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Ein Stipendium als Markenzeichen

26.07.2004 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

1000 Teilnehmer kamen zum zentralen und größten Ereignis des Baden-Württemberg-Stipendiums: dem Empfang des Ministerpräsidenten Erwin Teufel in Stuttgart - Unter den Teilnehmern war auch der Israeli Arik Sadan, der für ein Jahr an der Universität Heidelberg studierte

Der Empfang des Ministerpräsidenten ist ein wichtiges Ereignis im Kalender der Landesstiftung Baden-Württemberg: Erwin Teufel ist nicht nur Landesvater, sondern auch Aufsichtsratsvorsitzender der Gemeinnützigen GmbH, die vor drei Jahren gegründet wurde. Zur Versammlung der Stiftung erschienen etwa 100 Gäste aus Hochschulen, der Wirtschaft, Politik und Kultur. Hinzu kamen 900 Stipendiaten, die teilweise ihre Projekte präsentierten oder Interesse an den Erfahrungen anderer Stipendiaten zeigten. "Ich finde, die Veranstaltung ist sehr gelungen, vor allem weil sie zu großen Teilen von den Stipendiaten selbst getragen wurde", so Nicoline Dorn, Mitarbeiterin im Akademischen Auslandsamt der Universität Heidelberg und dort zuständig für die Regionen Europa und Übersee.

Die Stipendiaten hatten die Möglichkeit von ihren Auslandserfahrungen zu berichten. Eine Studentin aus Ludwigsburg zeigte einen Film über ihren von der Stiftung finanzierten Praktikumsaufenthalt in einem großen Produktionsstudio in Hollywood. Ein weiterer Stipendiat spielte Trompete und sorgte damit für den musikalischen Rahmen im Gospel Forum. Die Organisatoren hatten nach Ländern geordnete Treffpunkte eingerichtet. "Das war sehr geschickt gemacht, mit Karten, Pinnwänden und Listen zum Eintragen", sagte Dorn. Trotz der hohen Zahl der Teilnehmer gelang es dadurch, dass Stipendiaten mit gleichen Interessen rasch in Kontakt kamen. Das Konzept, eine informelle Plattform zum Erfahrungsaustausch zu bieten, ging somit auf. Zuvor hatte Ministerpräsident Erwin Teufel zu den Gästen, Stipendiaten und Ehemaligen gesprochen: "Wir wollen, dass das Baden-Württemberg-Stipendium zu einem Markenzeichen für unser Land wird." Dieses Ziel hat sich auch der neu gegründete Stipendiaten- und Alumniverein gesetzt, der im Anschluss an Empfang und Buffet seine erste Mitgliederversammlung abhielt. Der Verein möchte die Vernetzung unter den Stipendiaten und Ehemaligen fördern und verbessern. Angedacht ist etwa eine Willkommensparty für die neuen Stipendiaten.

"Ich habe viel von dem Jahr an der Universität Heidelberg erwartet, aber ich habe noch mehr bekommen", sagte Arik Sadan, Student der Islamwissenschaften mit dem Schwerpunkt Arabistik. Seine Heimat-Universität ist die Hebrew-Universität in Jerusalem, deren Arabistik-Abteilung zu den besten auf der Welt gehört. "Das Niveau in Jerusalem ist hoch, man hat dort gute Möglichkeiten Sprachen zu üben", sagte Sadan. Die Werbung für seine Universität scheint erfolgreich zu verlaufen: "Ich denke ich werde einige meiner Freunde aus Heidelberg in Israel wieder sehen". Die beiden Universitäten kooperieren seit 20 Jahren, unter anderem in einem Austauschprogramm. Sadan ist der diesjährige Stipendiat, der mit Hilfe der Landesstiftung in Heidelberg arbeiten konnte. Die Fachliteratur seines Spezialbereichs wurde im 18. und 19. Jahrhundert in Deutschland geschrieben. "Ich wollte die Originale lesen, deshalb habe ich angefangen die Sprache zu lernen", sagte Sadan zu seiner Motivation nach Deutschland zu kommen. Mittlerweile hat er seine Magisterarbeit über Dialektologie und Grammatik des klassischen Arabisch abgeschlossen, sein Deutsch verbessert und eine neue Kultur kennen gelernt.

Deutschland kennen zu lernen war für ihn alles andere als einfach: "Teile meiner Familie sind dem Holocaust zum Opfer gefallen. Meine Großmutter hat Auschwitz überlebt", sagte Sadan. "Ich habe meine Großmutter gefragt, was sie fühlt, wenn ich nach Deutschland gehe. Sie hat mich gefragt: Ist es für Dich wichtig? Ich antwortete: Ja", beschrieb Sadan die schwierige Entscheidung. Schon sein Studienfach Arabistik sei für einen israelischen Juden ungewöhnlich und stoße gelegentlich auf Ablehnung. Dennoch ist Sadan zufrieden mit seinem Deutschlandaufenthalt: "Nur wenige haben in mir 'Israel' gesehen", so der Sprachwissenschaftler. Teile seiner Doktorarbeit will er wieder in Heidelberg schreiben.

"Anstiften zum Austausch" soll das Baden-Württemberg-Stipendium: Es möchte jungen Menschen ermöglichen, ins Ausland zu gehen oder nach Baden-Württemberg zu kommen. Die Förderung des internationalen Austauschs ist jedoch keinesfalls auf Studierende der Universitäten, Pädagogischen Hochschulen, Fachhochschulen und Berufsakademien begrenzt: Sie gilt generell, auch für Schülerinnen und Schüler, die ein Praktikum machen möchten oder für Berufstätige am Beginn ihrer Karriere, die Arbeitserfahrung im Ausland sammeln möchten. Mit etwa 3 Milliarden Euro Stiftungsvermögen ist die Stiftung eine der größten in der Bundesrepublik. Vor drei Jahren ging sie aus der ehemaligen Landesbeteiligung Baden-Württemberg GmbH hervor.

Jochen Schlabing

Kontakt zur Stiftung:
Landesstiftung Baden-Württemberg gGmbH
Richard-Wagner-Str. 51
70184 Stuttgart
www.landesstiftung-bw.de

Iris Berghold M.A.
Tel. 0711 24 84 76 16, Fax 24 84 76 50
berghold@landesstiftung-bw.de

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

und
Irene Thewalt
presse@rektorat.uni-heidelberg.de
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