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Weitere Förderung für Epilepsie-Forschung

01.07.2004 - (idw) Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Von der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurde nun bekanntgegeben, dass der transregionale Sonderforschungsbereich (SFB) "Mesiale Temporallappen-Epilepsien" für eine weitere Periode von vier Jahren mit insgesamt 8,75 Millionen Euro gefördert wird. Neben den Instituten für Physiologie und Anatomie, der Klinik für Neurologie II sowie der Abteilung für Neuropsychologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sind an diesem interdisziplinären Forschungsprojekt Wissenschaftler der Universitäten Bonn, Freiburg und der Humboldt Universität Berlin beteiligt.

Bei den Epilepsien, den so genannten "Anfallsleiden", handelt es sich um Erkrankungen, die durch episodisch auftretende anfallsartige Erscheinungen gekennzeichnet sind. Mit einer Gesamtzahl von etwa 800 000 Betroffenen in Deutschland zählen sie zu den häufigsten neurologischen Krankheiten. "Die in dieser Krankheitsgruppe besonders häufigen mesialen Temporallappen-Epilepsien nehmen eine Sonderstellung ein: Zum einen liegt der Anfallsursprung häufig lokal begrenzt im Bereich des Temporallappens des Gehirns; zum anderen erweist sich die mesiale Temporallappen-Epilepsie häufig als resistent gegenüber antiepileptischer Medikation", erklärt Prof. Dr. Hans-Christian Pape, Direktor des Institutes für Physiologie der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität.

Bei Patienten mit mesialer Temporallappen-Epilepsie sind epilepsiechirurgische Eingriffe besonders erfolgreich, bei denen nach eingehender prächirurgischer Diagnostik das erkrankte Gewebe operativ entfernt wird. Eine solche Operation führt bei ca. 70 Prozent der Patienten zu einer dauerhaften Anfallsfreiheit. Das bei diesen Patienten entnommene vitale Gehirngewebe wird nicht nur einer Suche nach pathologischen Veränderungen unterworfen, sondern es steht auch für umfangreiche molekulare und zelluläre Analysen zur Verfügung. Solche Studien bieten eine einmalige Gelegenheit, Pathomechanismen fokaler menschlicher Epilepsien zu entschlüsseln.

Darüber hinaus sind diese Studien auch deswegen von besonderem Interesse, da die Strukturen des mesialen Temporallappens Sitz komplexer zentralnervöser Leistungen sind, wie z.B. Gedächtnis, Plastizität und Emotion. Professor Pape: "Daher erlauben die Aufzeichnungen der Aktivität lebender Gehirnstrukturen im Menschen mit Hilfe von bildgebenden Verfahren, wie zum Beispiel der Kernspintomographie, und der Elektrophysiologie, in Verbindung mit der späteren Untersuchung des vom Neurochirurgen entfernten Gewebes auch einen einzigartigen Zugang zum Verständnis komplexer Funktionen des menschlichen Gehirns."

Diese Ansätze werden im transregionalen SFB "Mesiale Temporallappen-Epilepsien", der am 1. Juli 2001 eingerichtet wurde, verfolgt. Dabei bringen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Magdeburg (Koordinator: Prof. Dr. Hans-Christian Pape) ihre Kenntnisse auf den Gebieten der hochauflösenden Bildgebung sowie der Strukturen und Funktionen der relevanten Areale des Temporallappens ein. Diese Areale zählen zu den Kerngebieten des so genannten limbischen Systems des Gehirns, zu dessen Erforschung am Standort Magdeburg, vor allem im Rahmen des Sonderforschungsbereiches 426 "Limbische Strukturen und Funktionen", hervorragende Bedingungen gegeben sind.

Transregionale Sonderforschungsbereiche haben abweichend von der weiterhin bestehenden Form des ortsgebundenen Sonderforschungsbereichs die Besonderheit, dass mehrere, in der Regel zwei bis drei Standorte an den Projekten beteiligt sind. Hier werden Kooperationspartner zusammengeführt, deren Beiträge sich auf hohem wissenschaftlichem Niveau zwingend ergänzen. Sonderforschungsbereiche ermöglichen bei zeitlicher Begrenzung und regelmäßiger strenger Begutachtung die Durchführung aufwändiger Forschungsvorhaben an den Hochschulen.

Im Internet unter:

http://www.meb.uni-bonn.de/epileptologie/sfb-tr3/index.htm.

Ansprechpartner für Redaktionen:
Prof. Dr. Hans-Christian Pape,
Direktor des Institutes für Physiologie
der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg,
Tel. 0391/ 67 15 885.
e-mail: hans-christian.pape@medizin.uni-magdeburg.de
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