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Hohe Leistungsfähigkeit der Universitätsmedizin in Baden-Württemberg

19.07.2004 - (idw) Wissenschaftsrat

Wissenschaftsrat verabschiedet erstmals übergreifende Stellungnahme zu universitätsmedizinischen Einrichtungen eines Bundeslandes

Der Universitätsmedizin des Landes Baden-Württemberg mit ihren fünf Standorten wird eine hohe Leistungsfähigkeit attestiert. Positiv bewertet wurden die bisherigen Reformen der Hochschulmedizin des Landes. Die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen insgesamt sind günstig ausgestaltet, so dass an den meisten Standorten ein ausgeprägtes forschungsorientiertes Klima entstanden ist. Um die insgesamt guten Voraussetzungen für die Weiterentwicklung der Medizin an den Universitäten Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm noch besser ausschöpfen zu können, hält der Wissenschaftsrat jedoch eine Reihe von Maßnahmen für erforderlich. Sie beziehen sich in erster Linie auf eine weitere Optimierung der Organisations- und Leitungsstrukturen, der Verfahren der Ressourcenzuweisung des Landes und der internen Mittelverteilung der Fakultäten sowie der Kostenzuordnung zwischen Fakultäten und Klinika ("Trennungsrechnung"). Damit werden Weiterentwicklungen empfohlen, die für die Universitätsmedizin in ganz Deutschland von Bedeutung sind.

Die vom Land eigens für Forschung und Lehre eingesetzten Mittel müssen noch stärker als bisher auf die Leistungsträger zugeschnitten werden. Der Wissenschaftsrat hat daher allgemeine Leitlinien formuliert, an denen sich künftig eine leistungsorientierte Mittelvergabe (LOM) orientieren sollte. Gefordert wird, dass künftig mindestens 40 % der Landeszuführungsbeträge anhand von Leistungsparametern aus Forschung und Lehre fakultätsintern umverteilt werden. Dabei müssen die Verfahren so ausgestaltet werden, dass bestehende Leistungsunterschiede nicht mehr wie bisher verwischt werden. "Es muss möglich werden, Abteilungen, die keine nachweisbaren Leistungen in Forschung oder Lehre vorzuweisen haben, Forschungs- und Lehrressourcen zu entziehen, um sie in wissenschaftlich aktive Bereiche umzuleiten", erläutert dazu der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Karl Max Einhäupl. Um der Lehre ein angemessenes Gewicht zu verleihen, müsse die Lehrevaluation zu einem Instrument der Qualitätssicherung ausgebaut und mit der leistungsorientierten Mittelvergabe verbunden werden.

Die Tatsache, dass in den Universitätsklinika Forschung, Lehre und Krankenversorgung als miteinander gekoppelte Leistungen erbracht werden, macht eine Verbesserung der Kostenzuordnung ("Trennungsrechnung") unbedingt erforderlich. Der Wissenschaftsrat hat vor diesem Hintergrund entsprechende Leitlinien vorgegeben, die eine Transparenz der Mittelflüsse herstellen sollen. Nur so kann gewährleistet werden, dass für Forschung und Lehre bestimmte Mittel nicht zur Finanzierung von Defiziten aus der Krankenversorgung z.B. im Bereich der Hochschulambulanzen zweckentfremdet werden.

Um das Management der Fakultäten und Universitätsklinika zu stärken, wird unter anderem eine weitere Professionalisierung der Führungsteams mit hauptamtlichen Dekanen und Leitenden Ärztlichen Direktoren empfohlen.

Insbesondere die Situation an der Universität Heidelberg erfordert eine grundlegende Umstrukturierung. Als einzige Universität der Bundesrepublik verfügt sie über zwei eigenständige Medizinische Fakultäten mit je einem Klinikum. Die Leitungsstrukturen des Mannheimer Klinikums werden vor dem Hintergrund der Herausforderungen an die Universitätsmedizin für nicht zukunftsfähig gehalten, da den akademischen Anforderungen nicht ausreichend Rechnung getragen wird. Gleichwohl würdigt der Wissenschaftsrat die Fortschritte der Fakultät für Klinische Medizin Mannheim, die unter den gegebenen Bedingungen anerkennenswerte Leistungen erbracht hat. Da es jedoch auch in den anderen Fakultäten des Landes in den letzten Jahren zu deutlichen Leistungssteigerungen in der Forschung gekommen ist, bleibt Mannheim im Vergleich mit den übrigen Fakultäten Baden-Württembergs zurück. Der Wissenschaftsrat erwartet daher, dass die Zusammenarbeit mit der Klinikum Mannheim gGmbH auf eine grundlegend neue vertragliche Basis gestellt wird. Der Primat von Forschung und Lehre muss durch geeignete Leitungsstrukturen im Klinikum verwirklicht werden. Sollte dies nicht bis 2007 erreicht werden, empfiehlt er, die Fakultät für Klinische Medizin Mannheim in die Medizinische Fakultät Heidelberg zu integrieren.

Hinweis: Die "Standortübergreifende Stellungnahme zur Weiterentwicklung der Universitätsmedizin in Baden-Württemberg" (Drs. 6196/04) wird im Netz als Volltext (www.wissenschaftsrat.de) veröffentlicht, sie kann aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per Email (post@wissenschaftsrat) angefordert werden.

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