter-Quantenpunkte kontrollieren und mit ausgezeichneter Qualität herstellen können. In einer Vielzahl von herausragenden Publikationen, an denen er maßgeblich beteiligt war, wurde gezeigt, wie verschiedene Wachstumsparameter die Eigenschaften von Quantenpunkten und von Schich-ten von Quantenpunkten beeinflussen, und daß Molecular Beam Epitaxy die am besten geeignete Herstellungsmethode ist.
Durch das Wirken von N. Ledentsov hat sich zwischen dem Ioffe-Institut und der Festkörperphysik der TU Berlin eine enge Zusammenarbeit entwickelt, die bereits zu weltweit führenden Resultaten auf dem Gebiet der dimensionsreduzierten Halbleiter-Strukturen geführt hat.

Das Akademiestipendium 2002
gestiftet von der Schering Forschungsgesellschaft mbH
erhält Dr. Stephanie Reich
Das Stipendium wird in der Regel für die Dauer eines Jahres gewährt. Die Fördersumme beträgt 30.000 EUR.
Dr. Stephanie Reich, Jahrgang 1973, studierte Physik an der Technischen Universität Berlin und pro-movierte dort 2001 mit einer sowohl experimentellen als auch theoretischen Arbeit über Kohlenstoff-nanoröhren ("Nanotubes"). Dies sind sehr kleine Hohlzylinder (typischer Durchmesser ein Millionstel Millimeter), die aus einer einzelnen Graphitschicht bestehen. Ihre quasi-eindimensionalen Eigenschaften haben viele Physiker und Chemiker in den letzten Jahren fasziniert, und das Material findet bereits vielfältige Anwendungen in der Werkstofforschung und Nanotechnologie. Frau Reich hat auf diesem Gebiet neue aufregende Erkenntnisse gewonnen, die in über 20 Arbeiten in international hoch angese-henen Zeitschriften veröffentlicht worden sind.
Bei einer Untersuchung zum Verhalten von Nanotubes unter hohem hydrostatischem Druck stellte Frau Reich fest, daß das Ramanspektrum dieses Materials ungewöhnliche Eigenschaften besitzt. Sie hat durch weiterführende Experimente gezeigt, daß die klassische Theorie der Ramanstreuung nicht nur für die Nanotubes sondern auch für Graphit selbst im Widerspruch zu experimentellen Beobachtungen steht. Mit Hilfe des Konzeptes der Doppelresonanzen, die sie analytisch beschrieben und numerisch berechnet hat, konnte Frau Reich die Widersprüche beseitigen.
Parallel dazu hat sie die Eigenschaften von Nanotubes mit sogenannten ab initio-Verfahren berechnet. Diese ermöglichen die Bestimmung der Gesamtenergie des Systems und besitzen daher beim Vergleich mit Experimenten eine große Aussagekraft. Frau Reich hat nicht nur die elektronische Bandstruktur der Nanotubes sondern auch ihre Schwingungsmoden und mechanischen Eigenschaften berechnet. Dabei konnte sie zeigen, daß die Bandstruktur nicht nur von der Krümmung der Fläche sondern auch von der helikalen Ausrichtung des Graphitgitters entlang dem Röhrchen sowie von der Bündelung mehrerer Röhrchen abhängt.

Neben ihrer Forschungstätigkeit war Frau Reich sieben Jahre lang - zunächst als Tutorin, dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin - erfolgreich in der Lehre an der TU Berlin tätig. Sie war zudem Mitglied verschiedener akademischer Selbstverwaltungsgremien, so in der studentischen Physik-Initiative, in der Entwicklungsplanungskommission und im Akademischen Senat der Universität.
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