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Innovation durch Entflechtung

26.06.2004 - (idw) Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

·Stifterverband fordert konsequente Entflechtung von Bund-Länder-Zuständigkeiten für Hochschulen und Forschung
·Auszeichnung des Stifterverbandes für DaimlerChrysler-Chef Jürgen E. Schrempp

"Innovationen und Eliten können nicht befohlen werden, sondern sie entwickeln sich im Wettbewerb der Besten. Dazu bedarf es einer gründlichen Entflechtung der Bund-Länder-Mischzuständigkeiten im Hochschul- und Forschungsbereich. Wir appellieren daher an die Föderalismus-Kommission, sich in diesem Bereich zu einem kompetitiven Föderalismus zu bekennen." Mit diesen Worten sprach sich heute Dr. Arend Oetker, Präsident des Stifterverbandes, für eine Deregulierung aus. Anlass war die jährliche Festveranstaltung des Stifterverbandes, die in diesem Jahr im Gewandhaus zu Leipzig stattfand. Über 700 hochrangige Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik nahmen in Anwesenheit des Bundeskanzlers und des sächsischen Ministerpräsidenten an dem Festakt teil.

"Die Aufgabe des Staates besteht darin," sagte Oetker, "Eingriffe auf ein Minimum zu begrenzen und statt dessen wissenschaftsadäquate Strukturen und Bedingungen zu schaffen, unter denen Wettbewerb gedeiht und Spitzenuniversitäten entstehen." Oetker forderte u.a. die Abschaffung des Hochschulrahmengesetzes sowie die Novellierung der Landeshochschulgesetze, damit die Hochschulen größere Freiheit erhalten für Public Private Partnerships, für das Recht auf Auswahl der Studierenden, für die Erhebung von Studiengebühren, für effiziente und effektive Leitungsstrukturen, für marktgerechte und leistungsbezogene Bezahlung der Professoren, für angemessene Betreuung der Studierenden. Oetker wörtlich: "Dies alles geht nicht kostenneutral, sondern nur durch erhebliche Investitionen in Forschung und Lehre".

"Fragen der Finanzierung wollen wir uns in den Unternehmen nicht entziehen. Allerdings bedarf es der richtigen Signale seitens der Politik, damit wir wieder mehr Mut zu Investitionen in Forschung und Entwicklung fassen", sagte Oetker und bezog sich dabei auf die momentan stagnierenden FuE-Aufwendungen der Wirtschaft. Solche Signale seien eine wichtige Voraussetzung dafür, das EU-Ziel zu erreichen, bis zum Jahr 2010 3% des BIP für Forschung und Entwicklung aufzuwenden, und zwar zu zwei Dritteln von der Wirtschaft und zu einem Drittel vom Staat. Oetker wies daraufhin, dass die Wirtschaft dabei ihren Part bislang in steigendem Maße erfüllt - der Anteil der Wirtschaft stieg von 60 % (1995) auf 65,7 % (2001), während der Anteil des Staates von 37,9 % (1995) auf 31,4 % (2001) sank.

Aus der aktuellen Förderarbeit des Stifterverbandes stellte Oetker beispielhaft die Aktivitäten rund um die neuen Studienabschlüsse Bachelor/Master vor. Der Stifterverband unterstützt deren Einführung seit 1998 über Wettbewerbe, Informationsveranstaltungen und zuletzt Anfang Juni 2004 über die konzertierte Aktion "Bachelor welcome". Zu dieser Aktion hatte der Stifterverband die Personalvorstände der führenden deutschen Unternehmen eingeladen, um den Absolventen zu signalisieren, dass sie auf dem Arbeitsmarkt willkommen sind. Zugleich soll die Aktion die Hochschulen dazu ermutigen, die neuen Abschlüsse für eine grundlegende Studienreform zu nutzen, und bei der Entwicklung der neuen Curricula die Unternehmen einzubeziehen. "Dieses Bekenntnis war dringend nötig und ist in dieser Konstellation besonders glaubwürdig, um den jungen Leuten Mut zu machen, diese neuen Studiengänge zu wählen", sagte Oetker, der die konzertierte Aktion persönlich moderierte.

Im Rahmen des Festaktes erhielt der Vorstandsvorsitzende der DaimlerChrysler AG, Prof. Jürgen E. Schrempp, die Merton-Ehrennadel des Stifterverbandes "für das höchst vorbildliche und nachhaltige Engagement des Unternehmens als ´good corporate citizen`", sagte Oetker in seiner Laudatio. Die DaimlerChrysler AG gehört seit der Wiedergründung des Stifterverbandes 1949 zu den namhaftesten Spendern der gemeinnützigen Einrichtung. Schrempp sagte zum Engagement seines Unternehmens im Stifterverband: "Mithilfe des Stifterverbandes können wir die Innovationskraft von Wissenschaft und Forschung in Deutschland stärken. Insofern ist unsere Mitgliedschaft im Stifterverband weit mehr als nur eine Verpflichtung: Sie ist auch ein Bekenntnis zur Zukunft unseres Landes."

Den Wissenschaftspreis des Stifterverbandes für außerordentliche Leistungen an der Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und Anwendung erhielt in diesem Jahr der Max-Planck-Wissenschaftler Prof. Dr. Martin Jansen, Direktor am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart. Den mit 50.000 Euro dotierten Preis verleiht der Stifterverband seit fünf Jahren auf Vorschlag der Max-Planck-Gesellschaft. Jansen und sein Team entwickelten eine neue Klasse von Hochleistungswerkstoffen, die schon bald klassische metallische Werkstoffe wie Stahl ersetzen könnten: die amorphe Hochleistungskeramik. Für die Jury des Wissenschaftspreises ist dies der Paradefall eines erfolgreichen Wissens- und Technologietransfers vom Labor in die industrielle Praxis. Der Preis wird im Rahmen eines Fundraising-Dinners am Vorabend der Jahresfestveranstaltung in Gegenwart des Bundeswirtschaftsministers Clement sowie zahlreicher hochrangiger Unternehmensvertreter im Hause der Porsche Leipzig GmbH verliehen.
Eine Betacam-Kassette mit TV-Beitrag/Footage-Material zu Preisträger und Thema stellt freundlicherweise kostenlos zur Verfügung die Max-Planck-Gesellschaft, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Tel. 089/2108-1276, E-Mail presse@gv.mpg.de; Weitere Infos beim Preisträger selbst unter www.fkf.mpg.de.


Der Stifterverband
1920 von großen deutschen Industriebetrieben gegründet, steht der Stifterverband seither für die Unternehmen in Deutschland, die sich gemeinnützig mit ihrer Spende für Wissenschaft stark machen. Von den DAX30-Unternehmen sind 12 im Vorstand durch ihre Vorstandsvorsitzenden vertreten, insgesamt haben die rund 3.000 Mitglieder dem Stifterverband im vergangenen Jahr über 30 Mio. Euro an Spenden für die Wissenschaft anvertraut. In elf Landeskuratorien (LK) sind die in der jeweiligen Region engagierten Unternehmen organisiert; Vorsitzender des LK Sachsen ist der Vorstandsvorsitzende der Verbundnetz Gas AG, Dr.-Ing. Klaus-Ewald Holst.

Die wichtigste Aufgabe des Stifterverbandes besteht darin, Innovationen im Wissenschaftssystem voranzutreiben. Er tut dies als Networker: Er bringt Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammen, um die Zukunftsfragen der Wissenschaft zu definieren, zu diskutieren und schließlich Ziele zu identifizieren. Dank der Spenden aus der Wirtschaft kann der Stifterverband dann konkrete Modellprojekte finanzieren, um diese Ziele in die Praxis umzusetzen.


Weitere Infos zur Arbeit des Stifterverbandes im Internet unter www.stifterverband.de.

Fotos von der Festveranstaltung unter (0177) 8401158, Angela Lindner


Ansprechpartnerin:
Dr. Angela Lindner, Pressesprecherin, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Barkhovenallee 1, 45239 Essen, Telefon (0201) 8401 158, Email: angela.lindner@stifterverband.de
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