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Vergewaltigung - sexuelle Gewalt in drei Jahrhunderten

28.06.2002 - (idw) Universität Bielefeld

Brüche und Kontinuitäten in der kulturellen Codierung sexueller Gewalt in drei Jahrhunderten

Vom 4. bis 6. Juli findet am Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld unter der Leitung von Christine Künzel (Literatur- und Kulturwissenschaftlerin) und Tanja Hommen (Historikerin) eine Arbeitsgemeinschaft zum Thema Vergewaltigung - Brüche und Kontinuitäten in der kulturellen Codierung sexueller Gewalt in drei Jahrhunderten (18. bis 20. Jh.) statt. An der interdisziplinären Tagung nehmen Rechtswissenschaftlerinnen, Kriminologinnen, Literatur- und Kulturwissenschaftlerinnen, Historikerinnen, Medizin- und Körperhistorikerinnen und Frauen aus der Rechtspraxis teil. Die Tagungsteilnehmerinnen wollen die Entwicklung verschiedener Diskurse, die an der Bildung von Vergewaltigungsmythen beteiligt sind, über drei Jahrhunderte hinweg verfolgen und Brüche sowie Kontinuitäten sichtbar werden lassen.

Während sich die meisten existierenden Studien zum Thema "Vergewaltigung" für die strafrechtliche Definition des Deliktes und dessen historische Entwicklung interessierten, soll der Schwerpunkt dieser Arbeitsgemeinschaft auf der Rechtspraxis, das heißt der Rechtsprechung in Vergewaltigungsfällen liegen. "Urteile und Urteilsbegründungen" - so die Tagungsleiterinnen Tanja Hommen und Christine Künzel - "scheinen kulturelle Deutungsmuster, Mythen und Aspekte des jeweiligen Geschlechterdiskurses in weit höherem Maße zu transportieren als gesetzliche Codierungen. Außerdem scheint gerade im Hinblick auf die rechtliche Behandlung, sprich Sanktionierung, sexueller Gewalt eine erhebliche Diskrepanz zwischen den gesetzlich formulierten Möglichkeiten der Ahndung und der tatsächlichen Sanktionierung durch die Rechtsprechung zu existieren, die es näher zu untersuchen gilt. Es geht darum, die semantischen Spielräume und Strategien zu entdecken, die das Ausfüllen der entsprechenden Spielräume in der Rechtsprechung steuern."

Neben Prozessakten aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert (Kaiserreich und Weimarer Republik) werden auf dieser Tagung zum ersten Mal auch Prozesse aus der NS-Zeit und bisher unveröffentlichte Prozessakten aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts (der so genannte Berliner 'Gynäkologen-Prozess') vorgestellt und diskutiert.

Weitere Informationen unter: www.uni-bielefeld.de/ZIF/ZiF/AG/2002/index.html, Tagungsbüro des ZiF:
Telefon 0521/106 2768.


Pressemitteilung Nr. 97/2002
Universität Bielefeld
Informations- und Pressestelle
Leiter: Dr. Gerhard Trott
Telefon: 0521/106-4145/4146
Fax: 0521/106-2964
E-Mail: gerhard.trott@uni-bielefeld.de
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