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Die globalisierte Welt braucht Generalisten des Rechts

01.07.2004 - (idw) Universität Leipzig

Sechs Professoren, nahezu ein Drittel des Kollegiums, haben Ende Juni an der Juristenfakultät der Universität Leipzig das Institut für Grundlagen des Rechts gegründet.

Drei Streifen zierten die Einladung zur feierlichen Eröffnung des neu gegründeten Instituts für Grundlagen des Rechts. In den Farben Gelb, Grün und Lila gezeichnet, markieren sie die Grundlinien, denen die beteiligten Lehrstühle folgen werden: Rechts- und Staatsphilosophie, Rechtsgeschichte sowie Kirchenrecht. Mit Prof. Gero Dolezalek, Prof. Christoph Enders, Prof. Helmut Goerlich, Prof. Michael Kahlo sowie Prof. Bernd Rüdiger Kern und Prof. Diethelm Klesczewski bündeln sechs Experten ihre Kompetenzen. Im Sinne der Leipziger Tradition und ermutigt durch die Lehrevaluation im Universitätsverbund Halle-Jena-Leipzig 2002/03 (LEU) verknüpfen sie die Berührungen zwischen ihren Fachgebieten künftig unter einem Dach. Stehen bekannte Namen wie Christian Thomasius, Theodor Mommsens, Karl Binding und Franz Acker für die historisch gewachsene Orientierung der Leipziger Juristen auf die Grundlagen ihres Fachs, so empfahl LEU die aktuell ausgewiesenen Forschungs- und Lehrtätigkeiten auf diesem Feld, inhaltlich und institutionell zu vereinen.
Dabei gründen die Leipziger auf die philosophischen, geschichtlichen und kirchlichen Fundamente ihres Fachs. Der Geschäftsführende Direktor Prof. Christoph Enders sieht darin ''die Weitung der Möglichkeiten und Perspektiven, bestimmte Fragen zu behandeln''. Stichworte wie Biotechnologie und Fortpflanzungsmedizin, Technisierung und Internationalisierung, Toleranzgebot und nationale Bürgergesellschaft gehören zu diesem Themenkreis.
Vergleichbare Institute an anderen deutschen Universitäten konzentrieren sich hingegen stärker auf eines der Grundlagenfächer, etwa die Rechtsphilosophie im weiteren Sinne. Eine ähnlich dem Leipziger Ansatz weiter gefasste Idee verfolgen derweil die Kollegen in Luzern - sie haben die Gründung ihres ''Institutes für juristische Grundlagenforschung'' für Oktober 2004 avisiert. Bereits jetzt ist geplant, dass sich das Leipziger Institut auf der Luzerner Gründungstagung vorstellen wird. Prof. Enders verweist in diesem Kontext auf europäische und internationale Vernetzung, die Juristen und Rechtswissenschaft vor neue Herausforderungen stellt. Die Auseinandersetzung kann beispielsweise bei völkerrechtlichen Fragen des Gewalt- und Interventionsverbots (Stichwort: Irak-Konflikt) beginnen, über die Möglichkeiten einer internationalen Strafgerichtsbarkeit (Stichwort: Internationaler Gerichtshof in Den Haag) führen, und muss im Disput um den religiösen Bezug der europäischen Verfassung noch lange nicht enden. Immer wieder werden aktuelle Probleme aus Sicht der Grundlagen des Rechts zu beleuchten sein, damit die Entscheidungsparameter Konturen gewinnen.
Die institutionelle Verbindung zwischen den philosophischen, geschichtlichen und kirchlichen Grundlagen des Fachs untersetzt zudem die weitgehend abgeschlossene Reform der Juristenausbildung an der Universität mit dem Schwerpunktbereich ''Grundlagen des Rechts'' - auch wenn sich das neu gegründete Institut vorerst auf die personell und bibliothekarisch vorhandenen Ressourcen stützen wird. Das Institut in diesem Sinne zu etablieren, wird der Perspektive sowohl der europäischen Integration als auch der globalisierten Welt gerecht. ''Die Nachfrage nach Generalisten wird zunehmen'', skizziert Prof. Enders die Zielvorstellungen von Lehre und Studium. ''Sie sind gefragt, um den Kontakt zwischen verschiedenen Rechtsauffassungen und -ordnungen zu vermitteln.''
In diesem Kontext waren mit Prof. Kurt Seelmann (Universität Basel) sowie Prof. Vanda Fiorillo (Universität Neapel) zwei Festredner geladen, die der Leipziger Juristenfakultät nicht nur durch längere Kooperationen bereits verbunden sind. Die beiden ausgewiesenen Experten - für Strafrecht und Rechtsphilosophie der eine, für deutsche Philosophie, insbesondere des Idealismus, die andere - stießen mit ihren Vorträgen in jenen Raum vor, in dem - über die Auslegung von Paragraphen und Gesetzen hinaus - die existenzielle Frage nach einer angemessenen, würdegemäßen Ordnung menschlicher Lebensverhältnisse ihren Ort hat.

Daniela Weber



Weitere Informationen:
Prof. Dr. Christoph Enders
Telefon: 0341 97-35351
E-Mail: chenders@rz.uni-leipzig.de
Fax: 0341 97-35359
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