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WM-Ängste der Deutschen: "Bier und bin Laden"

26.07.2004 - (idw) Universität Hohenheim

Studie der Universität Hohenheim zu Ängsten der Deutschen bei WM und Olympia:
· Größtes Risiko durch Betrunkene und Terroristen
· Berlin und Frankfurt als WM-Städte besonders gefährdet
· Kaum Vertrauen in Olympia-Sicherheitsbehörden in Athen

Achtung: Sperrfrist Dienstag, 27. Juli 2004

Vor allem Terroristen und Hooligans bedrohen die Fußball-WM 2006 in Deutschland - so sieht es zumindest Deutschlands Bevölkerung laut einer repräsentativen Studie des Lehrstuhls für Marketing der Universität Hohenheim. Vor allem in WM-Großstädten sehen die Bürger während der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 eine erhöhte Bedrohung. Berlin, Frankfurt, Hamburg und Leipzig gelten als überdurchschnittlich gefährdet - aber immer noch sicherer als die Olympiastadt Athen. Denn deren Sicherheitsbehörden bringt die deutsche Bevölkerung kein großes Vertrauen entgegen.

Insgesamt 2381 Personen aus allen Altersgruppen der deutschen Bevölkerung ließ Marketing-Experte Professor Markus Voeth für die repräsentative Studie befragen. Die Untersuchung ist Teil der mehrjährigen Langzeitstudie "WM 2006", die jährlich Akzeptanz, Präferenzen und Vorstellungen der Bevölkerung zur Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland misst. Erstmals ließ der Projektleiter Stefan Sandulescu in diesem Jahr auch Sicherheitsfragen bewerten und mit dem Sicherheitsgefühl bei Sportgroßereignissen in anderen Ländern - wie etwa den Olympischen Spielen in Griechenland - vergleichen. Gemäß der Studie:

· befürchten Deutsche während der Sportereignisse am ehesten Terroranschläge, gefolgt von Ausschreitungen durch Alkohol und randalierende Hooligans. Wenig Sorgen bereitet typische Kleinkriminalität wie Taschendiebstahl in der Menschenmenge oder die Gefahr, dass Sicherheitsbehörden ihren normalen Aufgaben in dieser Zeit nicht nachkommen. Am wenigsten Sorge bereitet das mögliche Verkehrschaos.

· gelten Berlin, Frankfurt, Hamburg, München und Leipzig unter den 12 Austragungsorten der Fußball-WM als Städte mit überdurchschnittlichem Sicherheitsrisiko. Köln und Dortmund liegen im Durchschnitt. Hannover, Gelsenkirchen, Stuttgart und Kaiserslautern tragen ein eher geringes Risiko. Am sichersten gelten die Spiele in Nürnberg.

· hält eine zwei Drittel Mehrheit Ausschreitungen während der WM für wahrscheinlich. "Überraschend für uns war allerdings die Tatsache, dass sich die Befragten mit zunehmendem Alter gelassener zu diesem Aspekt äußern", kommentiert Studienleiter Sandulescu.

· schätzt die Bevölkerung Sportereignisse in Deutschland als wesentlich sicherer ein als in Griechenland, wo am 13. August die Olympiade beginnt. Grund dafür ist, dass sie das generelle Sicherheitsrisiko in Deutschland eher gering und die eigenen Sicherheitsbehörden für überdurchschnittlich kompetent einschätzt. "Aus Sicht der Befragten ist Deutschland damit der ideale Austragungsort für Groß-Sportereignisse wie die WM", meint Prof. Voeth. Ähnlich gut sei das Image der Sicherheitsbehörden lediglich in den USA, wobei dort allerdings auch eine größere Gefahr gesehen wird. Als unterdurchschnittlich kompetent gelten die Sicherheitsbehörden in Griechenland - wobei ihnen zu Gute kommt, dass die Bedrohung dort ähnlich niedrig wie in Deutschland beurteilt wird.

· signalisiert die Bevölkerung Bereitschaft, zu Gunsten erhöhter Sicherheit auch zeitaufwändige Einlasskontrollen, Personenkontrollen in den Innenstädten und teilweise auch Zugverspätungen und Staus hinzunehmen. Abgelehnt werden Eingriffe in die Bürgerrechte: Keine Zustimmung gibt es für die Weiterleitung persönlicher Informationen an und durch Sicherheitsbehörden, Sicherheitszuschläge im öffentlichen Verkehr, die Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit oder die Absperrung ganzer Stadtteile. Am stärksten abgelehnt wird die Idee, zum Beispiel Berichte über Ausschreitungen zu verbieten und so die Pressefreiheit einzuschränken.

· befürchten die Befragten, dass zusätzliche Kosten für Sicherheitsvorkehrungen vor allem durch Steuergelder bezahlt werden. "Wobei die Prognose deutlich als ungerecht empfunden wird", erklärt Professor Voeth. Denn bei der Frage "Wer sollte Ihrer Ansicht nach die zusätzlichen Kosten für Sicherheitsvorkehrungen tragen?" sollen nach Auffassung der Bevölkerung durchschnittlich 22 Prozent der Sicherheitskosten von der FIFA getragen werden. 19 Prozent sollten von den Stadionbesuchern getragen werden, 16 Prozent von den offiziellen WM-Sponsoren und ebenfalls 16 Prozent vom Deutschen Fußsballbund. Erst dann folgen mit 9 Prozent die WM-Städte, mit sieben Prozent die betroffenen Bundesländer, mit sechs Prozent der Bund und mit fünf Prozent die EU.

Den Spaß an der WM lassen sich die Deutschen durch Ängste um die eigene Sicherheit laut Studie dennoch nicht verderben: "Dass die WM 2006 in Deutschland stattfindet, stößt weiterhin bei mehr als 80 Prozent der Bevölkerung auf Akzeptanz", sagt Professor Voeth. Bei Sicherheitsfragen falle auf, dass häufige Stadionbesucher Sicherheitsorgane besser und Sicherheitsrisiken geringer einschätzten, als Menschen, die nie ins Stadion gehen. "Dies könnte zeigen, dass hier ein Kommunikationsdefizit vorliegt", urteilen Prof. Voeth und sein Mitarbeiter Stefan Sandulescu. So hätten auch nur 30 Prozent der Befragten angegeben, ausreichend über die WM im eigenen Land informiert zu sein.

Die Langzeitstudie WM 2006
Mobilisierung und Begeisterung der Bevölkerung stellen zentrale Erfolgsfaktoren für die Ausrichtung der WM 2006 dar. Um hierfür die erforderlichen Informationen zu generieren, wurde im Jahr 2001 die Langzeitstudie "Akzeptanz und Einstellungen der Bevölkerung zum Sportgroßereignis WM 2006" aufgelegt. Ziel dieser Studie ist es, bis zur WM 2006 jährlich im Rahmen von aufeinander aufbauenden empirischen Untersuchungen die Präferenzen und Vorstellungen der Bevölkerung im Zusammenhang mit diesem Sportgroßereignis abzubilden. Hierdurch sollen sich nicht nur Veränderungen von Akzeptanzwerten, Einstellungen oder Präferenzen der Bevölkerung im Zeitablauf ermitteln lassen. Stattdessen ist es auch das Ziel, den an der Vorbereitung Beteiligten Ansatzpunkte aufzuzeigen, wie sich die Vorstellungen der Bevölkerung in den Organisationsprozess einbinden beziehungsweise mit dessen Hilfe umsetzen lassen.

Ergebnisse auch aus den Vorjahren, weiteres Material und druckfähige Grafiken als Download finden Sie unter:
http://www.marketing.uni-hohenheim.de

Kontaktadresse für Rückfragen (nicht zur Veröffentlichung):
Prof. Dr. Markus Voeth
Universität Hohenheim, Institut für Betriebswirtschaftslehre, Lehrstuhl für Marketing
Tel: 0711 459-2925
Mail: marketing@uni-hohenheim.de
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