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Erste Professur für Pharmazeutische Biotechnologie

16.04.2002 - (idw) Universität des Saarlandes

Initiative von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik

Der Fortschritt biotechnologischer Forschung und Entwicklung hat mittlerweile auch in Deutschland an Fahrt gewonnen. Besonders hohe Erwartungen verbinden sich dabei - sowohl in wissenschaftlicher wie in wirtschaftlicher Hinsicht - speziell mit der Pharmazeutischen Biotechnologie. Vor diesem Hintergrund wurde jetzt im Saarland die deutschlandweit erste C4-Professur für Pharmazeutische Biotechnologie eingerichtet: die Stiftungsprofessur der Gesellschaft zur Förderung der Pharmazeutischen Biotechnologie im Saarland.

Der neue Stern am Himmel der Pharma-Welt heißt Pharmazeutische Biotechnologie. Darunter zu verstehen sind laut kürzlich verabschiedeter Definition der beiden großen pharmazeutischen Fachgesellschaften APV und DPhG "alle Wissenschaftsbereiche, Methoden und Verfahren zur Entdeckung, Entwicklung, Charakterisierung, Herstellung, Prüfung und Zulassung von Arzneimitteln und Medizinprodukten biotechnologischer Herkunft, einschließlich deren Anwendung". Entscheidende Fortschritte sind von diesem neuen Fachgebiet insbesondere bei der Bekämpfung von Infektions-, Krebs- und Herz-Kreislauferkrankungen zu erwarten. Auch bei der Gentherapie gab es weltweit inzwischen über 400 genehmigte Therapieversuche. Generell ist zu beobachten: Der Bioreaktor hat begonnen, die klassische pharmazeutische Arbeit mit dem Reagenzglas zurückzudrängen.

Im Saarland hat man die Zeichen der Zeit erkannt und in einer Gemeinschaftsinitiative von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik die Gesellschaft zur Förderung der Pharmazeutischen Biotechnologie im Saarland (GEBIOTEC) ins Leben gerufen. Diese Gesellschaft, der Unternehmen, Wirtschaftorganisationen und das Wirtschaftsministerium angehören, stellt der Universität des Saarlandes für die Einrichtung der Professur für Pharmazeutische Biotechnologie Fördermittel in Höhe von 1 800 000 Euro zur Verfügung. Einen Betrag in gleicher Höhe schießt das Saarland zu. Die neue Professur kann damit auf fünf Jahre - die komplette Personal- und Sachausstattung inbegriffen - finanziert werden. Danach wird das neue Fachgebiet, das nun erstmalig an einer deutschen Universität durch einen eigenen Lehrstuhl vertreten ist, von der Universität des Saarlandes weitergeführt.

Dieser Tage wurde die neue Professur ausgeschrieben. Der Mitinitiator und Vorsitzende der Berufungskommission Prof. Dr. Claus-Michael Lehr erläutert das Anforderungsprofil: "Vor allem Qualifikationen in Molekularbiologie, Zellbiologie und Biotechnologie sowie Erfahrungen in der Arzneimittelentwicklung sind wichtig. Dabei achten wir auch darauf, ob der Kandidat bzw. die Kandidatin internationales Profil und Industrieorientierung vorweisen kann. Dagegen ist angesichts der interdisziplinären Ausrichtung des neuen Faches nicht zwingend erforderlich, dass er oder sie aus der Pharmazie kommt."

Im Zuge der neuen Professur soll für Studierende der Pharmazie die Pharmazeutische Biotechnologie als zusätzliches Vertiefungsfach eingeführt werden. Absolventen dieses Vertiefungsfaches winken herausragende Berufschancen in Forschung und Industrie, aber auch die Chance, sich mit Unterstützung des Starterzentrums der Universität selbständig zu machen. Es kann darauf hingewiesen werden, dass aus der Saarbrücker Pharmazie in den zurückliegenden Jahren bereits zwei sehr erfolgreiche Firmengründungen hervorgegangen sind.

"Klein, aber fein war schon immer das Markenzeichen der Saarbrücker Pharmazie, was mit der beispielhaften Besetzung des neuen Zukunftsgebiets der Pharmazeutischen Biotechnologie einmal mehr unterstrichen wurde", erläutert Universitätspräsidentin Prof. Dr. Margret Wintermantel. Und weiter: "Außerdem ergeben sich mit der neuen Professur interessante Querverbindungen zu weiteren biowissenschaftlichen Einrichtungen unserer Universität, etwa zur Bioinformatik und zum Zentrum für Human- und Molekularbiologie. Auch in dieses inneruniversitäre Tableau passt die Professur für Pharmazeutische Biotechnologie ganz hervorragend. Für die bemerkenswerte Starthilfe zu ihrer Einrichtung möchte ich der GEBIOTEC und dem Land sehr herzlich danken."

Wissenschaftsminister Jürgen Schreier wertet die neue Professur als einen entscheidenden Schritt zur Förderung der Biotechnologie im Saarland: "Die Biotechnologie ist ein wichtiger Motor des Wachstums in unserem Land und zur Förderung der Gesundheitsfürsorge. Als zukunftsweisender Forschungsbereich bietet er der Universität bedeutende Entwicklungsmöglichkeiten. Zugleich ist dies der Beweis für eine vorbildliche Partnerschaft zwischen Hochschule, Land und Wirtschaft", so Schreier.

"Wir brauchen im Saarland mehr Wachstum durch Innovation", so Rolf Schneider, Vorsitzender der GEBIOTEC. "Die neue Professur soll eine Schrittmacherfunktion im Bereich der pharmazeutischen Biotechnologie übernehmen. Wir hoffen, dass dieses neue Kompetenzzentrum saarländischen Unternehmen Impulse gibt, aber auch zur Gründung junger Technologieunternehmen führt."

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