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Vorreiter bei Studierendenauswahl: Generelle Bewerbungspflicht. Online-Bewerbung möglich.

02.07.2004 - (idw) Universität Mannheim

Auswahlverfahren berücksichtigen studiengangspezifisch Fachnoten und außerschulische Leistungen / Begleitstudie: Selbst-ausgewählte Studierende erzielen bessere Leistungen / Anträge bis 15. Juli möglich / Drei neue Bachelor- Studiengänge

Die Universität Mannheim gilt seit Jahren bundesweit als Vorreiter bei der Selbstauswahl von Studierenden. In einigen Fächern wählt sie seit den 90er Jahren ihre Erstsemester selbst aus - mit sehr guten Erfahrungen. Jetzt weitet sie dieses System aus. Ab dem kommenden Wintersemester sind alle Studiengänge an der Universität Mannheim bewerbungspflichtig. Als erste Universität in Baden-Württemberg bietet sie dabei die Möglichkeit, sich für alle grundständigen Fächer mit Ausnahme der ZVS-Studiengänge über das Internet zu bewerben. Bewerbungsschluss für das Wintersemester ist der 15. Juli. Die Internet-Adresse: www.bewerbung.uni-mannheim.de

Die Universität bietet im Wintersemester 29 grundständige Studiengänge in den Bereichen Wirtschafts- und Sozialwissenschaft, Jura, Informatik und Geisteswissenschaften an. Neu sind ab kommendem Oktober die drei Bachelor-Studiengänge Politikwissenschaft, Geschichte: Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft sowie Medien- und Kommunikationswissenschaft. Elf Master-Studiengänge richten sich darüber hinaus an Interessenten, die bereits ein Studium abgeschlossen haben.

"Die Auswahlverfahren verursachen zwar eine Menge Arbeit", erklärt Professor Dr. Kai Brodersen, Mannheimer Prorektor für Lehre. "Aber der Aufwand lohnt sich - für die Universität genauso wie für die Studierenden." Die Hochschule erhält sehr gute, hoch motivierte Studierende, die Arbeitsatmosphäre wird intensiviert, die Abbrecherquoten sinken. Angehende Studierende profitieren davon, weil die Mannheimer bei der Bewerberauswahl weit mehr als nur die Abitur-Note berücksichtigen. Je nach Fach werden bestimmte Fachnoten stärker gewichtet, etwa Mathematik, Fremdsprachen oder Deutsch. Mit außerschulischem Engagement, studienbezogenen Praktika, entsprechender Berufsausbildung oder längeren Auslandsaufenthalten können Bewerber zusätzliche Pluspunkte sammeln.

"Diese Kriterien sind in ihrem Zusammenspiel sehr gute Indikatoren für den späteren Studienerfolg;" erläutert Christiane Koch, Mitarbeiterin des Projekts Auswahlverfahren an der Universität Mannheim, das seit Anfang 2003 vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert wird. "Der reine Abiturschnitt ist kein optimaler Maßstab. Bereits die Berücksichtigung außerschulischer Tätigkeiten erhöht in einigen Studiengängen die Aussagekraft: Wer in einem für den Studiengang relevanten Bereich schon Erfahrungen sammeln konnte, schneidet auch in der Regel im Studium besser ab."

Seit 1996 sammelt die Universität bereits Erfahrung mit Auswahlverfahren. Im Rahmen einer Förderung durch den Stifterverband der Deutschen Wissenschaft konnte die Auswahl in dem interdisziplinären Studiengang Diplom-Anglistik mit wirtschaftswissenschaftlicher Qualifikation erste Erfolge verzeichnen: Seit der Einführung der Auswahl sind die Studierenden stärker motiviert und brechen deutlich seltener ihr Studium ab. "Und, so paradox es klingt: Auch viele der abgelehnten Bewerber profitieren von dem Verfahren", betont Christiane Koch. Denn viele Studierenden hätten schlicht falsche Vorstellungen von ihrem vermeintlichen Traumfach, die sich durch den Bewerbungsprozess frühzeitig aufklären lassen.

"Parallel zu den Bewerbungsverfahren haben wir deshalb auch unsere Beratungsangebote ausgeweitet", erklärt Gangolf Bettag, Leiter des Dezernates Studienangelegenheiten der Universität Mannheim. Im Internet, auf Messen, bei Schulbesuchen oder an Informationstagen auf dem Campus stellen die Mannheimer Inhalte, Anforderungen und spätere Berufsaussichten ihrer Studienangebote vor. Die nächste Neuerung ist bereits geplant: In wenigen Monaten wird die Universität eine Telefon-Hotline einrichten.

Abiturienten können sich an der Universität Mannheim für insgesamt 27 Studiengänge bewerben, die zu einem ersten Hochschulabschluss führen - von Wirtschafts- und Sozialwissenschaften über Jura und Informatik bis zu den Geisteswissenschaften. In allen diesen Fächern können sich Interessenten auch per Internet bewerben. "Dieser Service kommt sehr gut an", berichtet Bettag. "Neunzig Prozent der bisherigen Bewerber für das kommende Wintersemester haben den Fragenkatalog online beantwortet." Für zwei Studiengänge ist bundesweit noch eine Bewerbung über die ZVS vorgeschrieben: für BWL und Psychologie.

Das Mannheimer Projekt Auswahlverfahren begleitet die Selbstauswahl der Studierenden mit der bislang größten wissenschaftlichen Studie zu diesem Thema in Deutschland. Die Ergebnisse sollen Ende nächsten Jahres vorliegen. Eines wurde aber bereits durch die Rückmeldungen der Teilnehmer sehr deutlich: Das Verfahren findet eine hohe Akzeptanz bei den Bewerbern und wird als fair und innovativ empfunden.

Und noch ein Resultat zeichnet sich ab: Es liegen in den einzelnen Fächern mehr Bewerbungen vor als vor einem Jahr zum gleichen Zeitpunkt der Bewerbungsphase. "Erfahrungsgemäß kommen in den letzten zehn Tagen vor Annahmefrist 90 Prozent der Anträge", schildert Bettag. Die Bewerberquoten des vergangenen Jahres - beispielsweise fünf Interessenten pro Studienplatz in der VWL oder in Jura - dürfte die Universität Mannheim damit erneut übertreffen.

Weitere Informationen:

Projekt Auswahlverfahren

Dipl.-Anglistin Christiane Koch
Tel. 0621/181 - 27 68
chriko@rumms.uni-mannheim.de

Studienbewerbung und Studienberatung
Gangolf Bettag
Tel. 0621/181 - 1190
bettag@verwaltung.uni-mannheim.de
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