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Evangelischen Bibliothek an die Universität zu Köln

22.07.2004 - (idw) Universität zu Köln

Größter Bestandszuwachs seit 1885
Übergabe der Evangelischen Bibliothek an die Universität zu Köln

Anläßlich der im Rahmen einer Feierstunde vorgenommenen Übergabe der Evangelischen Bibliothek an die Universität zu Köln hielt der Direktor der Universitäts- und Stadtbibliothek, Professor Dr. Wolfgang Schmitz, heute die folgende Ansprache:

Es gibt Ereignisse in der Geschichte einer Bibliothek, die sich deutlich aus dem gleichmäßigen Fluß der Entwicklung herausheben. Ein solcher Tag ist heute mit der Übergabe der Evangelischen Bibliothek an die Universitäts- und Stadtbibliothek. Es ist der größte Bestandszuwachs seit der Übergabe der Gymnasialbibliothek durch den Gymnasial- und Stiftungsfonds 1885 an die damalige Stadtbibliothek Köln. Dieser Zuwachs hat die geisteswissenschaftlichen Bestände, namentlich die Altbestände bis heute geprägt und so wird dieser neue Zuwachs um 70.000 Bände dem Bestand der Geisteswissenschaften seinen besonderen Stempel aufdrücken.

Unsere Universitäts- und Stadtbibliothek, wie wir sie heute vorfinden, ist aus zwei Hauptwurzeln entstanden: der alten wissenschaftlichen Stadtbibliothek und der Bibliothek der Handelshochschule, die 1919 als Keimzelle zur Neugründung der Universität diente. Der Name Universitäts- und Stadtbibliothek weist noch heute auf diese beiden Wurzeln zurück und belegt bis heute, daß unser Haus die Bibliothek der Universität, aber auch diejenige der Kölner Bürger ist.

Die beiden Wurzeln stehen für bestimmte Bestandsausrichtungen, die sich bis heute verbinden. Die Handelshochschule sammelte intensiv im Rahmen ihres Auftrags Literatur der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und dieser intensiven Sammeltätigkeit ist es zu verdanken, das die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln heute die Sondersammelgebiete Betriebswirtschaft, Versicherungswesen und Sozialwissenschaften der Deutschen Forschungsgemeinschaft betreut, d.h. wir kaufen mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft hier in Köln weltweit Literatur aus diesen Gebieten und stellen sie den Kölner Benutzern, aber über den Leihverkehr für ganz Deutschland zur Verfügung.

Die andere Wurzel ist die wissenschaftliche Stadtbibliothek. Sie geht bis ins Jahr 1602 zurück, hat aber erst im 19. Jh. einige Bedeutung erlangt. Zahlreiche Sammlungen Kölner Privatpersonen sind geschenkweise oder testamentarisch eingegangen, von berühmten wie Ferdinand Franz Wallraf, Gustav v. Mevissen u.v.a. bis zu vielen einfachen Bürgern dieser Stadt. Sie erfüllt damit die analoge Funktion, wie es die großen Museen für den Kunstbesitz darstellen: Sammelbecken und Repräsentant der Kölner Buchkultur zu sein. In der erwähnten Gymnasialbibliothek findet sich besonders die Theologie. Das ist von ihrer Genese erklärlich. Sie geht nämlich zurück auf die alte Kölner Jesuitensammlung, die 1773 mit der Aufhebung des Ordens in städtischen Besitz kam. Nach 1794 diente sie als Auffangbecken für das säkularisierte Buchgut der alten Kölner Klöster, wurde nach 1802 neu organisiert und sollte den Kölner Gymnasien (wie der Name sagt) als Arbeitsinstrument zur Verfügung stehen.

Die Herkunft aus altem Kölner Klosterbestand läßt schon vermuten, daß ein Großteil dieses Bestandes (aber beleibe nicht alles) aus dem Gebiet der Theologie bestand, und so ist es auch. Dominikaner und Franziskaner, Kartäuser und Karmeliten, Benediktiner und Augustiner, um nur einige in Köln ansässige Orden zu nennen, haben reiche theologische Literatur zusammengetragen. Das ist zwar primär katholisches Schrifttum, aber durchaus auch evangelisches: Die Klöster wollten sich offenbar damit auseinandersetzen. Auf diesem Wege gelangten zum Beispiel auch seltene Lutherdrucke in unser Haus. Somit hat unser theologischer Bestand seinen Schwerpunkt im 15. - 18. Jahrhundert, eben bedingt durch die Herkunft aus den alten Klosterbibliotheken. Im 19. Jh. fand die alte Stadtbibliothek erst spät den Weg zu einem modernen Betrieb mit entsprechenden Räumlichkeiten, Finanzausstattung und professioneller Betreuung (der erste hauptamtliche Leiter wurde hier erst 1880 eingesetzt). Zwar ging es dann recht schnell und vorbildlich aufwärts (der Bestand vermehrte sich von 1880 bis 1920 auf etwa das 10fache), aber die Theologie spielte als Sammelgebiet nur eine untergeordnete Rolle. Das änderte sich auch als Universitäts- und Stadtbibliothek nach 1920 nicht. Denn wenn auch Köln als städtische Universität den höchsten Bibliotheksetat nach der Preußischen Staatsbibliothek zur Verfügung stellte, um die zusammengefügte Universitäts- und Stadtbibliothek für die neuen Aufgaben brauchbar zu machen, Theologie wurde nicht viel gekauft. Warum nicht? Weil es nicht zur Gründung theologischer Fakultäten kam, wiewohl mehrfach der Ansatz gemacht wurde. Die Gründe waren finanzieller Art, eine zögerliche Haltung zumindest der katholischen Kirche und nicht zuletzt die Nähe Bonns mit beiden Fakultäten, die eine Gründung überflüssig erscheinen ließen.

So ist der Bestand an Theologie in der Universitäts- und Stadtbibliothek bis heute bescheiden, trotz mancher Bemühungen in den letzten Jahren. Die Übergabe der Evangelischen Bibliothek ist somit ein reicher, ein sehr reicher Bestandszuwachs ohne eine große Überschneidung. Für die neuen theologischen Lehramtsstudiengänge steht somit mit einem Schlag eine reiche Grundausstattung bereit, aber natürlich nicht nur die die Wissenschaftler und Studierenden der Universität Köln, sondern auch im Sinne der Stifter und unseres Hauses für alle Kölner Bürger und darüber hinaus. Wir registrieren diese großherzige und auch in den Rahmenbedingungen großzügige Schenkung mit großer Dankbarkeit, das möchte ich Ihnen, sehr geehrter Herr Stadtsuperintendent und den Vertretern der Evangelischen Kirche noch einmal und ausdrücklich bekunden.

Sie haben sich nicht leichten Herzens von Ihrer Bibliothek getrennt, die fast 150 Jahre lang von Ihnen gepflegt und entwickelt wurde. Sie sollen aber wissen, daß sie in gute, sprich fachmännische und respektvolle Hände gerät. Wir wissen, was wir bekommen, wir wissen es zu schätzen und wollen es in Ihrem Sinne weiterführen und weiterentwickeln.

Natürlich wird mancher Benutzer die fast anheimelnde Atmosphäre der bisherigen Evangelischen Bibliothek vermissen, in der lang vertraute Mitarbeiterinnen, an der Spitze Frau Dr. Dumke, für gute Betreuung sorgten. Aber ich möchte mir wünschen, daß alle Benutzer der Ev. Bibliothek nun bei uns heimisch werden. Sicher ist die Universitäts- und Stadtbibliothek durch ihre Größe weniger überschaubar, aber es soll Ihnen nicht an Kontaktpersonen fehlen. Frau Dr. Dumke wird noch längere Zeit den Übergang betreuen und für Sorgen und Anregungen zur Verfügung stehen; bei uns im Haus wird es Dr. Christian Klinger als Fachreferent für die Theologie sein, der als Ansprechpartner fungiert. Die etwas große, vielleicht auf den ersten Blick anonyme Universitäts- und Stadtbibliothek erhält so für Sie ein menschliches Gesicht. Das schönste Kompliment, das Sie dann machen können, wäre der Ausspruch: "Wir haben diese Übergabe nie bereut."

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Wolfgang Schmitz unter der Telefonnummer 0221/470-2260 und der Fax-Nummer 0221/470-5166 und der Emailadresse schmitz@ub.uni-koeln.de zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web unter http://www.uni-koeln.de/pi/ .
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