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Warum wir Wörter zu Sätzen zu setzen wissen

09.07.2004 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Holger Diessel ist neuer Professor für Englische Linguistik an der Universität Jena


Prof. Dr. Holger Diessel (Foto: Fotozentrum Uni Jena) Jena (09.07.04) Der Hund, der eben über die Straße lief, hatte lange Schlappohren. Zugegeben, nicht gerade ein geistreicher Satz, aber immerhin so kompliziert, dass wir nicht erwarten würden, dass ein Dreijähriger ihn selbstverständlich im Munde spazieren führt. Doch etwa in diesem Alter fangen Kinder an, solche so genannten Relativsätze zu bilden. Warum das so ist und wie Spracherwerb vor sich geht, das erforscht Holger Diessel, der jetzt als Professor für Englische Sprachwissenschaft an die Friedrich-Schiller-Universität Jena berufen worden ist.

Zuvor hat der 40-Jährige sechs Jahre am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig gearbeitet. Seine Feldforschung zum Erwerb von komplexen Satzkonstruktionen im Englischen hat er in Großbritannien, genauer in Manchester, durchgeführt. Die Studienergebnisse sind in seine Habilitationsschrift (2002) an der Universität Leipzig eingeflossen. In Kleinelbe, Niedersachsen, in der Nähe von Salzgitter geboren, studierte Holger Diessel zunächst Germanistik und Literatur an der Technischen Universität Braunschweig. Er wechselte dann zum Hauptstudium an die Universität Hamburg. Nach seinem Magisterabschluss in Deutschland erwarb er in einem Graduiertenstudium (1993-1998) an der University of Buffalo in den USA noch einen Master- und anschließend den Doktortitel in Linguistik.

Warum wir bestimmte Wörter in einem Satz genau an dieser Stelle platzieren und nicht an einer anderen, daran verschwenden wir als "Sprachnutzer" keine Gedanken. Linguisten wie Diessel wissen jedoch, dass wir unbewusst sehr effektiv vorgehen, wenn wir unsere Sprache gebrauchen. "Wer das System verstehen will, muss wissen, wie wir Sprache verwenden und wie dieses System enstanden ist", sagt Diessel. Für ihn ist Sprache etwas Dynamisches, das sich durch alltäglichen Gebrauch ständig verändert.

Leider würden diese Veränderungen häufig als "Sprachverfall" wahrgenommen, der insbesondere in der Schule häufig missbilligt wird, so der Sprachwissenschaftler. Die Zeiten, in denen grammatische Regeln als unumstößliche Gesetze gepaukt wurden, sind jedoch zum Glück vorbei. Heute lernen Studierende, dass Sprache ein flexibles System bildet, das durch soziale, kognitive und funktionale Aspekte des Sprachgebrauchs geprägt ist. "Wichtig ist, dass die Studenten die verschiedenen Aspekte der Sprache erkennen und von dem alten normativen Verständnis der Sprache abkommen", betont Diessel. In der Forschung bewegt sich der neue englische Sprachwissenschaftler im Grenzgebiet zur Kognitionswissenschaft und Psychologie. Spracherwerb und Wissenserwerb, Angeborenes und Erlerntes, künstliche und menschliche Intelligenz, das sind die Eckpunkte, mit denen er sein breites Forschungsfeld absteckt.

Kontakt:
Prof. Dr. Holger Diessel
Institut für Anglistik/Amerikanistik der Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944530
E-Mail: holger.diessel@uni-jena.de
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