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Rekonstruktive plastisch-chirurgische Eingriffe an usbekischer Patientin

21.07.2004 - (idw) Universität Ulm


Sarvinoz mit schweren Narbenzügen vor der OP
OP-Resultat: funktionell ausreichende Beweglichkeit beider Oberarme sowie des Kopfes mit möglichem Lippenschluß bei erhaltener Gesichtsmotorik Massive Verbrennungsnarben operiert
Rekonstruktive plastisch-chirurgische Eingriffe an usbekischer Patientin

Die 13jährige Sarvinoz Rakhimnazarova zog sich in Usbekistan vor reichlich zwei Jahren eine schwere Verbrennung im Bereich der vorderen Bauchwand, der Brust, beider Oberarme und des Halses zu. Nach Abwendung der akuten Lebensgefahr erfolgte die Defektdeckung der verbrannten Körperabschnitte durch Hauttransplantate vom Rücken und von den Unterarmen und Beinen durch die Ärzte in Usbekistan. Im weiteren Verlauf entwickelten sich schwere Narbenzüge mit Ausbildung von Kontrakturen besonders im Bereich des Halses und beider Schultergelenke. Beide Arme konnten im Schultergelenk nicht abgespreizt werden, und der Unterkiefer war komplett an die Brust fixiert, so daß sich bereits eine Verkrümmung der Halswirbelsäule anbahnte.

Bei diesem Sachstand erfolgte eine Kontaktaufnahme zu Prof. Dr. Lothar Kinzl, Ärztlichem Direktor der Abteilung für Unfallchirurgie, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der Universität Ulm. Von der Organisation Friedensdorf International wurde im Februar die Reise nach Deutschland ermöglicht. Das Mädchen kam mit großen Hoffnungen nach Deutschland. Die stationäre Aufnahme in der Ulmer Unfallchirurgie war dank des von der Klinikverwaltung zur Verfügung gestellten Freibettes möglich.

Mit vier operativen Eingriffen konnten Oberarzt Dr. Thomas Ebinger und seine Kollegen von der Sektion Hand- und Mikrochirurgie die Narbenzüge im Bereich beider Achseln sowie des Halses lösen. Die Defektdeckung erfolgte durch Transplantate aus Hautregionen, die mit Expandern vorgedehnt worden waren. In einer zehnstündigen Operation wurde nach der Auslösung des Unterkiefers aus dem Narbenblock in Zusammenarbeit mit PD Dr. Dr. Carl Peter Cornelius, Mund- und Kieferchirurg am Bundeswehrkrankenhaus Ulm, der entstandene Weichteildefekt durch einen freien Latissimus-dorsi-Lappen (Musculus latissimus dorsi = breitester Rückenmuskel) mit mikrovaskulärem Anschluß an die Halsgefäße gedeckt.

Trotz der extrem ungünstigen Intubationsbedingungen aufgrund der Halskontraktur sowie der intraoralen Narbenzüge verliefen alle Operationen komplikationslos (Anästhesisten Prof. Dr. Ernst Pfenninger und PD Dr. Alexander Brinkmann). Schritt für Schritt wurde eine Auslösung beider Schultern sowie des Kopfes erreicht. Das Resultat ist eine funktionell ausreichende Beweglichkeit beider Oberarme sowie des Kopfes mit möglichem Lippenschluß bei erhaltener Gesichtsmotorik. Der kosmetisch noch störende Weichteilüberschuß am Hals ist zur Vermeidung erneuter Narbenzüge wichtig und wird sich im Verlauf des Wachstums reduzieren. Insoweit ist zudem ein Korrektureingriff im Erwachsenenalter möglich.

Das ausgezeichnete Behandlungsergebnis ist nicht zuletzt der intensiven Betreuung der Patientin durch alle Beteiligten, namentlich aber durch die Kinderkrankenschwestern der Chirurgischen Universitätsklinik und die Mitarbeiter der Physiotherapie zu danken. Ein besonderer Dank gebührt auch Jörn Thöne, Orthopädiemechaniker der Firma Häussler in Ulm, der die für die Narbenbehandlung wichtigen Kompressionshemden und Schienen zur Haltungskorrektur bereitstellte, wobei nur der Selbstkostenpreis berechnet wurde. Ein Nebeneffekt des fünfmonatigen Aufenthaltes in Ulm: Sarvinoz hat die deutsche Sprache erlernt. Im August wird sie nach Usbekistan zurückkehren.
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