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Wissens-Transfer nach Moldawien und Georgien

24.06.2004 - (idw) Fachhochschule Biberach

In ihm scheinen sich sämtliche Widersprüchlichkeiten dieser Welt zu vereinen und zu vertragen: Hollweck, der Pater; Hollweck, der Philosoph; Hollweck, der Journalist war Gastreferent beim Studium generale an der Fachhochschule Biberach. "Mensch sein... anderen helfen" lautete der Titel des Abends. Thema war das soziale und fachliche Engagement der Hochschule: Studierende und Professoren hatten in den vergangenen drei Jahren ein Sozialzentrum in Moldawien ermöglicht: Vom Entwurf bis zur Umsetzung planten, bauten und akquirierten sie Geld- wie Sachspenden für das Sozialzentrum Stauceni in einer Gemeinde der Steyler Missionare nahe der Moldawischen Hauptstadt Chisinau - also 2000 Kilometer östlich von Biberach. Im vergangenen Sommer wurde die Projektgruppe dafür mit dem Theo-Prax-Preis ausgezeichnet.


Symbolhaft: Viel mehr ist nicht übrig geblieben als die Musikschule in der georgischen Stadt Telawi abbrannte: Die Fachhochschule Biberach will nun den Wiederaufbau vorantreiben. Josef Hollweck ist Pater der Steyler Missionare und freier Journalist. Als Provinzial mit Sitz in Bozen ist er für seine Ordensbrüder in Moldawien verantwortlich. In dieser Funktion lernte die FH-Projektgruppe ihn kennen und war begeistert: Pater Josef - oder wie er sich vorstellt "Sepp" Hollweck - studierte Philosophie und Theologie und absolvierte als Steyler Missionar eine Ausbildung zum Journalist. Ihm gelingt es vermeintlich nicht mehr zeitgemäße Themen so auf den Punkt zu bringen, dass ihm jeder zuhört. Egal, ob jung oder alt, ob Christ oder nicht.
In Rom war er in der Generalleitung der Steyler Missionare zuständig für Kommunikation, in Österreich leitete er als Chefredakteur die ordenseigene Zeitung und arbeitete beim österreichischen Rundfunk mit. In Zusammenarbeit mit einem Südtiroler Filmteam hat er in den vergangenen 20 Jahren über 70 Dokumentationen gedreht, die über Missstände in der Dritten Welt berichten. Als Pater der Steyler Missionare hat er oftmals mehr und sehr bedrückende Einblicke in das Leben der Ärmsten: 6000 Mitglieder zählt der Orden, in über 60 Ländern ist er aktiv. Als Provinzial der italienischen Ordensprovinz ist Pater Hollweck auch für die Ordensmitglieder in Moldawien und Rumänien verantwortlich.

"Ist Mission noch up to date?" fragte Hollweck sein Biberach Publikum, sprach über "Seelenfang" in der Vergangenheit und über sein ganz persönliches Verständnis von Mission: Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, so Hollweck, orientierte sich die Theologie neu. Hinter der Missionsidee steht seither nicht mehr die zählbare Größe der Kirche sondern die Sorge um den Menschen. Nicht das Taufen sondern die Nächstenliebe steht nun im Vordergrund christlicher Arbeit. Es gelte, die Liebe Gottes den Menschen greifbar und fühlbar zu machen - ganz egal, ob sie nun Christen oder Muslime sind, an eine Naturgottheit glauben oder ohne eine sichtbar die Welt überschreitende Gottesidee auszukommen glauben. Mit Hollwecks Worten: "Wer einen Anderen bekehren will, muss ihn mögen. Und wer einen Menschen mag, der akzeptiert ihn; mehr noch: schätzt ihn so, wie er ist - mit seiner Weltanschauung, mit seiner Kultur, mit seinen Gewohnheiten". Zu diesem Mögen gehöre, die Lebenssituation des Anderen zu verbessern. Für Hollweck hat hier Platz, was man als Entwicklungszusammenarbeit bezeichnet. Und für die Projektgruppe der FH Biberach hat hier Platz, was in Moldawien entstanden ist - und in weiteren Projekten entstehen soll: Der Abend also als Rückblick und als Ausblick.

Denn in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Biberach, dem Partnerschaftsverein und der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) hat die Hochschule bereits neue Projekte in der georgischen Partnerstadt Telawi gefunden. Die Sanierung einer Musikschule will man gemeinsam meistern. Interdisziplinär - also mit vereinten Kräften der fünf Studiengänge Architektur, Gebäudeklimatik, Bauingenieurwesen, Projektmanagement und Betriebswirtschaft will die FH Biberach in erster Linie ihr Know-how zur Verfügung stellen und den Studierenden an diesem Beispiel den Bezug zur Praxis geben - verbunden mit sozialem Engagement.

Hier schließt sich der Kreis zwischen der Arbeit der Styler Missonare und dem Einsatz der Hochschule, nicht nur in Bezug auf das Moldawien-Projekt. Hollwecks Ausführungen über Mission und Entwicklungshilfe rundeten Professoren wie Studenten ab und gaben spannende aber auch unterhaltsame Einblicke in ihr außergewöhnliches Engagement: Das bestandene Abenteuer Moldawien und das bevorstehende Abenteuer Georgien.
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