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EU-Projekte in Höhe von zehn Millionen Euro bewilligt

23.06.2004 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz wirbt erneut erfolgreich Drittmittel ein

Das Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz (BMRZ) hat soeben Bewilligungen in Höhe von rund zehn Millionen Euro für fünf Jahre erhalten. Im sechsten Rahmenprogramm fördert die Europäische Union damit drei neue Projekte in den Themenbereichen NMR-Wirkstoffforschung und Proteinfehlfaltung sowie Technologieentwicklung; das Zentrum übernimmt in allen Projekten die wissenschaftliche Koordination.
Im Projekt 'NMR-Tools for Drug Design Validated on Phosphatases' sucht das Team um Prof. Harald Schwalbe, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Biomolekulare Magnetische Resonanz, Universität Frankfurt, zusammen mit sechs weiteren Partnern von Forschungsinstituten in Großbritannien, Österreich, Niederlande und Italien sowie einem mittelständischen Chemieunternehmen in Frankfurt nach verbesserten Methoden für die Wirkstofffindung auf der Basis von Strukturinformationen. Anhand von Röntgenstrukturdaten von Phosphatasen, einer bestimmten Enzymklasse, sollen NMR-Parameter berechnet werden, die die gezielte Suche nach passenden Liganden (Bindungspartnern) optimieren. In einem weiteren Projekt führt das BMRZ gemeinsam mit der Firma Solvay und zwei Start-up-Firmen in Slovenien und Italien einen Technologietransfer dieser neuen NMR-Technologien durch, um schneller Wirkstoffe zu finden.
Im zweiten Projekt 'UPMAN (Understanding Protein Missfolding and Agregation)', das mit 1,9 Millionen Euro gefördert wird, kooperiert das Team um Harald Schwalbe, der zugleich auch Projektkoordinator ist, mit Nobelpreisträger Prof. Kurt Wüthrich, Eidgenössisch-Technische Hochschule Zürich, und Prof. Chris Dobson, Universität Cambridge, Großbritannien, sowie fünf weiteren Partnern aus den Niederlanden, Italien, Schweden, Lettland und Dänemark. Thema dieses als drittbestes aus 80 Anträgen beurteilten Projektes sind Proteinfehlfaltungen, wie sie bei Alzheimer, Diabetes Typ II sowie Prionenerkrankungen auftreten. Bei der Proteinsynthese entsteht eine zunächst ungefaltete Kette von Aminosäuren, die verschiedene Formen einnehmen kann, bevor sie ihre endgültige native Konformation annimmt. Diese 'Vorformen' stehen miteinander im Gleichgewicht und können neben der nativen, gesunden Form auch hochmolekulare Fibrillen bilden, die dann als Plaque-Ablagerungen die Krankheit hervorrufen. Mit Hilfe der Röntgenstrukturanalyse konnten bisher nur gefaltete, native Proteine nachgewiesen werden. Mit Flüssig-NMR können auch ungefaltete Proteine und Intermediate nachgewiesen werden. Die Festkörper-NMR erlaubt es nun, sogar die Strukturen der aggregierten Fehlbildungen aufzuklären. Diese Information ist besonders wichtig, da über die Strukturaufklärung auch Hinweise auf die krankheitsauslösende Ursache zu erwarten sind.
Das Projekt 'Dynamic Nuclear Polarization for NMR in Structural Biology' mit einer Fördersumme von rund fünf Millionen Euro zielt auf die Entwicklung eines neuartigen Spektrometers, das bis zu einer Größenordung empfindlicher ist als herkömmliche NMR-Spektrometer und es damit erlaubt, Messungen hundertmal schneller durchzuführen. Damit wird es möglich sein, neuartige Projekte auf dem Gebiet der Strukturuntersuchung von Biopolymeren durchzuführen, zum Beispiel Untersuchungen an Metalloenzymen, Membranproteinen, großen Proteinkomplexen und Intermediaten der Proteinfaltung. Das Projekt, das von Prof. Thomas Prisner, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Physikalische und Theoretische Chemie, koordiniert wird, und an dem alle vier Professoren des Frankfurter Zentrums für Biomolekulare Magnetresonanz (Prof. Harald Schwalbe, Prof. Thomas Prisner, Prof. Clemens Glaubitz und Prof. Volker Dötsch) sowie neun weitere Partner aus ganz Europa beteiligt sind, bringt Expertisen aus dem Gebiet der EPR (Electron paramagnetic resonance)- und NMR (Nuclear magnetic resonance)-Spektroskopie, Mikrowellentechnologie, synthetischer Chemie und Strukturbiologie zusammen. Frankfurt wird damit neben dem Massachusetts Institute of Technology in den USA zu einem weltweit führenden Zentrum für diese Methodik.

Kontakt: Prof. Harald Schwalbe, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Biomolekulare Magnetische Resonanz, Telefon 069/798-29737, Fax 069/798-29515, E-Mail: schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de

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