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"Können, sollen, wollen, dürfen, müssen"

29.06.2004 - (idw) Universität Erfurt

Ringvorlesung über Sexualität und Ethik in der Gegenwart

"Die Krise der Ethik ist in der zeitgenössischen westlichen Kultur dort besonders drastisch, wo es um den Bereich der Sexualität geht. Hier hat sich ein tief greifender Wandel vollzogen: der Wandel von Sexualität als dem zentralen Thema religiöser, theologischer und bürgerlicher Ethik hin zu Sexualität als 'Privatsache', die ihre Orientierung weitgehend aus der Werbe- und Warenwelt bezieht", so Privatdozentin Dr. Regina Ammicht Quinn. Sie spricht im Rahmen der Ringvorlesung am Dienstag, dem 29. Juni 2004 über Sexualität und Ethik in der Gegenwart. "Können, sollen, wollen, dürfen, müssen" ist ihr Vortrag überschrieben.

Der Bruch zwischen kirchlichen Weisungen und gelebtem Leben sei allgegenwärtig und offensichtlich, und moralisches Sprechen über Sexualität werde - im privaten wie im öffentlichen Bereich - immer schwieriger, so die studierte Theologin und Germanistin. Wenn Sexualität aber zu den Grundvollzügen menschlichen Lebens gehöre, dann sei die ethische und spezifisch moraltheologische Reflexion und das ethische und moraltheologische Sprechen unerlässlich, betont Ammicht Quinn. "Notwendig ist eine neue Gestalt dieses Sprechens - eine Gestalt, die den reichen Schatz christlicher Traditionen nutzt und gerade deshalb relevant werden kann für heutige - und zukünftige - Biografie-Entwürfe".

Regine Ammicht Quinn ist Privatdozentin für Theologische Ethik am Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) und an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Nach ihrem Studium der Katholischen Theologie und Germanistik promovierte sie zur Theodizeefrage (Von Lissabon bis Auschwitz. Zum Paradigmawechsel in der Theodizeefrage, Freiburg i.Ue./Freiburg/Br. 1992) und habilitiert sich mit einer Arbeit zu Körper - Religion - Sexualität. Theologische Reflexion zur Ethik der Geschlechter (Mainz 32004). Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Die achte Ringvorlesung der Universität beschäftigt sich im Sommersemester mit dem Thema "Ethik in der Krise - Ethik für die Krise". Ethiker sind derzeit bei den Diskussionen um das Lebenspartnerschaftsgesetz, Stammzellen oder aktive Sterbehilfe gefragt. Mit der großen Nachfrage nach Ethik, die sich auch in der Einsetzung von Enquete-Kommissionen oder nationalen Ethikräten widerspiegelt, ist auch eine große Unsicherheit verbunden. Immer wieder macht die Gesellschaft die Erfahrung, dass die Ethik als wissenschaftliche Reflexion moralischer Überzeugungen selbst Teil der Unsicherheiten ist, also - wenn man so will - der krisenhaften Phänomene der Gegenwart. Die Vorlesung in diesem Sommersemester ist der Überzeugung, dass die ethische Reflexion einen Dienst anzubieten hat, den die Gesellschaft braucht. Sie hat den Mut, einen Blick in die Werkstatt zur eröffnen, die die wissenschaftliche ethische Reflexion gegenwärtig darstellt. Dieser Blick soll zeigen, welche Chancen ethische "Beratung" aus den Reihen der Wissenschaft für die gegenwärtige Gesellschaft in ihrer Orientierungssuche bietet. Es ist Ethik für die Krise, also ein Nachdenken über die Ressourcen der moralischen Überzeugungen, die Halt geben, den Herausforderungen der Gegenwart standzuhalten und nach menschlichen Lösungen Ausschau zu halten für die kommende Entwicklung.

Die gemeinsam mit der Fachhochschule, mit Unterstützung der Sparkassenfinanzgruppe und der Universitätsgesellschaft Erfurt e.V. veranstaltete und von der Thüringischen Landeszeitung präsentierte populäre Reihe bietet jeweils dienstags (Beginn 18.00 Uhr in der Michaeliskirche/Universitätskirche) in insgesamt 14 Veranstaltungen Vorträge von Professoren verschiedener deutscher Universitäten.

Nächster Termin in der Reihe: 6.7.2004, 18.00 Uhr, "Wirkung von Gewalt in Medien auf Kinder - eine Frage zwischen Medienethik und Pädagogik", Prof. Dr. Karin Richter/ Prof. Dr. Burkhard Fuhs, Universität Erfurt
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